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Es menschelt:
Gewohnheiten

Übersicht

  • Die Sache mit dem Trinkgeld
  • Klorollenhalter
    Wie herum muss Klopapier eigentlich aufgehÀngt sein?
  • Gewohnheit
    Zitat
  • Der gute Vorsatz – R. I. P.
  • Der gute Vorsatz
    Zitat
  • Der ‚Messie‘ in uns
    Was wĂŒrde der Mensch nur ohne Rumpelkammer, Keller oder Garage machen!? Timo Beil ĂŒber die Sammelleidenschaft des Menschen

Die Sache mit dem Trinkgeld

(Foto: © Frank R. Bulla)

Als Kunde / Gast mancher Branchen – z. B. Gastronomie oder Friseur-Salons – zahlt man mehr oder weniger normale Preise, fĂŒhlt sich dann aber doch – wohl auf Grund gewisser Gepflogenheiten und Traditionen – genötigt, mehr zu zahlen, indem man Trinkgeld gibt. Das erweckt einerseits den Eindruck, dass die Mitarbeiter dermaßen schlecht bezahlt werden, dass sie eine zusĂ€tzliche finanzielle UnterstĂŒtzung durch ihre GĂ€ste brauchen. In dem Falle wĂŒrde ich mich als Gastronom reglrecht schĂ€men und mich geradezu genötigt fĂŒhlen, meinen Mitarbeitern mehr zu zahlen. Sollte aber das Trinkgeld lediglich dazu dienen, gute Leistung zu bezahlen, dann frage ich mich, warum es so viele andere Branchen gibt, in denen gute oder sogar hervorragende Leistung nicht regelmĂ€ĂŸig zusĂ€tzlich durch ein Trinkgeld honoriert wird.

Hier sollte unbedingt ein Umdenken stattfinden, denn es fördert nicht gerade die (eh schon nicht wirklich anzutreffende) Gerechtigkeit, was die Bezahlung im Heer der arbeitenden Bevölkerung angeht.

Wir leben eben in einer Ă€ußerst merkwĂŒrdigen Gesellschaft – zum Beispiel auch einer Gesellschaft, in denen manche Aufgaben offenbar nur dann erledigt werden können, wenn sich genĂŒgend Ehrenamtliche finden – ausgesprochen traurig, um nicht zu sagen beschĂ€mend, gerade in einem Land, das mit zu den wohlhabendsten in der Welt zĂ€hlt. Im Bereich der Ehrenamtlichen wĂ€re es durchaus verstĂ€ndlich, wenn Trinkgelder fließen wĂŒrden – tun sie aber eher seltener, weil es sich die, die von der ehrenamtlichen TĂ€tigkeit partizipieren, oft nicht leisten können. Aber EhrenĂ€mter sind nun mal ein ganz anderes Thema, das thematisch nicht wirklich in diesen Rahmen passt, ĂŒber das sich aber auch stundenlang nachdenken und diskutieren lĂ€sst ...



Klorollenhalter

Wie herum muss Klopapier eigentlich aufgehÀngt sein?
Eine heftig umstrittene Glaubensfrage ...

(Fotos: © Frank R. Bulla)


Wer war noch nie in einem Toilettenraum, in dem die Klorolle andersherum aufgehÀngt war als man es bevorzugt und auch gewohnt ist!? Bei dem Thema scheiden sich die Geister.

Das Problem wĂ€re keinesweg kleiner, wenn die Klorolle von vorne auf die Halterung gesteckt wĂŒrde oder nicht horizontal aufgehĂ€ngt wĂ€re, sondern vertikal: Da bliebe in beiden FĂ€llen die Frage, welche Ausrichtung die richtige ist: wenn man das Papier links abzieht oder rechts? Damit wĂŒrde man sich womöglich politisch outen und es könnten daraus heftige Diskussionen ĂŒber die korrekte Weltanschauung resultieren. Aber zum GlĂŒck hat sich die horizontale Ausrichtung durchgesetzt, sodass es nur noch zwei Auswahlmöglichkeiten gibt: die Rolle so einhĂ€ngen, das das herunterhĂ€ngende Papierende nach vorn oder nach hinten zeigt.

