bulla-blog
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Das wahre Leben:
Gute Nachrichten

Übersicht

  • Ereignisreicher Tag
    Von keuchenden Postboten
    und kleinen PrÀsenten
  • Good News
    Von null auf 100 nach 40 Jahren
  • VölkerverstĂ€ndigung
    in der Corona-Krise

    Wie ich zu selbstgenÀhten Atemschutzmasken aus der Schweiz kam ...
  • StandesgemĂ€ĂŸ
    Briefwechsel zwischen einem Studenten und seinem Vater
  • „GNTM“
    („Germany's next Thrombosestrumpf-Model“)

Ereignisreicher Tag

Von keuchenden Postboten und kleinen PrÀsenten

(Foto: N. N.)

Sieht man mal vom prĂ€chtigen, sonnigen Wetter ab (ĂŒber den relativ starken Wind sehe ich mal großzĂŒgig hinweg), sind bis heute Mittag schon ein paar recht nette Kleinigkeiten passiert. Über eine davon habe ich mich ganz besonders gefreut ...

Meine Frau ist AnwĂ€ltin und war fĂŒr mich in einer speziellen Angelegenheit tĂ€tig. Nach einigem Hin und Her zwischen beiden gegnerischen Parteien lenkte mein Widersacher heute ein und bot mir einen ganz passablen Vergleich an. Um mir diese frohe Botschaft zu ĂŒberbringen, rief mich meine Frau heute Vormittag an. NatĂŒrlich willigte ich in das Vergleichs-Angebot ein, denn ich habe kein Interesse daran, mich ĂŒber GebĂŒhr mit meinen Mitmenschen zu streiten.

Da mich der Ausgang dieses Rechtsstreits sehr freute und meine Frau großes Verhandlungsgeschick bewiesen hatte, wollte ich ihr heute Abend zumindest ein kleines Dankeschön zukommen lassen: in Form eines bunten FrĂŒhlingsstraußes und einer Leckerei eines qualitativ hochwertigen Schokolade-Herstellers: eine metallene Geschenkdose in Form eines roten Herzens.

Schokolade und Blumenstrauß waren gekauft, da ĂŒberquerte ich die Hauptstraße, als jemand mehrmals „hallo“ rief. Ich drehte mich um, sah aber auf den ersten Blick niemanden. Im Weitergehen wurde dieses „hallo“ noch mehrfach wiederholt, aber da ich anfangs eh niemanden gesehen hatte und ich die Stimme eh nicht kannte, ging ich schnurstracks weiter. Als die Stimme allerdings „junger Mann“ rief, wurde ich natĂŒrlich hellhörig.

Es ist nun nicht so, dass ich mich besonders gebauchpinselt fĂŒhle, wenn mich jemand mit „junger Mann“ anredet – aber die Erfahrung hat gezeigt, dass, je Ă€lter ich werde, ich umso öfter als „junger Mann“ angeredet werde. Als ich wirklich noch ein ausgesprochen junger Mann war, ist mir das, so weit ich es erinnere, nie passiert.

Wie dem auch sei: Ich drehte mich um und erkannte meinen analogen Mailbox-BefĂŒller, jenen mittelalten Herrn in der vorvorwiegend gelben Uniform, der mehrmals monatlich keuchend vor meiner TĂŒr im zweiten Stock steht, um mir irgendetwas zu ĂŒberreichen, was von GrĂ¶ĂŸe oder Menge her nicht in den Briefkasten passt. Eigentlich kenne ich ihn nur keuchend. So auch heute wieder – diesmal allerdings nicht wegen des unliebsamen Treppensteigens, sondern weil er einem vermeintlich jungen Mann hinterherlaufen musste, da sich dieser ganz offenbar nicht angesprochen fĂŒhlte. Als er mich fast eingeholt hatte und ich mich ihm zuwandte, machte er deutlich, dass er etwas in seinem Postauto hatte, das er mir gleich mitgeben wollte. Ich folgte ihm zu seinem Fahrzeug und nahm das PĂ€ckchen gespannt entgegen.

