bulla-blog
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Lebensende:
Dateileichen

Übersicht

  • BerĂŒhrende Momente
    im World Wide Web

    Über wahre ‚Dateileichen‘ ...
  • Letztes Status-Update
    Das Ende bei „Facebook“ ...
  • Facebook-unser
    Zitat
  • Tierischer Nekrolog
    Gedenken an „Big Al“, aber kein Sterbenswörtchen zu „Flipper“ und „Lassie“

Interessanter Link

BerĂŒhrende Momente
im World Wide Web

Über wahre ‚Dateileichen‘ ...

(Grafik: N. N.)

Wenn man sich regelmĂ€ĂŸig in ein bestimmtes soziales Netzwerk einloggt, tut man das auch mit einer gewissen Erwartungshaltung: Was haben meine Freunde und Bekannten gepostet, haben sie neue Profilbilder, Titelbilder oder andere Fotos hochgeladen, gibt es Reaktionen auf eigene BeitrĂ€ge und Kommentare, sind neue Nachrichten, Freundschaftsanfragen oder Freundschaftsanfrage-BestĂ€tigungen eingegangen? An manchen Tagen könnte man schon von einer gewissen Routine reden, die sich beim Umgang mit einem Netzwerk einstellt.

Nach mehreren Jahren Abstinenz habe ich mich just mal wieder in das Netzwerk „Wer kennt wen (WKW)“ eingeloggt (by the way: Es hat sich in den vergangenen Jahren zwar zeitgemĂ€ĂŸ ein wenig verĂ€ndert, animiert mich aber keineswegs zum Bleiben), ich fand aber im Grunde genommen alles so vor, wie ich es irgendwann mal verlassen hatte: Stillstand. Bis auf eine Kleinigkeit, die mich sehr berĂŒhrte:

Bei einer „WKW“-Freundin war das Profilbild durch irgendetwas Undefinierbares ersetzt, das sich auf den ersten Blick als Textauszug erwies. Das ist eigentlich nichts Neues, denn es gibt User, die kein Konterfei hochladen, sondern irgendwas (die GrĂŒnde fĂŒr derartige Surrogate erschließen sich mir nicht wirklich, genauso wenig wie merkwĂŒrdige Pseudonyme – aber das ist eben eine reine Geschmacksfrage!).

Bei nÀherem Hinsehen musste ich allerdings ein wenig schlucken: Das Profilbild enthielt die Todesanzeige dieser Frau, die auf Januar 2011 datierte und die vermutlich mal von einem Familienmitglied hochgeladen worden war. Sie hatte lediglich ein Alter von 47 Jahren erreicht.

Im ‚richtigen‘ Leben stellen sich die Dinge eher endlich dar: Ein Mensch stirbt, es gibt die ĂŒblichen VorgĂ€nge, wie GesprĂ€che mit dem Bestatter und dem Pastoren, die obligatorische Traueranzeige, dann Trauerfeier und BegrĂ€bnis ... Am Ende bleiben vielleicht ein Grabstein, ein reserviertes PlĂ€tzchen im Urnenfeld, eventuell eine Wohnungsauflösung, manch materielle Erinnerung und jede Menge schmerzliche Gedanken ...
Im Netz dagegen bekommt der Begriff ‚Dateileiche‘ eine völlig neue Bedeutung. Mit etwas GlĂŒck – und vor allem den entsprechenden PrivatsphĂ€re-Einstellungen – weiß „Google“ davon; ansonsten schwirrt man möglicherweise bis zum Sanktnimmerleinstag als Suchergebnis im Internet herum. Es sei denn, die Angehörigen sorgen fĂŒr Abhilfe. In jedem Falle kann es nicht schaden, sich rechtzeitig – d. h.: zu Lebzeiten – Gedanken ĂŒber solche Dinge zu machen: ob man nun den Mitmenschen auf konventionelle Weise in Erinnerung bleiben möchte oder ob man lieber sein eigenes Denmal im Internet erhalten wissen möchte.

Inzwischen ist die besagte „WKW“-Freundin schon die zweite Person, die ich kannte, die noch Jahre nach dem Ableben in einem sozialen Netzwerk zu finden ist; die andere Person ist eine Cousine von mir. In beiden FĂ€llen plĂ€diere ich eher dafĂŒr, die Profile zu löschen. Technisch ließe sich das Problem mit den nur zu wahren ‚Dateileichen‘ sicherlich recht simpel lösen: Vor einigen Jahren war ich mal Mitglied in einem Netzwerk, das ich irgendwann zusehens vernachlĂ€ssigte – und in schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit meldete sich der Anbieter per Mail und setzte mir eine Frist, um meine Mitgliedschaft zu bekrĂ€ftigen – andernfalls sollte die Löschung des Accounts erfolgen. Das wĂ€re sicherlich ein guter Ansatz, um all die Netzwerk- und E-Mail-Accounts nicht ĂŒber GebĂŒhr lĂ€nger am Leben zu halten als dem User vergönnt war.



Letztes Status-Update

Das Ende bei „Facebook“ ...

Gerade las ich bei „Facebook“ ein Posting mit der Fragestellung: "Was wird dein letztes Status-Update sein?".

