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Reisen:
Lanzarote

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    Fernab von Brexitannien – Beobachtungen in der kanarischen Kaffeepause
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  • RĂĽckfahr-Ticket
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Engländerin mit Klatsche

Fernab von Brexitannien –
Beobachtungen in der kanarischen Kaffeepause

(Fotos: © Frank R. Bulla)

Kürzlich war ich als Tourist auf der Kanaren-Insel Lanzarote in der maritimen Location Puerto Calero in einem sehr englisch geprägten Café unterwegs – einem Lokal mit vornehmlich englischem Personal und unter anderem auch mit entsprechendem Angebot zur typisch englischen Teezeit. Hier tummeln sich naturgemäß immer jede Menge Engländer, so auch ein älteres Ehepaar, das sich die ganze Zeit sehr lebhaft mit einem Trio unterhielt, bestehend aus drei älteren übergewichtigen Frauen – ganz augenscheinlich auch englischen Ursprungs –, die drei Meter entfernt auf der anderen Seite des Durchgangs saßen. Das Damen-Terzett gönnte sich neben einem Heißgetränk auch ein paar üppige Tortenstücke. Schließlich bedarf es schon einiger Kalorien, um ein gewisses Körpergewicht erhalten zu können. Es war nicht wirklich ersichtlich, ob das gereichte Getränk tee- oder kaffeehaltig war, da man die Wahl des Gefäßes in diesem Lokal nicht so eng zu sehen schien; überhaupt schien es hier keine einzige Tasse, keinen einzigen Teller zu geben, der zu einem in Cafés gemeinhin üblichen Service gehörte. Jedes Gschirrteil war ein Unikat, das vermutlich auf irgendeinem Flohmarkt oder in irgendeinem Antiquitätengeschäft erstanden worden war.

Obgleich es zwar bei einer üblichen Januar-Temperatur von etwa 20 Grad zwar schon mal die eine oder andere Fliege gab, fuchtelte die Britin unablässig mit einer offenbar mitgebrachten Fliegenklatsche herum, als würde man sich zur Mittagshitze in einer Savanne im tiefsten Afrika befinden, wo das Ungeziefer den ganzen lieben Tag lang nichts Besseres zu tun hat, als den Eingeborenen auf dem Gesicht herumzukrabbeln. Das erinnerte auch ein wenig an den spanischen Hochadel, wo sich die Damen mittels formschöner und hübsch gestalteter Fächer permanent etwas kühle Lüftchen zuwedeln – nur mit dem Unterschied, dass es auf Lanzarote nicht wirklich zu warm war und eine einfache graue Fliegenklatsche eben auch kein kunstvoll gefertigter Fächer ist.

Der Gatte der herumfuchtelnden Frau indes hielt sich zurück: Weder schien ihm zu warm zu sein noch fühlte er sich animiert, an dem regen Smalltalk der vier Ladys teilzuhaben. Möglicherweise dachte er sich nur seinen Teil angesichts des allgemeinen Geschnatters und des Gebärdenreichtums seiner Gattin. Etwas Abwechslung suchte er offenbar in der Betrachtung einer Kacktaube, die sich auf dem dicken metallenen Spannseil unterhalb des kuppelartigen Sonnensegels ausgiebig mit Körperpflege beschäftigte, während sie gelegentlich was aus ihrem Hinterteil fallenließ. Glücklicherweise verhinderte eine Vielzahl nach oben gerichteter dünner Metallstäbe auf dem Spannseil, dass sich Tauben zu sehr den darunter befindlichen Tischen nähern konnten, sonst hätte sich die mit einer Fliegenklatsche bewehrte Frau womöglich noch dazu genötigt gefühlt, einen Regenschirm aufzuspannen, den sie ganz bestimmt für solche Fälle auch noch mit sich führte.

Als den Seniorinnen schließlich irgenwann der Gesprächsstoff auszugehen schien – kein normaler Mensch hält stundenlangen Smalltalk durch –, trotteten sich die Herrschaften an beiden Tischen nahezu zeitgleich, bezahlten drinnen am Tresen und verschwanden.

Kurze Zeit später nahm ein Paar – Anfang bis Mitte 40, ohrenscheinlich ebenfalls Engländer – die Plätze des Damen-Trios ein, bestellte was zu trinken und widmete sich sogleich der Aufgabe, weswegen man offensichtlich hierher gekommen war: Jeder kramte sein Smartphone hervor, um darauf herumzutippen und herumzuwischen. Schwer zu sagen, ob beide auf diesem Wege miteinander kommunizierten oder sich externen Kommunikations-Partnern oder ganz anderen Dingen widmeten.