Als ich auf den Absender schaute, war mir klar, dass es sich dabei um das PĂ€ckchen handelte, das mir bereits angekĂŒndigt worden war: Es kam aus LĂŒbeck vom Betreiber einer Website, die mit Unmengen von „guten Nachrichten“ aufwartet, und enthielt mein Lieblingsmarzipan eines sehr bekannten LĂŒbecker Herstellers. Es war das Dankeschön dafĂŒr, dass ich auf besagter Website als 777. einen kleinen Beitrag zum Besten gegeben hatte. Was die Sache mit der GlĂŒckszahl noch abrundete: dass es sich dabei um die siebente Geschichte handelte, die ich dort hochgeladen hatte.

Nun – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den edlen Spender, der nicht nur viele gute Nachrichten auf seiner Website sammelt, sondern auch selbst dafĂŒr sorgt.

Mein Postbote war heute bestimmt auch sehr dankbar, dass er mich mal nicht in der zweiten Etage aufsuchen musste, sondern es mit einem sehr entgegenkommenden Adressaten zu tun hatte.



Good News

Von null auf 100 nach rund 40 Jahren

(Foto: © Frank R. Bulla)

Als kulturell sehr vielseitig interessierter Mensch habe ich im Laufe meines Lebens schon zahlreiche sehr unterschiedliche Veranstaltungen besucht. Auch musikalisch konnte ich eine Vielzahl von Stilrichtungen live erleben – ob Klassik, Jazz, Swing, Pop, Rock, Reggae, Ska, Blues, Soul, Klezmer, Irish Folk oder Techno. Im Herbst 2007 kam noch ein Genre hinzu, dem ich bis dahin weder live noch per TontrĂ€ger allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte: Gospel.

Per Zufall landete ich auf einem Konzert von „Gospel Works!“, einem Celler Gospelchor. Normalerweise kein Freund von GotteshĂ€usern – ich wĂŒrde mich als Atheisten bezeichnen –, bereute ich den Besuch besagten Konzertes absolut nicht, zĂ€hlte dieser Abend doch zu den relativ wenigen Events, die mich wahrlich berĂŒhrt haben und regelrecht unter die Haut gegangen sind: Das, was diese Singgemeinschaft an Freude und Lebendigkeit rĂŒberbrachte, steckte mich dermaßen an, dass mich noch Tage danach eine GĂ€nsehaut heimsuchte. Und in jenen Tagen war ich nur von einem Wunsch beseelt: Mitglied dieses Chores werden zu wollen. Eigentlich eine seltsame Idee, denn ich zĂ€hlte eigentlich noch nie zu den Menschen, die gerne mal zwischendurch ein Liedchen trĂ€llern – und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht Ă€ndern. Das letzte Mal, da ich regelrecht gesungen hatte, lag schon rund 40 Jahre zurĂŒck: Da war ich auf dem Celler Hölty-Gymnasium und Mitglied im Schulchor.

Gesagt – getan: Im Februar 2008 wurde ich also Mitglied von „Gospel Works!“, dem Chor, der seinerzeit aus ĂŒber 150 Mitgliedern bestand, wovon in der Regel rund 100 aktiv an den Auftritten teilnahmen. Erstaunlicherweise klappte es mit dem Singen gleich recht gut, geradezu so, als wĂ€re ich 40 Jahre lang einigermaßen im Training geblieben. Und auch das Singen im Chor löste jenes schöne GefĂŒhl aus, das mich auch erst wenige Monate zuvor als Besucher des Gospel-Konzerts heimgesucht hatte.

Dem Chor hielt ich zwei Jahre lang die Treue, erlebte wĂ€hrenddessen einige sehr schöne Chorkonzerte mit, musste mich schließlich aber leider zurĂŒckziehen, weil ich Probleme mit meiner Stimme hatte und auch mein Job mich zu sehr in Anspruch nahm. In der Folgezeit fehlte mir das Singen im Chor sehr: dieses herrliche GefĂŒhl, wenn man die eigene Stimme spĂŒrt, das Vibrieren, das den ganzen Körper durchströmt, und dieses GefĂŒhl, Teil einer stimmgewaltigen Gemeinschaft zu sein ...

Seit ich nicht mehr Mitglied des Chores bin, hat sich dort auch einiges verĂ€ndert: Der Chorleiter hat gewechselt, und viele Mitglieder sind zusammen mit dem alten Chorleiter in eine neue Formation gewechselt, wodurch der einst ziemlich große Chor sehr geschrumpft ist.

Das Wort „Gospel“ ĂŒbrigens stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Evangelium, gute Nachricht“, hergeleitet vom alt-englischen „GĂŽdspel“: „ErzĂ€hlung, Nachricht“.



