bulla-blog
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Das wahre Leben:
Traditionen

Übersicht

  • Laternegehen
  • Vorweihnachtliche Erkenntnis
  • BegrĂŒĂŸungsrituale
    Heidi Klum als abschreckendes Beispiel
  • Corona-bedingt
    Dialog
    e
  • Regentanz
  • Immer diese Bettelei!
    Halloween & Co.
  • Allergisch
    Cartoon
  • Es ist mal wieder soweit:
    Die Uhren werden vorgestellt

    Timo Beil ĂŒber den Beginn der Sommerzeit ...
  • Schon gewusst?

Laternegehen

(Foto: © Frank R. Bulla)

Ist das Laternegehen ĂŒberhaupt noch zeitgemĂ€ĂŸ? Ich habe den Eindruck, dass frĂŒher viel mehr Eltern in den Abendstunden mit ihren Kindern unterwegs waren.

Oder wurde diese Tradition des „Laterne to go“ inzwischen durch „Laterne to stay“ (siehe Foto!) oder gar eine App ersetzt? Da sitzen womöglich die Smombies – sowohl Kids als auch Kompostis – daheim ĂŒber ihren Smartphones und schauen sich „YouTube“-Videos der letzten Jahrzehnte an, auf denen zu sehen ist, wie ganze Gruppen mit Laternen und Gesang abends durchs Viertel zogen – und am Ende der Laterne-Zeit gekrönt von einem Umzug mit musikalischer UnterstĂŒtzung durch einen Spielmannszug oder eine Feuerwehrkapelle.

Und wenn man denn tatsĂ€chlich noch das „Laterne to go“ praktiziert: Wird denn dann noch selbst gesungen oder spielt man einfach Lieder vom Smartphone ab? Alternativ könnte man auch das Smartphone mit der Laterne-App, die sowohl eine brennende Lateren zeigt als auch das Laterne-Lied abspielt, auf einen Selfie-Stick pflanzen, den Stick in die Höhe halten und traditionsgemĂ€ĂŸ durchs Stadtviertel ziehen.

Kaum hatte ich diese Zeilen niedergeschrieben, machte ich einen abendlichen Herbstspaziergang – und ich traute meinen Augen nicht: Waren da in gut einhundert Metern Entfernung tatsĂ€chlich Kinder zu sehen, die mit ihrer Laterne unterweg waren? Im NĂ€herkommen kam dann allerdings die ErnĂŒchterung: Es war lediglich ein PĂ€rchen, das mit seinen beiden Hunden unterwegs war. Beide Tiere hatten farbige LED-HalsbĂ€nder ...

Kurz nach Verfassen dieser Zeilen kam mir der wöchentliche Werbe-Flyer von „Edeka“ zwischen die Finger. Darauf lockte eine Headline zu „Knabbereien zum Laterne-Singen“.

„Was fĂŒr ein Blödsinn!“ dachte ich zunĂ€chst. In frĂŒheren Zeiten, als wir noch frĂŒhabends mit der Laterne unterwegs waren, hatten wir Besseres zu tun als uns wĂ€hrend des Spaziergangs Knabbereien reinzutun: zum Beispiel Laternenlieder zum Besten geben.

Zu den heutigen Kids passten Knabbereien da schon eher. Die hĂ€tten sicherlich auch Lust und auch genĂŒgend Appetit, um solchen Werbe-Botschaften zu folgen, haben aber vermutlich keine Hand mehr frei: In der einen halten sie – ganz traditionell – die (heutzutage allerdings LED-bestĂŒckte) Laterne, in der anderen das Smartphone mit dem aktuellen Laternen-Rap, wĂ€hrend sie mit ihren Freunden via „WhatsApp“ chatten. Wir leben nun mal im Zeitalter des Multi-Taskings.

Aber eigentlich sind heute nicht mehr so viele Kids unterwegs: Einerseits geht man in manchen Gegenden bei DĂ€mmerung nicht mehr so gerne aus dem Haus (die Menschen sind Ă€ngstlicher geworden ob der zahlreichen Gelichter, die insbesondere zu spĂ€terer Stunde ihr Unwesen treiben), andererseits muss man sich das nicht antun, sondern kann sich gemĂŒtlich am PC bei „YouTube“ anschauen, wie Kids im GĂ€nsemarsch ihren Laternen folgen – wĂ€hrend man sich aus der Schale mit den Knabbereien bedient.

Die Werbe-Fachleute von Supermarkt-Ketten wissen schon ganz genau, was sie da tun!



Vorweihnachtliche Erkenntnis

(Foto: © Frank R. Bulla)

Angesichts des vorweihnachtlichen Rekord-Umsatzes des deutschen Handels im Jahr 2019 muss man sich schon fragen, ob die Leute noch alle am Christbaum haben! Diese zunehmend protzige Schenkerei lĂ€uft dem ursprĂŒnglichen Gedanken des Schenkens an Weihnachten vollkommen zuwider.