Die Kacktaube hatte inzwischen ihren Platz mit einer Artgenossin getauscht, die sich ebenso vehement Körperpflege und Darmleerung widmete. Sie saß wieder an derselben Stelle wie ihre Vorgängerin: über einem Lichtschacht, an dem eine Treppe zur eine Etage tiefer gelegenen Einkaufszeile führte. Schwer zu sagen, warum während der ganzen Zeit niemand die Treppe nach oben benutzte. Aber vielleicht war am Fuß der Treppe ein Warnschild mit Hinweis auf Flugkacke angebracht – was durchaus schade wäre, hätten doch unter Umständen die abgegebenen Hinterlassenschaften zur Belustigung der Gäste des Cafés beigetragen.

Der Korrektheit halber sei nachgetragen, dass ich zwei Tage später abermals Gast in besagtem englischen Café war. Da es diesmal darum ging, aus der gut sortierten Kuchentheke auszuwählen, musste ich das Innere des Lokals betreten. Was musste ich da entdecken? Auf einer Ablage vor dem Tresen lag ein Stapel mit nicht weniger als einem halben Dutzend Fliegenklatschen in den unterschiedlichsten Farben. Da kein Preisschild zu sehen war, waren die Fliegenabwehr-Gerätschaften ganz offensichtlich zum Ausleihen angedacht. So war wohl auch die zappelige Engländerin zu ihrem Exemplar gekommen.

Ebenfalls erwähnenswert wäre vielleicht noch die Info – vor allem im Zusammenhang mit dem Stichwort „Klatsche“ –, dass ausgerechnet an dem Tage, an dem ich diesen Beitrag verfasst habe, Brexitannien aus der EU ausgeschieden war. Man muss schon eine ziemliche Klatsche haben und / oder Boris Johnson heißen (das ist dieser grobschlächtige egomane Zausel mit der ungepflegten Frisur und den kaputten Schuhen), wenn man es in Kauf nimmt, dass sich durch den EU-Austritt – so die einhellige Meinung einiger Wirtschafts-Experten – die Lebensumstände vieler Briten wohl eher verschlechtern dürften. Und auch für Touristen könnte es in den kommenden Jahren eher weniger spaßig zugehen, wenn sie in Great Britain einreisen wollen: Ein Personalausweis dürfte vermutlich nicht mehr reichen, wahrscheinlicher ist die Vorlage eines Reisepasses, wenn nicht sogar eines Visums – von anderem Ungemach bei einem Grenzübertritt hier mal ganz zu schweigen. Wer macht so etwas freiwillig mit, nachdem der Inselbesuch zuvor jahrzehntelang völlig reibungslos ablief!? Da muss man wohl schon triftige Gründe haben, um aus der EU in dieses Drittland einzureisen – wenn nicht sogar eine Vollklatsche! Im Grunde genommen reicht dann ein Besuch des eingangs beschriebenen Cafés auf den Kanaren völlig aus, um ein wenig britisches Flair genießen zu können.

 


Ein Foto ist ein RĂĽckfahr-Ticket ...

(Foto: © Frank R. Bulla)

Das Foto zeigt ein Verkehrszeichen auf Lanzarote. Dieses gab es in Deutschland bis 2013 unter der Bezeichnung „Zeichen 150“ und es meinte einen beschrankten Bahnübergang. Heutzutage findet man es hierzulande vermutlich nur noch an völlig vernachlässigten Bahnübergängen.

Das Schild in der Nähe eines Hafens auf Lanzarote allerdings hat keine entsprechende Funktion: Hier gibt es keinen Bahnübergang und hier hat es sicherlich auch noch niemals einen Bahnübergang gegeben. Somit ist das Schild ähnlich zu werten wie ein Warnschild, das auf Lanzarote sehr häufig zu finden ist und das an Landstraßen vor querenden Rindviechern warnt. Allerdings habe ich während meines Urlaubs – und ich habe nahezu die gesamte Insel durchquert – keine einzige Kuh gesehen.

Insofern liegt der Verdacht nah, dass manche Verkehrsschilder irgendetwas völlig anderes meinen. Bei dem Schild mit der Kuh könnte ich mir vorstellen, dass Kamele gemeint sein könnten – die nämlich sind – vor allem im Nationalpark – sehr häufig anzutreffen. Aber vielleicht hatte die Straßenmeisterei gerade kein Schild mit der Bedeutung „Achtung! Kamele queren!“ zur Hand ...


RĂśCKFAHR-TICKET

„Ein Foto ist ein Rückfahr-Ticket zu einem Moment,
der sonst weg wäre."