bulla-blog
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Lebensende:
Abschied

Übersicht

  • Über eine Trauerrrede ...
  • Dialoge
  • StandesgemĂ€ĂŸ sterben
  • Tod von Prominenten
  • Trauerfeier fĂŒr George Bush
  • Organspende
    Warum eigentlich nicht?


Über eine Trauerrede ...

(Foto: N. N. / photoshopped: Frank R. Bulla)

Die Trauerfeier mitten im Sommer war relativ normal verlaufen: gut besucht (wenigstens 50 TrauergĂ€ste), aber die SchwĂŒle war sehr unangenehm.

Als unangenehmer hatte ich den Bestatter und seine beiden Mitarbeiter (m / w) empfunden. Sie machten regelrecht den Eindruck, als hĂ€tten sie schon sehr, sehr viele Bestattungen hinter sich und wirkten sehr sachlich, geschĂ€ftig, kalt. So intensiv – intensiv negativ – habe ich bislang noch kein Bestatterpersonal erlebt.

Und es gab – als krassen Gegenpol – einen sehr berĂŒhrenden Moment gegen Ende der Trauerfeier, als der Sohn des Toten die Urne vom Altar entgegennahm und seine Schwester die Hand auf die Urne legte, bevor er die Urne zu Grabe trug. Das war ein so herzzerreißendes Bild, die beiden Anfangzwanziger zu sehen, dass ich mich tatsĂ€chlich ein wenig zusammenreißen musste.

Ich habe immer sehr viel Blickkontakt mit dem Publikum, was fĂŒr mich eigentlich die einzige Möglichkeit ist, festzustellen, welchen Wert das, was ich vortrage, hat: Bei manchen Passagen werden die Angehörigen zu TrĂ€nen gerĂŒhrt (ein wichtiger Bestandteil des Abschieds und der Trauerarbeit), an anderen Stellen nickt der eine oder andere bestĂ€tigend, als wĂŒrde er sagen: „Ja, genauso war der Verstorbene ...“ Dann weiß ich, dass ich ein richtiges Bild dieses Menschen gezeichnet habe.

Ansonsten gibt es fast keine BestÀtigung. Gelegentlich sagt der eine oder andere (so auch bei der oben erwÀhnten Trauerfeier) am Ende, wenn er beim Verlassen der Kapelle an mir vorbeigeht, dass ich meine Sache gutgemacht habe. Aber die meisten sind mit ihren Gedanken verstÀndlicherweise ganz woanders.

Nach dem BegrĂ€bnis habe ich selten von irgendjemandem wieder etwas gehört. Ganz klar: Die Menschen wollen die Sache mit dem BegrĂ€bnis möglichst abgeschlossen wissen. Eine der ganz wenigen Ausnahmen bildete bislang die erwĂ€hnte Bestattung: Tage nach dem BegrĂ€bnis erhielt ich per „WhatsApp“ eine Nachricht, in der sich eine nahe Anhörige sehr fĂŒr die wĂ€hrend der Trauerfeier von mir gefundenen Worte bedankte.

Mich fragte mal jemand, ob ich Situationen, wie sie bei einer Trauerfeier vorkommen, als bedrĂŒckend empfinde ... Nein, ich empfinde diese keineswegs als bedrĂŒckend. Aber es ist eines jener Momente im Leben, wo man den Wert des Lebens intensiv zu spĂŒren bekommt.

Interessanter Link ...

  • Interview in der „Celleschen Zeitung“ vom 29. April 2015,
    wo ich zum Thema „Freier Redner oder Pastor?“ befragt worden war
    (extern)


DIALOGE

„Was machen Sie so beruflich?“
Sensenmann: „Ich bin der Tod.“
„Und davon kann man leben?“

(N., N.)

*

Alte Frau: „Wo bitte ist Reihe 10, Grab Nr. 7?“
FriedhofswĂ€rter: „Soso, heimlich aus dem Grab kraxeln
und dann den Heimweg nicht mehr finden!“

(N. N.)



StandesgemĂ€ĂŸ sterben

(Text: N. N. / Frank R. Bulla)