Man hat das GefĂŒhl, dass das Ideelle und die Moral umgekehrt proportional verlaufen zu den zunehmenden AuswĂŒchsen des Kapitalismus. Selten war eine Gesellschaft so sehr geprĂ€gt von respektloser, egoistischer, rĂŒcksichtsloser, gleichgĂŒltiger, unmenschlicher, asozialer, gefĂŒhlskalter, liebloser, empathieloser Gesinnung wie heute.

Gerade las ich eine sehr schöne Aussage, die sich jeder mal hinter die Ohren schreiben sollte, zumal wenn er meint, mit Geschenken fĂŒr mehrere hundert Euro punkten zu mĂŒssen:

  • „Es kostet null Euro,
    um jemanden mit Respekt zu behandeln.“



BegrĂŒĂŸungsrituale

Heidi Klum als abschreckendes Beispiel

Warum ist es eigentlich in den allermeisten FĂ€llen so, dass sich ein Mann und eine Frau, die (wohlgemerkt!) kein Paar sind, sich aber doch mehr oder weniger gut kennen, mit einer Umarmung, „KĂŒsschen links / KĂŒsschen rechts“ oder einem (oft angedeuteten) Kuss auf oder neben die Wange begrĂŒĂŸen. Dasselbe gilt, wenn sich zwei Frauen begrĂŒĂŸen. Anders, wenn sich zwei MĂ€nner begegnen: Da ist es die Regel, dass sie sich lediglich die Hand geben.

Was will uns das sagen? HĂ€lt man MĂ€nner, die sich mit einer Umarmung, „KĂŒsschen links / KĂŒsschen rechts“ oder einem Kuss auf die Wange begrĂŒĂŸen, womöglich fĂŒr schwul? Und wollen MĂ€nner und Frauen, die sich ebenso begrĂŒĂŸen, eine gewisse NĂ€he demonstrieren – eine NĂ€he, die zwar eigentlich noch stĂ€rker von beiden erwĂŒnscht wĂ€re, aber aufgrund der sozialen Kontrolle nur in dieser Form toleriert wird?

Schwer zu sagen ... Immerhin hat die Corona-Krise dazu gefĂŒhrt, dass man diese zuweilen etwas peinlicn wirkenden BrgrĂŒĂŸungsrituale nicht mehr so oft sehen muss – oder selbst auch nicht mehr in diese Situation kommt, wenn man kein Freund von dieser oft nur angedeuteten Schmuserei ist.

Eine dieser Persönlichkeiten, die das Ritual – ergĂ€nzt durch einen mit gespitzten Lippen erzeugten kĂŒnstlichen Laut – oft schnell hintereinander praktizieren, ist Heidi Klum. Das wirkt bei ihr ganz besonders ausgeprĂ€gt kalt, sachlich, gefĂŒhllos, passt aber irgendwie zu diesem regelmĂ€ĂŸig stattfindenden Spektakel namens „Germany's next Topmodel", das da etwas heraufbeschwört, auf das die Welt gut und gerne verzichten kann. Ein KleiderstĂ€nder in Form einer Schaufensterpuppe wĂŒrde im Grunde genommen den gleichen Zweck erfĂŒllen und wĂŒrde die Hersteller zudem deutlich weniger kosten, was Mode durchaus gĂŒnstiger machen wĂŒrde. Wie sagte doch Karl Lagerfeld mal: „Ein Model ist ein KleiderstĂ€nder. Jede Art von Form ist unerwĂŒnscht."


CORONA-BEDINGT

„Hier – halt das mal!“
„Was ist das?“
„Abstand.“

*

„Schau mal: Da vorne rechts!“
„Was ist denn da?“
„Da hört der Spaß auf!“

*

„Hey, lange nicht gesehen!“
„Ja, war schön!“

*

„Hier – trag das mal!“
„Boah, das ist ja schwer! Was ist das?“
„Das sind die Konsequenzen.“

*

Planet 1: „Du siehst ja beschissen aus!“
Planet 2: „Ja, ich hab' Homo sapiens.“
Planet 1: „Hier, nimm mal ‚Corona forte‘!“
Planet 2: „Danke.“
Planet 1: „Gute Besserung!“



Regentanz

(Text: N. N. / Abb.: Smartphone-Screenshot)

Einer alten indianischen Überlieferung zufolge geht der Regentanz folgendermaßen:

Man trinke so viel, wie man trinken kann (egal wovon, wobei harntreibende FlĂŒssigkeiten zu bevorzugen sind). Wenn man einen heftigen Harndrang verspĂŒrt, muss man langsam anfangen, sich zu entkleiden (vorzugsweise außerhalb des Hauses). Wenn man dem Harndrang nicht mehr widerstehen kann, sollte man anfangen, sich so schnell wie möglich im Kreise zu drehen, und damit erst wieder aufhören, wenn die Blase restlos entleert ist ... 😜



Immer diese Bettelei!