Nur die ganz Unentschlossenen fallen hier aus der Rolle und versuchen, sich der Diskussion zu entziehen, indem sie die Klorolle einfach neben dem Klo auf die Erde stellen, ... was allerdings auch fĂŒr Ärger sorgen kann, weil man sich bei der Papierbenutzung mehr oder weniger stark herunterbeugen muss.

Dabei hat der Erfinder des perforierten Papiers auf der Rolle, Seth Wheeler, es 1891 zeichnerisch ganz klar dargestellt, wie es zu sein hat (siehe nebenstehende Abb.!): Das Klopapier muss vom Benutzer vorn abgezogen werden! Im Grunde könnte die Diskussion im Sinne des Erfinders hier abgebrochen und das Rollen-Spiel beendet werden ...

(Abb.: N. N.)

Die BefĂŒrworter der „Hinterlader“-Methode haben im Grunde kaum gescheite Argumente fĂŒr ihre Anschauung. Ihr wichtigstes Argument, dass die Rolle leicht gegen den Hintergrund drĂŒckt und so ein selbststĂ€ndiges Entrollen verhindert wird, wird recht schnell entkrĂ€ftet – nicht nur, weil das auf die „Vorderlader“-Methode ebenso zutrifft, sondern, weil die volle wie auch die nahezu volle Klorolle nicht lange in diesem Zustand verbleibt: Sind erst mal soundsoviele BlĂ€tter abgerissen, hat sich der Umfang der Rolle reduziert und die Rolle berĂŒhrt nicht mehr den Hintergrund mit der bremsenden Wirkung (anders ist das ausnahmsweise bei der Halterung in den oben gezeigten Fotos: Da sorgt die Mechanik dafĂŒr, dass die Rolle meistens auf der Wand aufliegt).

Die BefĂŒrworter der „Vorderlader“-Methode indes haben da die besseren Karten: Man sieht exakt, wo die Perforierung sitzt und kann so auch realtiv schnell, sauber und exakt eine bestimmte Anzahl von BlĂ€ttern entnehmen. Bei der „Hinterlader“-Methode kommt ein unhygienischer Aspekt hinzu, der besonders dort zum Tragen kommt, wo viele fremde Menschen aufeinanderstoßen: Um ein Blatt zu entnehmen, berĂŒhrt man ganz automatisch den Hintergrund und hinterlĂ€sst dort seine Spuren (bekanntlich befinden sich – zumal im Rahmen des Toilettengangs – unzĂ€hlige Erreger auf unseren Fingerkuppen), die vom Nachfolger ganz zwangslĂ€ufig aufgenommen werden.

Man könnte jetzt natĂŒrlich auch noch den optisch Ă€sthetischeren Anblick ins Spiel bringen, der fraglos bei der „Vorderlader“-Methode zu finden ist: Das ÜberhĂ€ngen des Papiers wirkt letztlich doch ein wenig reizvoller als das schlichte HerunterhĂ€ngen.

Betrachtet man mal die Armbewegungen, die zum Abreißen eines Blattes nötig sind, so hat es der Nutzer des vorn ĂŒberhĂ€ngenden Klopapiers definitiv leichter: Er hat den kĂŒrzeren Weg und die grĂ¶ĂŸtmögliche Bewegungsfreiheit mit den Armen, und er muss sich weniger in Richtung Klorollenhalter bewegen.

Jetzt also flugs hin zum stillen Örtchen und die Klorolle so eingespannt, wie es Seth Wheeler dereinst vorgesehen hat! 😜

Interessanter Link

  • Adventskranz
    Vorgehensweise beim Abbrennen der Kerzen –
    eine heftig umstrittene Glaubensfrage ...