Bei „Facebook“ kann man sich inzwischen kaum mehr vorstellen, dass dieses Netzwerk nicht ewig wĂ€hren wird, denn der Erfolg scheint kein Ende zu nehmen. Ende 2019 hatte „Facebook“ ĂŒber zweieinhalb Milliarden Mitglieder.

So unendlich das Bestehen von „Facebook“ scheint, so endlich ist die Mitgliedschaft der Mitglieder. Klar, gibt es unzufriedene User, die irgendwann die Segel streichen, sich ein anderes Netzwerk suchen oder den sozialen Netzwerken komplett abschwören.

Aber selbst fĂŒr die allertreuesten Mitglieder endet die Beteiligung an der Welt grĂ¶ĂŸtem sozialen Netzwerk irgendwann zwangslĂ€ufig: Niemand lebt ewig. Und darauf wollte die eingangs gestellte Frage vermutlich abzielen. Mancheiner hat vielleicht sogar noch die Chance, vor seinem Ableben ein paar Abschiedsworte zu verlieren, wĂ€hrend das Gros derer, die aus dem Leben scheiden, sang- und klanglos verschwinden werden und sich nie wieder – zur Trauer oder zur Freude anderer „Facebooker“ – mit Kommentaren an allen möglichen BeitrĂ€gen beteiligen.

Tja, was könnte man seinen „Facebook“-Freunden wohl am Ende mitteilen? Das dĂŒrfte individuell sehr verschieden sein – je nachdem, wie extravertiert oder introvertiert man ist. Aber möglicherweise sind ein paar letzte Worte vollkommen anders beschaffen als das, was man gemeinhin auf seiner Statusseite postete, ist es doch wohl eher eine Ausnahmesituation, aus der heraus man seine letzten Worte formuliert: Vielleicht ist es eine tödliche Krankheit, an der man leidet, oder man leidet am Leben ĂŒberhaupt, das man unter UmstĂ€nden nunmehr zu beenden beabsichtigt ...

Ein trauriger Moment wird es so oder so sein – fĂŒr viele Beteiligte. FĂŒr die, die einen gut kennen, persönlich kennen, wird es eh ein herber Schlag. Und dann sind auch noch die, die man bislang nur virtuell kannte, bestenfalls noch vom Telefon her, die man gerne einmal persönlich hĂ€tte kennenlernen wollen, was aber auf Grund von grĂ¶ĂŸeren Entfernungen bislang nicht realisierbar war. Aber selbst jenen, die einen nicht besonders mochten, werden die definitiv letzten Worte zu denken geben: Denn schließlich wird sie das gleiche oder ein Ă€hnliches Schicksal wohl auch eines Tages ereilen.

Vielleicht lĂ€sst sich ja ‚Sugarhillie‘ (wie ich den obersten „Facebook“-Macher zu nennen pflege) irgendwann noch mal eine Funktion einfallen – ein virtueller Grabstein, eine Art testamentarischer Status („Meine letzten Worte an euch, liebe ‚Facebook‘-Freunde ...“) –, der aktiviert wird, sobald der „Facebook“-Zentrale die Kopie des Totenscheins vorliegt. Andernfalls geistern wir vermutlich noch ewig als regelrechte Dateileiche in den digitalen JagdgrĂŒnden dieses Netzwerks herum.


FACEBOOK-UNSER

„Facebookunser,
der du bist im Internet,
geheiligt werde dein Log-in,
dein Spam komme, dein Like geschehe,
wie auf dem Computer so auf dem Smartphone.
Unseren tÀglichen Status gib uns heute,
und vergib uns unsere Stups,
wie auch wir vergeben unseren Stupsern.
Und fĂŒhre uns nicht nach Farmville,
sondern erlöse uns von den Spammern.
Denn dein sind die GlĂŒckskekse
und die Uploads und die PMs
in Ewigkeit.
Offline.“

(N. N.)


 

Tierischer Nekrolog

Gedenken an „Big Al“, aber kein Sterbenswörtchen
zu „Flipper“ und „Lassie“

Im Nekrolog bei „Wikipedia“ finden sich gemeinhin zahlreiche Todestage von mehr oder weniger berĂŒhmten Zeitgenossen.

KĂŒrzlich entdeckte ich zufĂ€llig auch eine Auflistung von Todesdaten mehr oder weniger berĂŒhmter Tiere. Hier findet man sowohl „Big Al“, den fleischfressenden Allosaurus, der vor ca. 150 Millionen Jahren sein Unwesen trieb, den Deutschen SchĂ€ferhund „Rin Tin Tin“, der in 26 Filmen eine Rolle spielte und im Jahre 1932 starb, als auch „Lady Gaga“, eine grasfressende Schwarzbunte Holstein-Friesian-Kuh und mehrfache Schausiegerin, die im Dezember 2019 ihr Leben ließ.

Zu schade, ja, geradezu ein Makel ist es, dass in diesem speziellen Nekrolog die Tierhelden meiner Kindheit keine ErwĂ€hnung gefunden haben: „Flipper“, „Fury“ und „Lassie“.

Vielleicht sollte ich ersatzweise mal was ĂŒber den mir fremden Hund schreiben, der mir vor Jahren mal auf irgendeiner spanischen Insel ĂŒber den Weg gelaufen ist, der offenbar mit mir spielen wollte und den inzwischen sicherlich auch schon das Zeitliche gesegnet hat.



(Foto: © Frank R. Bulla)