VölkerverstÀndigung in der Corona-Krise

Wie ich zu selbstgenÀhten Atemschutzmasken
aus der Schweiz kam ...

(Fotos: © Frank R. Bulla / © Daniela Vetsch)

WĂ€hrend der Corona-Krise haben die Menschen offenbar reichlich Zeit, um im Internet – so zum Beispiel bei „Facebook“ – Dinge zu posten, die sie sonst vielleicht nicht veröffentlicht hĂ€tten.

Mich inspirierte das allgegenwĂ€rtige Thema „Atemschutzmasken“, das ich irgendwann nicht mehr hören konnte, zu einer entsprechend trotzigen fotografischen Reaktion (siehe nebenstehendes Foto!).

In meinem „Facebook“-Freundeskreis befinden sich eine Vielzahl von Menschen, die ich aus Freizeit oder Beruf persönlich kenne, aber auch einige aus anderen StĂ€dten oder anderen LĂ€ndern, die ich nur ĂŒber „Facebook“ kenne. So auch eine Schweizer Designerin namens Daniela, von der ich wusste, dass sie sich bereits seit einer Weile mit dem Anfertigen von Atemschutzmasken beschĂ€ftigte: SelbstgenĂ€htes aus Stoff, aber auch etwas kreativere Lösungen wie beispielsweise Masken aus Kaffeefiltern.

Als ich das SelbstportrĂ€t gepostet hatte, fragte mich Daniela spontan, welche Farbe ich denn als Maske bevorzugen wĂŒrde. Ich antwortete ihr, dass es eigentlich egal ist – es sollte bloß nicht so furchtbar steril aussehen. Spaßeshalber fĂŒgte ich hinzu: „Ich denke mal, je schriller das Design, umso grĂ¶ĂŸer die abschreckende Wirkung. Ich liebe es, wenn manche Leute einen großen Bogen um mich herum machen.“

Als ich sie fragte, ob sie denn was Nettes im Sortiment hĂ€tte, das sie mir kredenzen wĂŒrde, postete sie das nebenstehnde Foto mit einer hĂŒbschen Auswahl an genĂ€hten Exemplaren, die sogar bei 60 Grad waschbar sind.

Da es zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine direkte Maskenpflicht gab, aber Masken bereits dank HamsterkĂ€ufen ausverkauft waren, kam ich nicht umhin, auch nach einer Maske fĂŒr meine Frau zu fragen: „Sie hat nĂ€mlich auch noch keine ergattern können. Ich revanchiere mich dann bei dir mit Kaffee und Kuchen, wenn du mal wieder auf Deutschland-Tournee bist.“

Daniela fragte, was denn fĂŒr meine Frau passend wĂ€re. Ich teilte ihr mit, dass meine Frau es wohl eher schlicht und unauffĂ€lliger liebt, und tippte auf die vierte Maske von oben und die zweite von unten.

Daniela informierte mich noch darĂŒber, dass es eine ganze Weile dauern könnte, bis mich das Kuvert mit den Masken aus der Schweiz erreichen wĂŒrde. Aber bereits eine knappe Woche spĂ€ter befand sich der Umschlag im heimischen Briefkasten.

Nicht nur, dass die „Deutsche Post“ deutlich schneller zugestellt hatte als gedacht, war ich begeistert vom Inhalt des PĂ€ckchens. Designerin Daniela hat nicht nur gezeigt, wie man mit einfachen Mitteln was richtig Praktisches produzieren kann, ich hĂ€tte vor allem nicht gedacht, dass die Masken aus KaffeefiltertĂŒten, von denen sie auch welche beigefĂŒgt hatte, so gut aussehen – von den Stoffmasken ganz zu schweigen, die wahre SchmuckstĂŒcke sind und vor allem – genau wie die Kaffeefilter-Masken – nicht so furchtbar steril aussehen. Auch die Passform ist ideal, und das Material ermöglicht eine gute Atmung.