GEWOHNHEIT

„Der Mensch ist ein mittelmĂ€ĂŸiger Egoist;
auch der KlĂŒgste nimmt seine Gewohnheit
wichtiger als seinen Vorteil.“
(Friedrich Nietzsche)




Der gute Vorsatz – R. I. P.

Der gute Vorsatz (lat.: propositum fragilis)

(Foto: N. N. / photoshopped: Frank R. Bulla)

Der gute Vorsatz erkennt mit gnadenloser NĂŒchternheit sĂ€mtliche SchwĂ€chen seines Opfers und verordnet bedingungslose Besserung. Vielleicht könnte er uns tatsĂ€chlich vor all den anderen Monstern retten, wĂ€re er nicht ein derart kurzlebiges Monster: Der Forschung ist kein Fall bekannt, in dem ein guter Vorsatz lĂ€nger als ein paar Tage ĂŒberlebt hĂ€tte. So bleibt als letzter Trauergast nur das schlechte Gewissen.


DER GUTE VORSATZ

„Ein Jahr wĂ€hrt 365 Tage.
Die guten VorsĂ€tze fĂŒrs neue Jahr haben hĂ€ufig
nicht mal eine Halbwertzeit von 365 Minuten.“
(Frank R. Bulla)




Der ‚Messie‘ in uns

Was wĂŒrde der Mensch nur ohne Rumpelkammer,
Keller oder Garage machen!?
Timo Beil ĂŒber die Sammelleidenschaft des Menschen

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er – je öfter er sich in ein und derselben Situation befindet – auf immer mehr Details achtet. So ergeht es mir auch auf meinen zahlreichen SpaziergĂ€ngen durchs Dorf.

Geht man das erste Mal durch eine Straße, die vornehmlich EinfamilienhĂ€user aufweist, sieht man eine ganze Reihe von HĂ€usern, beim nĂ€chsten Mal achtet man schon auf das eine oder andere Haus, weil es durch irgendwelche Besonderheiten auffĂ€llt. Nach einer gewissen Zeit hat man selbst in Abwesenheit der Straße ein mehr oder weniger klares Bild des Wohngebiets vor Augen mit all seinen GrundstĂŒcken und den darauf befindlichen HĂ€usern. Man ist zuweilen in der Lage, Hausnummern zuzuordnen, zu sagen, wie die HauseingĂ€nge beschaffen und wie die DĂ€cher eingedeckt sind, wer seinen Garten pflegt oder professionell pflegen lĂ€sst oder diesen einzig und allein dem Wirken der Natur ĂŒberlĂ€sst. Hier und da trifft man auch auf Bewohner, die man – begegnen sie einem andernorts, beispielsweise beim Einkaufen – mit einem bestimmten Haus in Verbindung bringen kann.

Man weiß, wer an Ostern die StrĂ€ucher vorm Haus mit Ostereiern schmĂŒckt. Vor Beginn der Adventszeit weiß man schon ziemlich genau, wer nur im Entferntesten etwas mit Weihnachten am Hut hat, wer mit dezenter, stilvoller Weihnachtsbeleuchtung aufwartet und wer es mal wieder maßlos ĂŒbertriebt.

Was man nicht sieht, ist, wie es in Rumpelkammern und Kellern (sofern die HĂ€user unterkellert sind) aussieht. Man kann es nur ahnen. Meist wird es wohl aussehen wie in den meisten Kellern, die hoffnungslos ĂŒberfrachtet sind mit GegenstĂ€nden, die man meint, nicht wegwerfen zu können, weil sie vielleicht irgendwann doch noch mal gebraucht werden. Im Laufe der Zeit vergisst man, was sich in den Tiefen des Kellers alles befindet – und je mehr Zuwachs das Kellerinnere bekommt, umso mehr verliert man den Überblick und gibt es schließlich irgendwann auf, sich Gedanken darĂŒber zu machen. Dann zĂ€hlt eigentlich nur noch die Frage, ob noch ein kleines PlĂ€tzchen frei ist, falls mal wieder etwas im Keller untergebracht werden muss.

