bulla-blog
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Das wahre Leben:
Erinnerungen

Übersicht

  • Poesie-Alben
  • Handschrift
  • Das waren noch Zeiten!
    Drei Sender und Sendeschluss
  • Jugend frĂŒher
    Sind Sie auch in den
    50er, 60er oder 70er Jahren aufgewachsen?

Poesie-Alben

(Fotos: © Frank R. Bulla)

„Wer in dieses
BĂŒchlein schreibt,
den bitte ich um Sauberkeit.“

Wenn man nach einem Umzug Kartons auspackt, trifft man zuweilen auf Dinge, die man sich lange nicht mehr zu GemĂŒte gefĂŒhrt hat; denn vorm Umzug, beim Zusammenpacken, war einfach nicht die Muße da, sich nĂ€her mit dem einen oder anderen Gegenstand zu befassen.

Meine Frau hatte jetzt – nach Anschaffung eines neuen Regals fĂŒrs Arbeitszimmer – ihre letzten Kartons ausgepackt. Plötzlich stand sie vor mir und hĂ€ndigte mir ein Poesie-Album aus: „Darin fehlt noch dein Eintrag.“

Als wir uns vor ĂŒber 30 Jahren kennenlernten, war sie wohl schon lange aus dem Alter raus, in dem man das Poesie-Album im Freundeskreis herumreicht. Der letzte Eintrag datierte auf Sommer 1977.

Mein erster (wenngleich nicht ganz ernstgemeinter) Gedanke war natĂŒrlich: Wo, bitteschön, bekomme ich denn jetzt bloß die obligatorischen Lackbildchen her!? Irgendeine schöne Lebensweisheit, womöglich in Reimform, wĂ€re ja nun fĂŒr mich absolut nicht das Problem. NatĂŒrlich habe ich damals in meiner Kindheit und frĂŒhesten Jugend auch in so manches Poesie-Album schreiben können / dĂŒrfen / sollen / mĂŒssen. Anstelle der Aufkleber zeichnete ich grundsĂ€tzlich etwas auf der fĂŒr mich vorgesehenen Seite. Gleichwohl muss ich mir heutzutage erst mal etwas Inspiration holen, denn auch bei mir ist der letzte Kontakt mit einem Poesie-Album bereits einige Jahrzehnte her. So blĂ€tterte ich ĂŒber die ersten – noch völig leeren – Doppelseiten, entdeckte aber auf mehreren rechten Seiten in der obersten rechten Ecke dezent mit Bleistift notierte, fĂŒr EintrĂ€ge vorgesehene Personen. Allerdings werden wohl einige dieser Seiten auch kĂŒnftig unbeschriftet bleiben, denn Großeltern und Eltern meiner Frau, die damals offenbar keine Gelegenheit fĂŒr ihre EintrĂ€ge bekamen oder fanden, liegen bedauerlicherweise inzwischen unter der Erde; vermutlich dachte sich meine Frau, dass dafĂŒr ja noch unendlich viel Zeit sein wird. Und selbst die Seite fĂŒr den Bruder wird wohl nachhaltig leer bleiben, denn den können wir beide ĂŒberhaupt nicht leiden.

Nun ja – da mein Name in dem BĂŒchlein nicht vorgesehen ist, habe ich jetzt wohl freie Auswahl und werde mir ein hĂŒbsches PlĂ€tzchen aussuchen. Da – wie ich finde – ein Poesie-Album irgendwie etwas Besonderes ist, werde ich die Sache nicht ĂŒbereilt angehen, habe den kleinen Band aber schon mal auf meinem Schreibtisch deponiert. Indes warf ich angesichts einiger noch leerer Seiten die Anregung in den Raum, dass das Album ja fortgefĂŒhrt werden könnte, denn auch heute noch gibt es Leute aus dem Freundeskreis, die sich verewigen könnten. Oder ist ein Poesie-Album nur etwas fĂŒr Kinder?

Nachtrag

Das Poesie-Album befindet sich ĂŒbrigens – nach einer Liegezeit von rund sechs Monaten (es könnten aber auch schon neun sein) – noch immer auf meinem Schreibtisch. Gut' Ding will eben Weile haben! 😜



Handschrift

(Grafik: N. N.)

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man heutzutage in der Schule das Schreiben lernt und welche Handschrift dabei favorisiert wird. Auch weiß ich nicht, ob auch heute noch gesteigerter Wert darauf gelegt wird, beim Schreiben die rechte Hand zu benutzen. In den 60er Jahren jedenfalls hatte man in der PĂ€dagogik ganz klare Vorstellungen, auf welche Art und Weise man schreiben zu lernen hat.