Ich musste mich jetzt nur noch mit meiner Frau einigen, wer die blauen und wer die pinkfarbenen Produkte bekommt. 😜

Ich bedankte mich bei Daniela, die auf meine o. g. Einladung mit dem Satz einging: „... und nĂ€chstes Mal bei dir zu einem ‚KĂ€feli und Chueche‘.“ Ich denke mal, angesichts der vielen Arbeit, die sie sich gemacht hatte, und des tollen Ergebnisses dĂŒrfte ein regelrechtes „KĂ€feli und Chueche“-Gelage angemessen sein. Wir Ă€ußerten beide noch die Hoffnung, dass die Reise-Verbote bald wieder aufgehoben wĂŒrden, die Krise schnell vorbei sein sollte und wir bald wieder weit reisen dĂŒrfen.



StandesgemĂ€ĂŸ

Briefwechsel zwischen einem Studenten
und seinem Vater

(Text: N. N.)

Ein arabischer Student aus wohlhabendem Hause, der in Berlin sein Studium aufgenommen hat, schreibt an seinen Vater.

  • „Lieber Papa,

    Berlin ist eine wundervolle Stadt, die Leute sind sehr nett und freundlich. Ich fĂŒhle mich sehr wohl hier. Mir ist es nur etwas peinlich, mit meinem goldenen ‚Bugatti Veyron‘ in die Uni zu fahren, da fast alle Lehrer und Kollegen mit dem Zug kommen.

    Dein Sohn Nasir“

Am nÀchsten Tag bekommt Nasser eine Antwort von seinem Vater:

  • „Mein Lieber Sohn,

    ich habe 200 Millionen Dollar auf dein Konto ĂŒberwiesen. Mach' uns nicht lĂ€cherlich! Du gehst sofort los und kaufst dir auch einen Zug.

    In Liebe, Papa“



„GNTM“

(„Germany's next Thrombosestrumpf-Model“)

(Foto: © Frank R. Bulla)

Das zugehörige Foto zur Überschrift will ich Ihnen ersparen (ersatzweise gibt es aber einen exklusiven Blick aus dem Bett ĂŒber das Krankhaus-GelĂ€nde 😜) – zumal die StrĂŒmpfe lediglich schlicht weiß gehalten waren und völlig ohne Strapse auskamen. Der Stationsarzt jedenfalls hielt das ausgesprochen modische Accessoire angesichts meines derzeitigen exzessiven LiegebedĂŒrfnisses fĂŒr durchaus opportun.

An dem Gesagten ist zu erkennen, dass ich nicht mehr (wie in den vergangenen knapp drei Wochen zuvor) ausschließlich zwischen Bett und Couch pendelte, um meine Ischialgie auszukurieren, sondern mich zwischenzeitlich in einem höchst komfortablen Krankenhausbett befand. Ein WahnsinnsgerĂ€t ĂŒbrigens, das sich mittels HandgerĂ€t in jede nur denkbare Position bringen ließ – bloß fliegen konnte es noch nicht. Wie schade, dass GrĂ¶ĂŸe und Design nicht so recht ins heimische Schlafgemach passen wollen, sonst hĂ€tte ich den „MHH“-Chef doch glatt gefragt, ob er mir das Teil nicht fĂŒr kleines Geld ĂŒberlassen wĂŒrde.

Wie auch immer ... Ich hĂ€tte nie gedacht, dass mir als eher sportlichem und beweglichem Zeitgenossen mit einer normalerweise recht guten RĂŒckenmuskulatur mal eine Bandscheiben-Operation drohen könnte. Aber die konservative Behandlung war bis zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht zielfĂŒhrend.

Zum GlĂŒck liefen die PlĂ€ne des Krankenhauses völlig verquer, weil jemand versĂ€umt hatte, vor dem bereits terminlich angesetzten chirurgischen Eingriff die noch notwendige zweite Magnetresonanztomographie (MRT) zu bestellen. So wurde die Operation bereits am Vortag abgeblasen. Zum GlĂŒck! Denn durch den Zeitverzug hatten meine Wirbel die Chance, sich zu erholen – und diese Chance nutzten sie auch. Letztendlich fĂŒhlte ich mich keineswegs mehr operationsbedĂŒrftig, erwĂ€gte eine Fortsetzung der konservativen Behandlung und sagte die Operation endgĂŒltig ab, was grundsĂ€tzlich eine gute Entscheidung ist, denn jeder Eingriff birgt die Möglichkeit von Komplikationen und ungeahnten Folgen.

Übrigens: Zur Ehrenrettung der „MHH“ muss ich betonen, dass man keineswegs ĂŒberschnell zu einer Operation geraten hatte – ganz im Gegenteil!