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Ernährung und Gesundheit:
Skandalöses

Übersicht

  • Gute Mähne zum bösen Spiel
    Wortspieler Timo Beil über den Pferdefleisch-Skandal anno 2013
  • Fundsache
    „Das war kein Huhn ...“
  • Drink to go
  • Eierkauf
    Dialoge
  • Food-Design
    Über Wunderwerke aus der Krankenhaus-Küche
  • Was Kräutersalz aus dem Bio-Laden so alles enthält ...

Gute Mähne zum bösen Spiel

Wortspieler Timo Beil über den
Pferdefleisch-Skandal anno 2013

(Foto: © Frank R. Bulla)

Pferdammt nochmal – ich pferd noch verrückt! Diese täglichen Nachrichten machen mich fix und pferdig! Angesichts all dieser Fleisch-Skandale weiß man als Verbraucher schon gar nicht mehr, wo einem der Pferdekopf steht und was man noch essen soll – man fühlt sich geradezu verpferdeäppelt. Dabei ist Pferdefleisch sehr viel besser als sein Huf!

Inzwischen hat sich der Skandal, der zunächst mit Pferdachtsmomenten begann, dermaßen ausgeweidet, dass nicht nur Seepferdchen-Fleisch in Fischstäbchen gefunden wurde, sondern auch Pferdeäpfel im Obstregal (im Volksmund auch als „pferdammte Sch...“ bekannt). Das Sauerkraut von „Hengstenberg“ ist, wie pferdrießlich aus Fachkreisen bekannt wurde, mit pferdautem Stroh durchsetzt. Selbst in Schaukelpferden konnten Holzspanferkel nachgewiesen werden.

Nun mal Butter bei die Pferde: In der gesamten Fleisch-Branche gibt es Pferdächtige ohne Ende – aber auch wenn große Pferdunkelungsgefahr besteht: Man kann schließlich nicht alle inhaftieren, die einem ein Pferd für 'ne Kuh vormachen.

Restaurants springen schon auf das reitende Pferd auf und ersinnen neben völlig neuartigen Horse d'Œuvres (u. a. Schimmelkäse) zeitgemäße Gerichte, wie die Pizza „Quattro Stallone“ oder einen Burger namens „McFury“. Instant-Produzent „Knorr“ bringt indes als Tütengericht die neue Pferdeschwanzsuppe auf den Markt.

Schwer pferdaulich ist die Entwicklung auf dem Fleischmarkt indes für Schweine- und Rinderzüchter: Es ist ein enormer Pferdrängungs-Wettbewerb entbrannt. Doch bevor die konventionellen Fleischsorten von der Weide stetiger Verbrauchertäuschung pferduften, versuchen die Hersteller noch einmal, sich stutenbissig und laut wiehernd mit einem letzten Aufbäumen und einem gewaltigen Rösselsprung gegen den bevorstehenden Pferdienst-Ausfall zu wehren.

Selbst bei dem berühmten französischen Zigarettenhersteller „Gauloises“, der nach wie vor fest im Sattel sitzt, überlegt man, ein Huftier ins Firmenlogo aufzunehmen: ein Reitpferd, einen Klepper oder eine alte Mähre. Selbst bei „Camel“ will man das auf das trendige Pferd aufspringen und das Höckertier gegen einen Gaul ersetzen. Das Management von „Reynolds American Inc.“ dazu: „Den Rauchern fällt das vermutlich eh – wenn überhaupt – nur unbewusst auf, hat man doch eh vor allem Augen für die Fluppen in der Verpackung. Außerdem passt ein Pferd mehr in den immer noch reichlich wilden Westen als ein Kamel.“

Während sich Steve Jobbs im Grabe umdreht, bedauert er sehr, dass er keine Zügel mehr in Händen hält, um das angebissene Stück Obst auf all den Smartphones und Computern durch einen Pferdeapfel zu ersetzen. „Apple“-User würden darüber zwar die Nüstern rümpfen, aber in ihrem Kultbewusstsein auch diese bittere Pille pferdrücken und der Marke weiter hinterhertraben – und ganz und gar nicht das Gefühl haben, auf das falsche Pferd zu setzen.

Ebenfalls im Grabe umdrehen würde sich Pferdinand Porsche (der 1951 in Stuttgart dem Teufel unter die Hufe gekommen war), wenn er wüsste, was aus seinen Pferdestärken geworden ist. Immerhin ist im Gespräch, ihm posthum das „Bundespferdienstkreuz am Steigbügel“ zu verleihen, mit dem er dann bis in alle Ewigkeit durch die Hölle der Autohersteller galloppieren könnte.