Aus den ErzĂ€hlungen meiner Eltern (ich selbst erinnere das nicht mehr so genau), weiß ich, dass ich bereits weit vor der Einschulung damit begonnen hatte, die Beschriftung von Lebensmittel-Verpackungen und Zeitungs-Headlines nachzuahmen (von Schreiben konnte damals noch nicht wirklich die Rede sein), sodass ich zum Schulstart bereits das Alphabet beherrschte und – wie auf allem Bedruckten ĂŒblich – alle Buchstaben auch in feinster Druckschrift wiedergeben konnte. So hatte die Deutsch-Lehrerin in der Grundschule ihre liebe Not, mich umzugewöhnen und mir die ĂŒbliche Schreibschrift zu vermitteln.

Es gab deswegen des öfteren Zoff, und nicht selten wurden meine Eltern ins Sekretariat zitiert, um immer wieder daran erinnert zu werden, dass sie doch auf mich einwirken mögen, damit ich endlich mal von den Druckbuchstaben lasse und mich mehr der Schreibschrift widme, die auch all meine Schulkameraden einsetzten.

Immerhin gab es keinerlei Probleme mit der Wahl der Hand: Schon frĂŒh hatten meine Eltern darauf hingewirkt, dass ich stets das ‚schöne‘ HĂ€ndchen benutzte: zur BegrĂŒĂŸung, zum Schreiben, zum Malen – ja, im Grunde genommen fĂŒr alles, was ‚man‘ nicht mit links macht. Auch wenn ich in puncto Schreiben zum RechtshĂ€nder erzogen worden bin, hat sich im Laufe meines Lebens in vielen Dingen des Lebens die linke Hand durchgesetzt, weil zuweilen ein wenig verselbststĂ€ndigt, sodass ich sehr vieles auch beidhĂ€ndig beherrsche.

Was das Schreiben angeht, fuhr ich zweigleisig: In der Grundschule musste ich ja nun mal zwangslĂ€ufig die Schreibschrift praktizieren, in der Freizeit dagegen frönte ich der Druckschrift. Nach der Grundschule konnte ich dann endlich auch in der Schule so schreiben, wie ich wollte und entwickelte dabei im Laufe der Zeit eine beachtliche Geschwindigkeit bei ausgesprochen guter Lesbarkeit – und heimste viel Lob seitens der Lehrerschaft ein, da man allgemein absolut keine Schwierigkeiten hatte, meine Handschrift zu entziffern.

Schrift und Schreiben wurden ohnehin zu wichtigen Punkten in meinem weiteren Leben. Ich erlernte den Beruf des Schriftsetzers (und gehörte damit wohl auch zu den letzten Lehrlingen – Auszubildende sagte man seinerzeit noch nicht –, die den Beruf noch in der ursprĂŒnglichen Form erlernten: mit Bleisatz und der guten alten Methode, wie sie seit Gutenberg gepflegt und weiterentwickelt worden war). Viele Jahre und zwei Ausbildungen spĂ€ter wurde die Schrift schließlich von mir dazu verwendet, wozu sie ursprĂŒnglich gedacht ist: zum Schreiben. Privat schrieb ich u. a. Gedichte, schrieb Gedanken nieder, beruflich befasste ich mich als Werbegrafiker und Herausgeber eines Stadt-Magazins mit Texten, Redaktionellem und Journalismus. Erst sehr viel spĂ€ter kam ein weiteres BetĂ€tigungsfeld hinzu: das Schreiben und auch Halten von Reden.

Man kann nicht wissen, ob sich das alles so entwickelt hĂ€tte, wenn ich nicht bereits im Vorschul-Alter angefangen hĂ€tte, Bedrucktes mittels Bleistift oder Buntstift auf Papier wiederzugeben – gleichwohl lĂ€sst sich da so etwas wie ein roter Faden erkennen ...



Das waren noch Zeiten!

Drei Sender und Sendeschluss

(Abb.: N. N.)

Vor einiger Zeit habe ich im Internet die nebenstehenden Abbildungen entdeckt. Das weckte Erinnerungen aus Kindheit und Jugend – Erinnerungen an eine Zeit, da es in der Glotze lediglich drei öffentlich-rechtliche Programme gab: „ARD“, „ZDF“ und das „Dritte“.

Es wurde nicht rund um die Uhr gesendet, sondern um Mitternacht war Schluss (damals schrieb man noch „Schluß“ statt „Schluss“), und erst in den Morgenstunden wurde der Dienst wieder aufgenommen.