Auch wenn man nicht weiß, wie es in den Kellern besagter Einfamilienhaus-Siedlung aussieht, so kann man es doch erahnen: Ein gutes Indiz mag die Beschaffenheit der Garagen sein, denn auch hier passiert dasselbe, was in Kellern passiert: temporĂ€r oder nachhaltig Ausrangiertes wird dort gelagert, um letztlich der Vergessenheit anheimzufallen. Der Unterschied zwischen Keller und Garage ist lediglich der, dass man in der Garage noch angemessenen Platz fĂŒr das zu parkende Auto lassen muss. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Vor manchem GrundstĂŒck parken die Autos grundsĂ€tzlich vor der Garage. Hat man dann allerdings mal die seltene Gelegenheit, einen Blick in die geöffnete Garage zu erhaschen, wird auch der Grund dafĂŒr klar: Die RĂ€umlichkeit ist vollkommen ĂŒberfrachtet mit Dingen, die entweder im Keller keinen Platz mehr gefunden hatten oder die dort in Ermangelung eines Kellers untergebracht werden mussten. Ich kann mich gar an einige wenige Garagen erinnern, die dermaßen vollgestopft waren mit Dingen, die in ihrer Gesamheit wie ein riesiger Berg mit SpermĂŒll aussahen, dass offenbar nicht mal mehr das Garagentor zu schließen war: Dieses stand Tag und Nacht offen.

Zuweilen ergibt sich ein Lichtblick in Gestalt der BemĂŒhungen, den einen oder anderen Gegenstand, der Keller oder Garage verstopft, zu Geld zu machen. Da aber das meiste, das sich da so angesammelt hat, oft bestenfalls nur (um es mal so zu nennen) ideellen Wert hat, bleibt das Vorhaben auf der Strecke.

Die Sammelleidenschaft des Menschen fĂŒhrt jedoch frĂŒher oder spĂ€ter – zuweilen erst im Rahmen eines bevorstehenden Umzugs – dazu, dass man sich des ganzen GerĂŒmpels entledigen will oder gar muss. Schnell kommen dann die sechs Kubikmeter zusammen, die von vielen Unternehmen der Abfallwirtschaft als maximale Abholmenge der gĂŒnstigsten Kategorie eingestuft wird. Erst, wenn alles, was man jahrelang gehortet hat, an der Straße zur Abholung bereitsteht, wird dem EntrĂŒmpler klar, dass er die ganze Zeit nur MĂŒll gesammelt hat: Dinge, die eigentlich kein Mensch mehr braucht – was sich vor allem dadurch bestĂ€tigt, dass alles, aber auch wirklich alles, was man den Abend zuvor an den Straßenrand gestellt hat, am nĂ€chsten Morgen noch immer da ist: Kein Schwein hat sich dafĂŒr interessiert (mal abgesehen davon, dass es rein rechtlich eh Diebstahl wĂ€re, wĂŒrde sich jemand an dem SperrmĂŒll bedient haben).

Ähnlich wie in Kellern und Garagen sieht es auch in manchen SchrĂ€nken aus – nur in kleinerem Maßstab. KĂŒrzlich hörte ich mal eine Zahl die mich erstaunte: Rund 80 Prozent des Inhalts von KleiderschrĂ€nken wird ĂŒberhaupt nicht getragen ... Aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein andermal erzĂ€hlt werden.

Zumindest lĂ€sst sich feststellen, dass in vielen von uns ein ‚Messie‘ schlummert – zum GlĂŒck aber einer von der Sorte, dessen Desorganisations-Problematik sich lediglich auf ganz bestimmte Bereiche bezieht: Rumpelkammern, Keller, Dachböden und Garagen.