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Reisen:
Malediven

Surf-Versuch

Von einem, der auszog, die Wellen zu rocken

(Foto: © Frank R. Bulla)

Leider hat meine Frau meine erbÀrmlichen Versuche, das Surfen zu erlernen, nicht fotographisch dokumentiert: Erst sah es vermutlich zu dÀmlich aus, und danach bekam sie es wohl mit der Angst zu tun ...

Mitte der 90er Jahre war ich mehrmals auf den Malediven. Es waren eigentlich die einzigen Urlaube, bei denen ich in so hohem Maße dem Wassersport frönte – denn ich war kaum aus dem wohltemperierten Nass zu bekommen. In der Hauptsache verbrachte ich die Zeit im Wasser mit Schnorcheln und viele Male auch mit Tauchsport, denn die Unterwasserwelt der Malediven eignete sich seinerzeit wie kaum ein anderes Fleckchen auf der Erde fĂŒr einen Blick unter Wasser. (Inzwischen sollen viele Atolle auf Grund von MeereserwĂ€rmung und rĂŒcksichtslosen Tauchtouristen in hohem Maße Schaden getragen haben.)

Da aber die Insel Vilamendhoo im Ari-Atoll nicht besonders groß ist (alles Landleben findet auf einer FlĂ€che von ca. 250 mal 900 Metern statt), waren natĂŒrlich auch die Möglichkeiten begrenzt. Zu den Highlights an Land zĂ€hlten neben dem morgendlichen Spaziergang um die Insel (natĂŒrlich vorm FrĂŒhstĂŒck) auch die BĂŒfetts am Morgen und am Abend. Und so kam ich im Rahmen eines dreiwöchigen Aufenthalts eines Tages auf die Idee, das Surfen erlernen zu wollen. Gesagt – getan. Die Anmeldung war schnell erledigt, und ein fachkundiger Trainer mit Rasta-Zotteln ĂŒbernahm sogleich das Training.

Da es bereits in StrandnĂ€he KorallenbĂ€nke gab und damit die Surf-SchĂŒler nicht zu schnell aus dem Rahmen fielen, war ein kleines Areal mit Bojen und rotweiß-gestreiften BĂ€ndern abgeteilt, innerhalb dessen die Übungen stattfinden sollten.

Ungeduldig, wie ich war, fand ich das stĂ€ndige Aufsteigen und wieder Runterfallen reichlich öde und gab am Ende dem zu eng bemessenen Areal die Schuld dafĂŒr, dass es mit dem Surfen nicht klappen wollte. So machte ich mich ein wenig selbststĂ€ndig und ĂŒberfuhr einfach das gestreifte Band, was der Sache zunĂ€chst, wie erhofft, sehr zutrĂ€glich war. Dennoch blieb das Umfallen nicht aus. Mit jedem erneuten Aufsteigen entfernte ich mich weiter vom Strand – und mit jedem Aufsteigen schwanden immer mehr meine KrĂ€fte.

Schließlich war ich geschĂ€tzte weit ĂŒber 1.000 Meter vom Ausgangspunkt entfernt, war schon lĂ€ngst ĂŒber die Riffkante hinweggetrieben – das Meer unter mir hatte schon beachtliche Tiefe. Inzwischen war ich schon so schlapp, dass ich ĂŒberhaupt nicht mehr aufs Brett kam, sondern nur noch mĂŒde vor mich hinpaddelte, in der Hoffnung, so wieder den Strand zu erreichen. Aber weit gefehlt: Ich trieb weiter ab.

Dem Strand entgegenwinkend, sah ich irgendwann, wie sich ein kleines Doni (das sind die motorisierten Boote auf den Malediven) vom Strand löste und in meine Richtung fuhr. Mit an Bord war der Rastaman mit breitem Grinsen. Er stieg auf mein Surfbrett, als hĂ€tte er sein Leben lang nichts anderes getan, wies mich an, vor seinen FĂŒĂŸen auf dem Brett Platz zu nehmen, hievte das Segel empor, und so fuhren wir zu zweit auf dem Surfbrett zum Strand zurĂŒck, wo wir jubelnd von einer kleinen Menschenmenge empfangen wurden ...

Immerhin kann ich heute behaupten, dass ich mal eine lĂ€ngere Strecke auf einem Surfbrett zurĂŒckgelegt habe. 😜