Aber wir wollen nicht abschweifen und Ihnen einen vom Pferd erzählen. Allez hopp! Wenden wir uns abschließend den schönen Künsten zu. Immerhin hat der Pferdefleisch-Skandal dazu geführt, dass frischer Wind auch in die Dichtkunst Einzug gehalten hat. Ein gern verwendeter Kinderreim wurde pferdientermaßen aufgepeppt: „Alle Kinder essen Lasagne – nur nicht Ronny, der isst Pony“ (das funktioniert natürlich auch mit „Gerd“ und „Pferd“!). Oder wie wär's mit „Das Glück dieser Erde liegt in den Entrecôtes uns'rer Pferde“? Selbst Goethe, literarisch unser bestes Pferd im literarischen Stall, kam zu neuen Ehren: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist Lasagne mit Pferd statt Rind“ ...

Fundsache

„Das war kein Huhn ...“







(Abb.: N. N.)



Drink to go

Was für eine Unsitte, ständig mit Getränken rumzulaufen! Ganz früher sind nur die Penner mit 'ner Flasche Bier oder Korn in der Stadt unterwegs gewesen. Dann kam die Wasserflaschen-Ära, und seit ein paar Jahren ist der „Coffee to go“ angesagt, den man dann gern mal irgendwo fallenlässt oder aus dem fahrenden Auto schmeißt.

Strengen sich die Leute heutzutage womöglich körperlich mehr an als früher, dass sie ständig mit einem Getränk herumlaufen müssen,um den Wasserspeicher schnell wieder aufzufüllen? Oder macht das die Erderwärmung, die die Leute über Gebühr schwitzen lässt?

Nein, nein: Einer der Hauptgründe ist wohl, dass irgendwann irgendein Wissenschaftler festgestellt hat, dass man soundsoviele Liter pro Tag trinken muss – manchmal war die Rede von zwei, manchmal von zweieinhalb Litern. Inzwischen ist die Wissenschaft allerdings schlauer: Es ist gar nicht so gut, wenn man ständig trinkt, obwohl man keinen Durst hat; es ist im Gegenteil sogar ziemlich schädlich, wenn man mehr trinkt als der Körper tatsächlich benötigt. Ein gesunder Körper, so wird heutzutage konstatiert, weiß ganz genau, wann es Zeit zum Trinken ist – dann meldet er kurzerhand „Durst!“ – und darauf kann man sich absolut verlassen!


EIERKAUF

„Zehn Eier, bitte!“
„Freilaufend?“
„Nein, mit Karton drumherum.“

*

„Grillen Sie etwa?“
„Nein, in dieser dreibeinigen Opferschale verbrennen wir
dämlich fragende Nachbarn zu Ehren der Göttin Brutzla.“

*

„Darf ich die Brötchen zusammen in einen Tüte packen?“
„Besser nicht! Die haben sich beim letzten Mal
ganz fürchterlich gestritten.“




Food-Design

Über Wunderwerke aus der Krankenhaus-Küche

(Foto: © Frank R. Bulla)

Als Krankenhaus-Patient hat man es – selbst wenm man nicht privatversichert ist – gar nicht so schlecht, zum Beispiel, wenn es um die Menü-Auswahl geht. So werden morgens, mittags und abends jeweils sechs Kategorien angeboten, aus denen man frei wählen kann: von „Vollkost“ über „ovo-lakto-vegetabile Kost“ bis hin zu „Vitalkost“.

Da ich beim Frühstück das daheim gewohnte Joghurt vermisste, fragte ich die Schwester – eine sehr freundliche und hilfsbereite Person mit deutlich osteuropäischem Akzent –, ob sie zufällig noch einen Joghurt in ihrem Vorrat hätte. Sie wollte nachschauen. Nach ein paar Minuten erschien sie mit dem merkwürdigsten Joghurt, der mir bislang untergekommen ist: In einem durchsichtigen Becher befand sich eine grüne, wabbelige Substanz. „Was anderes ist leider nicht mehr da“, sagte sie.

Für das heutige Mittagessen hatte ich mich für fleischlose Küche entscheiden: „vegetarische Frühlingsrolle mit Asia-Sauce und Reis“, was von der Optik her ebenfalls ein wenig unerwartet daherkam (siehe Foto!) und geschmacklich eher an Nudeln mit Gulasch erinnerte. Schon erstaunlich, was die heutigen Fachleute im Bereich Gastronomie und Food-Design – insbesodnere in Krankenhaus-Großküchen – optisch wie geschmacklich an kleinen Wundern vollbringen!

Was Kräutersalz
aus dem Bio-Laden
so alles enthält ...

(Foto: © Frank R. Bulla)

„Spuren von Senf“ hört sich nicht gerade vertrauenserweckend und irgendwie nach mangelnder Hygiene an.

Und warum ist, bitteschön, „Persil“ enthalten? Dient das der Reinigung des Verdauungstraktes? Ach so: „Persil“ ist französisch und bedeutet lediglich „Petersilie“ ... 😜