Filme und Serien endeten grundsĂ€tzlich mit einem ausfĂŒhrlichen Abspann. Werbung war noch klar von den ĂŒbrigen BeitrĂ€gen zu unterscheiden, und jeder Werbe-Spot war deutlich vom nachfolgenden getrennt, nicht selten durch solche Einspielungen wie zum Beispiel die „MainzelmĂ€nnchen“.

Es gab noch strenge Regeln, wann was fĂŒr Werbung und wann was fĂŒr Filme gesendet werden durften, um Kinder und Jugendliche zu schĂŒtzen.

Leider hat sich die TV-Landschaft seit EinfĂŒhrung der Privatsender sehr verĂ€ndert – man kann sagen, dass sie regelrecht verkommen ist. Nur noch die Öffentlich-Rechtlichen versuchen noch, dem Ganzen ein wenig Niveau einzuhauchen, was ihnen ob der privaten Konkurenz auch nicht mehr ganz so gut gelingt wie noch zu frĂŒheren Zeiten ...



Jugend frĂŒher

Sind Sie auch
in den 50er, 60er oder 70er
Jahren aufgewachsen?


(Text: N. N. / Foto: N. N.)

  • Die Autos hatten keine Sicherheitsgurte, keine KopfstĂŒtzen und erst recht keine Airbags.
  • Auf dem RĂŒcksitz war's lustig und nicht gefĂ€hrlich.
  • Die Gitterbetten und Spielzeuge waren bunt oder zumindest mit bleihaltigen oder anderweitig giftigen oder bedenklichen Lacken gestrichen.
  • Es gab keine Kindersicherungen an Steckdosen, AutotĂŒren, Arzneiflaschen und chemischen Haushaltsreinigern.
  • Wir konnten ohne Helm Fahrrad fahren.
  • Wir tranken aus dem Gartenschlauch oder sonstigen Quellen – und nicht Mineralwasser aus sterilen Flaschen.
  • Wir bauten Seifenkisten, und diejenigen, die das GlĂŒck hatten, an einer abschĂŒssigen Asphaltstraße zu wohnen, konnten versuchen, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen und eventuell auf halbem Weg feststellen, dass man an der Bremse gespart hatte. Nach einigen UnfĂ€llen war auch meist dieses Problem gelöst.
  • Wir durften zum Spielen mit der einzigen Bedingung, dass wir vorm Dunkelwerden wieder nach Hause kamen. Es gab kein Handy, und niemand wusste, wo wir uns 'rumtrieben. Unglaublich!
  • Die Schule dauerte bis Mittag, und wir kamen zum Mittagessen nach Hause.
  • Wir hatten SchĂŒrfwunden, gebrochene Knochen, auch eingeschlagene ZĂ€hne, aber niemals wurde jemand deswegen verklagt – auch wenn eine kleine Rauferei im Spiel war. Niemand hatte Schuld – nur wir selbst.
  • Wir konnten SĂŒĂŸigkeiten verdrĂŒcken und Butterbrote, GetrĂ€nke mit richtigem Zucker und niemals hatten wir Gewichtsprobleme, weil wir immer draußen spielten und aktiv waren.
  • Wir konnten uns zu viert eine Limonade (spĂ€ter Doppelliter) teilen, aus derselben Flasche trinken, ohne dass jemand davon gestorben wĂ€re.
  • Wir hatten keine „Play Stations“, „Nintendo 64“, „X-Boxes“, VĂ­deo-Spiele, 99 KabelkanĂ€le, Video-Recorder, Dolby-Surround, MP3-Player, PDAs, Handys, Computer, DVD-Player, Chatrooms im Internet – sondern Freunde.
  • Wir konnten 'raus, zu Fuß oder mit dem Fahrrad Freunde besuchen, auch wenn sie mehrere Kilometer weit entfernt wohnten, anklopfen oder einfach ohne anzuklopfen ins Haus gehen und sie zum Spielen abholen.
  • Ja, draußen, in der grausamen Welt! Ganz ohne Aufpasser! Wie war das nur möglich!? Wir spielten Fußball auf ein Tor, und wenn mal einer nicht in die Auswahl aufgenommen wurde, gab's kein psychisches Trauma und keinen Weltuntergang.
  • Einige SchĂŒler waren vielleicht nicht so gut wie andere, und wenn sie sitzenblieben, musste das Jahr wiederholt werden. Niemand wurde deswegen zum Psychologen oder PsychopĂ€dagogen geschickt. Niemand hatte Dislexia, Konzentrationsprobleme oder war hyperaktiv – es wurde einfach das Jahr wiederholt, und jeder bekam seine Chance.

Wir hatten Freiheit, RĂŒckschlĂ€ge, Erfolge, Aufgaben – und lernten, damit umzugehen.