Halloween & Co.

(Abb.: N. N.)

Ob das wohl jemals aufhören wird, dass die Deutschen diesen ganzen Ami-MĂŒll ĂŒbernehmen mĂŒssen: Angefangen mit diesem ganzen unsĂ€glichen Fastfood-Gedöns, der nur zu deutlich macht, wie schlecht und ungesund Essgewohnheiten sein können, bis eben hin zu solchem Blödsinn wie „Halloween“. Als wenn uns der Martinstag (11. November) mit seinen blöden GesĂ€ngen und der Bettelei nicht reichen wĂŒrde! Mal ganz zu schweigen davon, dass das UrsprĂŒngliche dieses Tages völlig abhanden gekommen ist – aber das kennen wir ja schon seit Jahrzehnten von der Weihnachtszeit.

Am 31. Oktober ist seit einigen Jahren auch in Deutschland „Halloween“ angesagt, das mit Bettelei und Partys einhergeht. An diesem Tag jedenfalls wird auf lĂ€stiges Klingeln an der HaustĂŒr tunlichst nicht reagiert. Sollen die Kids doch nach Irland fahren und im Heimatland des „Halloween“ betteln gehen! Ich werde auf die Bettelei bestenfalls erst wieder am Martinstag entsprechend eingehen und Leckereien verteilen. Einmal im Jahr reicht ja wohl!

Ich sage nur: Wehret den AnfĂ€ngen! Denn wer weiß, welche Entwicklung die Bettelei hierzulande sonst noch nimmt. Am Ende gibt es dann – so wie bei den unzĂ€hligen unsĂ€glichen internationalen Gedenktagen (am 31. Oktober beispielsweise auch den „Schnitze-einen-KĂŒrbis-Tag“ oder den „Steigere-deine-ĂŒbernatĂŒrlichen-FĂ€higkeiten-Tag“) – noch viel, viel mehr solcher Bettel-Tage! Die meisten Kids sind heutzutage eh schon viel zu fett und verwöhnt.

Allergisch







(Cartoon: Dave Granlund)



Es ist mal wieder soweit:
Die Uhren werden vorgestellt

Timo Beil ĂŒber den Beginn der Sommerzeit ...

So, so – die Uhren werden mal wieder vorgestellt. Bereits seit Jahren gibt es im FrĂŒhjahr dieses merkwĂŒrdige Procedere. Und seit Jahren schon frage ich mich:

Zwar ist klar, wem die Uhren vorgestellt werden (es muss sich um ein riesiges Publikum handeln, wenn darum so viel Aufhebens gemacht wird) – aber von wem werden die Uhren nun eigentlich vorgestellt?

Ist es ein berĂŒhmter Uhrmacher? Ist es ein Moderator? Oder ein Politiker? Ist es jedes Jahr dieselbe Person? Und: Kann man das Ganze auch auf irgendeinem TV-Sender live verfolgen?

Und warum werden die Uhren immer nur eine Stunde vorgestellt? Bei einer lĂ€ngeren Dauer dieses Events ließe sich das Ganze richtig nett gestalten: mit einem kaltwarmen Bufett, mit Live-Musik und einem Ehrengast (vielleicht kĂ€me sogar Bundesmutti Angela vorbei!?).

Auch wenn so viel Aufhebens wegen dieser Vorstellung der Uhren gemacht wird: Am nĂ€chsten Tag gibt es keine nennenswerte Berichterstattung zu dieser Veranstaltung. Wie kommt das bloß? Liegt es vielleicht daran, dass es eben ganz gewöhnliche Uhren sind (und nicht dermaßen spektakulĂ€re wie die auf dem nebenstehend gezeigten GemĂ€lde, dem 1954 entstandenen surrealistischen Werk „Les montres molles (Die weichen Uhren)“ von Salvador DalĂ­) oder dass Uhren gemeinhin schon so bekannt sind, dass man sie gar nicht mehr vorstellen muss? Fragen ĂŒber Fragen ...

Viel interessanter finde ich es eh, Uhren umzustellen. Mal stelle ich sie auf den Nachttisch, mal neben den PC, seltener auf die Ablage ĂŒber dem Waschbecken. Es kommt eben immer darauf an, wo die Uhr am nötigsten gebraucht wird, und manchmal auch, wo sie sich rein optisch am besten ausnimmt. Man stelle sich nur mal vor, die Uhr wĂŒrde immer an derselben Stelle stehen – wie langweilig!


SCHON GEWUSST?

4.000 Tonnen krebs-erregenden Feinstaub
produzieren die Deutschen in der Silvester-Nacht.
Diese Menge entspricht 15 Prozent der Jahresmenge,
die in Deutschland durch den Verkehr erzeugt werden.