bulla-blog
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Das wahre Leben:
Die Welt der Gerüche

Übersicht

  • Revier-Markierer
    Frischluft-Fanatiker Timo Beil über die Duftmarken mancher Mitmenschen
  • Handwerkliche Herausforderung des Tages
  • Duftnoten
    Snobismus im Kaufhaus

Revier-Markierer

Frischluft-Fanatiker Timo Beil
über die Duftmarken mancher Mitmenschen

(Foto: N. N. / photoshopped: Frank R. Bulla)

Kürzlich klingelte es an der Tür. Vorm Büro stand der Prototyp eines Verkäufers: Kariertes Jackett in gedeckten Farben, schwarze Hose (natürlich mit einer 1 A-Bügelfalte), pastellfarbenes Hemd, unmögliche Krawatte, poliertes Schuhwerk, eine Gleitsichtbrille (was dem offensichtlichen Endzwanziger wohl eine leicht distingierte Note verleihen sollte, zumal er selten durch sie hindurch, sondern vielmehr darüber hinwegsah), in der Hand einen schwarzen Diplomatenkoffer. Angeblich hatte er letzte Woche mit meiner Sekretärin gesprochen und im Rahmen des Gesprächs sein Kommen angekündigt – tztztz... Isch 'abe gar keine Sekrötärin!

Nun gut – der Dackelblick ließ mich weichwerden und ich gewährte ihm Einlass, obwohl ich es nicht leiden kann, wenn jemand unangemeldet vor der Tür steht. Er nahm in der Besprechungsecke Platz, leerte fast gänzlich den Inhalt seines Köfferchens auf dem Tisch aus und begann seine Tirade, mit der er bereits Hunderte, ja, wohl eher Tausende von potenziellen Kunden zu überzeugen suchte ...

Mich interessierte nicht wirklich, was er mir da anzubieten hatte, und schon gar nicht, was er zu sagen hatte. Mich interessierte in dem Augenblick nur eine Frage: Wie kann ein einzelner Mensch nur so miefen!? Wie kann ein einzelner Mensch nur dermaßen intensiv nach Parfüm stinken!? Und dann diese Duftnote! Wie kann man nur einen derart schlechten Geschmack haben!? War er sich morgens beim Einnebeln mit dem Parfümzerstäuber nicht sicher über die nötige Menge und nahm so im Zweifel lieber etwas mehr, weil es ja sein könnte, dass ein Zuwenig vielleicht doch im Laufe eines anstrengenden Arbeitstages die wahren Körperdüfte hervorrufen könnte, die er seiner Umwelt lieber ersparen möchte? Trank er von dem Zeug womöglich auch noch ein Glas voll, damit er im Falle des Schwitzens wenigstens aus allen Poren gleichmäßig stark riecht? Oder bekam er diese penetrant riechende Flüssigkeit im Zehner-Pack deutlich günstiger und geizte deswegen nicht damit?

  • Ein „Pffft“ reicht doch völlig aus!
    „Pffft, pffft, pffft, pffft, pffft, pffft, pffft, pffft, pffft, pffft ...“
    ist einfach viel zu viel!

Nun brabbelte er schon eine geschlagene halbe Stunde über ein Produkt, das zu verkaufen er vor über einer halben Stunde tatsächlich mal die Chance gehabt hatte. Aber mit jedem weiteren Wort und jedem weiteren Duftmolekül, das sich in den Tiefen meiner Nase verirrte, sanken seine Chancen allmählich ins Bodenlose ...

Zum Glück: Irgendwann fiel dem guten Mann nichts mehr ein – und mir auch nicht, weil ich immer mehr nach Luft ringen musste, und das, obwohl ich zwischendurch ganz beiläufig zwei, drei Fenster geöffnet hatte. Ich entließ ihn mit der Zusage, mir die Sache in aller Ruhe zu überlegen. Ich sagte ihm allerdings nicht, welche Sache: Denn insgeheim dachte ich an einen Sensor, der – direkt neben der Klingel angebracht – künftig solche Stinkmorcheln umgehend entlarvt und drinnen eine rote Lampe aufleuchten lässt, die signalisiert, dass es wohl opportun wäre, dem Gast keinen Einlass zu gewähren.

An diesem Tag verließ ich das Büro etwas früher, um mir mittels ausgiebigem Spaziergang jenes Maß an frischer Luft angedeihen zu lassen, das ich nahezu eine Stunde lang (gefühlte drei Stunden) entbehren musste und was mich ganz knapp an den Rand eines Schwindelanfalls befördert hatte.

Das dicke Ende jedoch folgte am kommenden Tag. Beim Büro angelangt, erwartete mich schon die bleiche, etwas torkelnde Kollegin, die es bei Betreten des Büros geradezu umgehauen hatte. Rechtzeitig gewarnt, konnte ich dem gleichen Schicksal entgehen, musste aber feststellen, dass die Räumlichkeiten für Tage geradezu unbenutzbar geworden sind – so sehr hatte sich der Geruch festgefressen.

Der Verursacher der Miefspur jedenfalls tut gut daran, niemals mehr bei mir vorstellig zu werden – sonst könnte es sein, dass ich ihn dazu zwinge, so lange an seinem Parfüm zu schnuppern, bis es ihm zu den Ohren wieder rauskommt.



Handwerkliche Herausforderung
des Tages

(Foto: © Frank R. Bulla)

Freunde brachten kürzlich eine Tüte mit selbstgebackenen Keksen vorbei. An dem roten Schleifchen hing dieses rote Teil, das ich nach einiger Überlegung als Ente identifizierte, ist es doch kaum vorstellbar, dass das Tier auf Grund seiner Anatomie flugfähig ist – schwimmen dagegen erscheint denkbar, notfalls flach auf der seite liegend.

Insofern verschlug es mich automatisch ins Badezimmer. Bevor ich die Ente allerdings ins volle Waschbecken werfen konnte (das Füllen desselben nähme eh etwas Zeit in Anspruch), ließ ich sie vor meinen Augen baumeln. Zufällig stand ich vorm Klo. Spontan ging mir dabei der Begriff „WC-Ente“ durch den Sinn. Und so verwarf ich den Plan, die Ente im Waschbecken schwimmen zu lassen. Jetzt suche ich noch nach einer Möglichkeit, wie man die Spülung betätigen kann, indem man an der Ente zieht ...



Duftnoten

Snobismus im Kaufhaus

(Text: N. N.)

Eine Oma steigt in Berlin in einem großen Kaufhaus im Erdgeschoss in den Aufzug.

Im ersten Stock steigt eine total aufgedonnerte Tussi ein und zieht eine heftige Parfümwolke hinter sich her. Sie schaut herablassnend auf die Oma und meint: „Chanel No. 5 – 50 Milliliter, 100 Euro!“

Im zweiten Stock steigt eine noch stärker aufgebrezelte Tussi ein und zieht eine noch stärkere Parfümwolke hinter sich her. Noch herablassender äußert sie sich gegenüber der alten Frau: „Cartier – 50 Milliliter, 250 Euro!“

Im fünften Stock will die Oma schließlich aussteigen. Sie lässt einen fahren und sagt beim Aussteigen ganz cool: „Rosenkohl vom Aldi – 200 Gramm, 99 Cent!“