  • Der Alkoholiker sĂ€uft ab.
  • Der Angler geht den Bach runter.
  • Der Anwalt steht vor dem JĂŒngsten Gericht.
  • Der Astronaut kommt in den Himmel.
  • Der Außenseiter wird ins Jenseits befördert.
  • Der AutohĂ€ndler kommt unter die RĂ€der.
  • Der Beamte entschlĂ€ft sanft.
  • Der Christ muss dran glauben.
  • Der Dampfwalzenfahrer wird plattgemacht.
  • Den Elektriker trifft der Schlag.
  • Der Eremit wird heimgerufen.
  • Der FĂ€hrtensucher findet den Tod.
  • Der Fechter springt ĂŒber die Klinge.
  • Der Florist geht ein wie eine Primel.
  • Der Förster geht in die ewigen JagdgrĂŒnde ein.
  • Dem GeflĂŒgelzĂŒchter wird der Hals umgedreht.
  • Der GemĂŒsehĂ€ndler schaut sich die Radieschen von unten an.
  • Der General wird abberufen.
  • Der GroßwildjĂ€ger wird zur Beute.
  • Der GynĂ€kologe scheidet dahin.
  • Dem Halsabschneider wird das Genick gebrochen.
  • Der Henker wird hingerichtet.
  • Der HolzfĂ€ller fĂ€llt tot um.
  • Der JĂ€ger wird zur Strecke gebracht.
  • Der Kellner wird abserviert.
  • Dem Kerzenmacher wird das Licht ausgeblasen.
  • Der Kfz-Mechaniker schmiert ab.
  • Der Koch gibt den Löffel ab.
  • Der Meteorologe wird vom Blitz erschlagen.
  • Der Metzger wird abgeschlachtet.
  • Der Optiker schließt fĂŒr immer die Augen.
  • Der Pechvogel verliert sein Leben.
  • Den Pfarrer segnet das Zeitliche.
  • Das Playmate nippelt ab.
  • Der Psychiater gibt seinen Geist auf.
  • Die Putzfrau kehrt nie wieder.
  • Der Rabbiner geht ĂŒber den Jordan.
  • Der Schaffner liegt in den letzten ZĂŒgen.
  • Der Schauspieler tritt ab.
  • Dem Schiedsrichter lĂ€uft die Zeit ab.
  • Der Schlachter wird durch den Fleischwolf gedreht.
  • Der Schornsteinfeger wird zu Asche.
  • Der Spanner ist weg vom Fenster.
  • Der Taschendieb nimmt sich das Leben.
  • Der Taucher geht zugrunde.
  • Der Tenor hört die Englein singen.
  • Der Teufel fĂ€hrt zur Hölle.
  • Der Tiertrainer geht vor die Hunde.
  • Der TotengrĂ€ber springt von der Schippe.
  • Der Turner verreckt.
  • Dem Uhrmacher schlĂ€gt sein letztes StĂŒndlein.
  • Der Vampir verblutet.
  • Der Vegetarier beißt ins Gras.
  • Der Wanderer geht ĂŒber den Deister.
  • Der Zahnarzt hinterlĂ€sst eine schmerzliche LĂŒcke.
  • Der Zauberer verschwindet fĂŒr immer.



Tod von Promis

Immer ist die Rede von „großem Verlust“, wenn ein prominenter Mensch, vornehmlich ein KĂŒnstler oder Politiker im Alter von 70, 80 oder noch mehr Jahren stirbt. Sicherlich hat der Betreffende in seinem Leben Großes geleistet, die Welt vielleicht sogar mit innovativen Ideen oder hervorragenden Gedanken bereichert. Zum Zeitpunkt ihres Todes aber haben die meisten Promis den Zenit ihres Erfolgs schon lĂ€ngst ĂŒberschritten, und so bleiben lediglich noch reichlich Erinnerungen. Ein wirklicher Verlust dagegen wĂ€re gegeben, wenn noch viel Kreatives zu erwarten gewesen wĂ€re, wie beispielsweise im Falle von Michael Jackson, Prince und vieleicht sogar Whitney Houston, die alle weit ‚vor der Zeit‘ das Zeitliche gesegnet hatte.

Aber so ist das zuweilen bei Nachrufen: Es wird gerne mal etwas dicker aufgetragen.



Trauerfeier fĂŒr George Bush

Am 5. Dezember 2018 hatte ich mir mal live in der Glotze die Trauerfeier fĂŒr einen verstorbenen Politiker – den ehemaligen US-PrĂ€sidenten George H. W. Bush (* 1924; † 2018) – angesehen. FĂŒr mich war das Highlight, nein, der einzig nennenswerte Part die Rede seines Sohnes George W. Bush (ein Mann ĂŒbrigens, den ich wĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft sowohl als Politiker als auch menschlich absolut nicht mochte, was vermutlich auch auf seine republikanische Gesinnung zurĂŒckzufĂŒhren war). Selten habe ich eine dermaßen gute Trauerrede gehört – das musste ich neidlos anerkennen!

Allerdings kippte meine Stimmung, als er den Nachruf auf seinen Vater beendet hatte und ... ein Pfaffe den Mund aufmachte und schwafelte und schwafelte und schwafelte. Er schwafelte viele, viele Minuten lang. Ich muss sagen: Selten habe ich so viel Blödsinn auf einem Haufen gehört! Ich dachte nur fĂŒr mich: Der Typ sollte nicht so viel Messwein saufen, die Drogen weglassen, nicht so viel Weihrauch inhalieren oder so was in der Art – dann wĂŒrde aus seinem Munde vielleicht auch mal ein bisschen was Gescheites herauskommen, anstelle dieser zahlreichen unsĂ€glichen WorthĂŒlsen.

Schade! Es wÀre der Stimmung sicherlich ausgesprochen zutrÀglich gewesen, wenn George Bush's Sohn nach dem Hirngespinstler gesprochen hÀtte.



Organspende

Warum eigentlich nicht?

Man kann das Lebensende mit den aberwitzigsten Überlegungen religiöser Art verknĂŒpfen ... Fakt ist: Es ist niemandem wirklich geholfen, wenn die sterblichen Überreste – in welcher Form auch immer – ‚ungenutzt‘ im Boden verscharrt werden. Bestenfalls haben Insekten und WĂŒrmer noch etwas davon. Warum also sollte ein noch lebender Mensch nicht davon partizipieren!?

Klar ist auch: Wenn man Menschen nicht dezent anstubst, bekommen sie manche Dinge kaum geregelt. Mit Verlaub, aber gerade der weit verbreitete religiöse Blödsinn macht es zuweilen selbst Menschen, die mit Religion nicht allzu viel am Hut haben, schwer, sich von gewissen Vorstellungen zu lösen. Man sollte sich von daher klarmachen, dass das Physische so oder so in einer Ansammlung von Atomen endet, die sich naturgemĂ€ĂŸ im Laufe der Zeit im Erdreich verteilen. Warum dann nicht zu einem Zeitpunkt, da es noch möglich ist, Mitmenschen ein besseres Leben ermöglichen!?

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