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Schulisches:
Unterricht

Ăśbersicht

  • Schulgeschichten –
    Einblicke in die 60er Jahre

    Timo Beil's Erkenntnisse
    aus der Schulzeit
  • Dialoge

Schulgeschichten –
Einblicke in die 60er Jahre

Timo Beil's Erkenntnisse aus der Schulzeit

(Abb.: N. N.)


Themen

  • Ăśber die Erziehung zu Schweigsamkeit
  • Ăśber die Erziehung zu Gerechtigkeit
  • Ăśber die Erziehung zu gutem Ausdruck


1. Ăśber die Erziehung zu Schweigsamkeit

In der Grundschule der 60er Jahre gab es schon so manche Merkwürdigkeiten, zum Beispiel eine besondere Form der Bestrafung, wenn jemand den Unterricht gestört hat.

Wenigstens einmal bin ich auch in diesen besonderen Genuss gekommen. Warum, weiß ich heute sicherlich nicht mehr so genau – vermutlich schwatzte ich mit dem Nachbarn oder beteiligte mich am Unterricht, ohne vorher gefragt worden zu sein oder mich gemeldet zu haben, oder ich übte mich (wie auch während meiner gesamten späteren Schulzeit in gähnend langweiligen Unterrichtsphasen) im Zeichnen. Auf alle Fälle kann ich mich nicht entsinnen, allzu oft jene spezielle Strafe auferlegt bekommen zu haben.

Die Klassenlehrerin war jedenfalls in puncto Störungen äußerst sensibel, resolut und konsequent. Und wer im Unterricht lautstärkemäßig aus der Rolle fiel, bekam nicht nur ein dickes Heftpflaster auf den Mund geklebt, wodurch der Auserwählte zum Spott der ganzen Klasse wurde, sondern wurde von der Lehrerin höchstpersönlich und mit den entsprechenden begleitenden Worten mitten in den Unterricht einer Parallelklasse gebracht, um dort in der letzten Reihe für den Rest des Unterrichts zu verweilen.

Selbstverständlich durfte man das Pflaster erst am Ende des Schultages wieder abnehmen, und selbstverständlich war man auch hier in der Parallelklasse Objekt des Spotts, konnte sich aber auf die inneren Verdauungsvorgänge konzentrieren und auf die Frage, ob es auf der Welt noch mehr solch dämliche Pauker gab.

2. Ăśber die Erziehung zu Gerechtigkeit

In jeder Klasse der Grundschule gab es früher Schüler, die sozial nicht so ganz zum Rest der Klasse passten, sich aber dennoch einen gewissen Respekt verschafften – das aber weniger aufgrund hervorragender schulischer Leistungen oder kameradschaftlichen Verhaltens, sondern vielmehr durch handfeste Argumente physischer Art.

Als Grundschüler war ich noch eher schüchtern und schwächlich und kam so gelegentlich in eine Situation, als Opfer asozialen Tuns herhalten zu müssen. Das änderte sich erst ein paar Jahre später, als ich zusehends der Körperertüchtigung frönte und irgendwann sogar Judo lernte, was ich noch nie anwenden musste, was mir aber jenes Quäntchen Sicherheit mit auf den Weg gab, um mich bei Auseinandersetzungen ausschließlich verbal zur Wehr setzen zu können.

Aber in der Grundschule machte ich noch jedem deutlich, dass ich leicht zu besiegen war. So kam es, dass der Prekariatsverdächtigste der Klasse (Mitglied der Familie V., die mehrere solcher Rabauken zu bieten hatte) und ich eines Tages in der großen Pause auf dem Schulhof ein Knäuel waren. Diese Auseinandersetzung, die von besagtem Mitglied der Familie V. angezettelt worden war, ohne dass ich einen wirklichen Grund dafür gelieferte hatte, und in die ich verstrickt war, ohne mich wehren zu können, erregte die Aufmerksamkeit des Schulrektors, der uns entgegeneilte, jeden von uns beiden an einem Ohr packte, um uns in sein Chefzimmer zu bringen.

Hier wurde nicht lange gefackelt, sondern der Rohrstock aus der Ecke geholt. Nun mussten wir uns bücken und bekamen eine ganze Reihe von Schlägen auf den Allerwertesten. Dann durften wir wieder gehen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran entsinnen, jemals seitens des Rektors eine Erklärung für diese Züchtigung bekommen zu haben.

3. Ăśber die Erziehung zu gutem Ausdruck

In den 60er Jahren war ich Schüler eines Celler Gymnasiums. Damals waren die Lehrer – auf der Oberschule schimpften sie sich zum Großteil Studienrat oder Oberstudienrat – noch sehr streng, was sich damals nicht nur allein in der Verabreichung von Strafarbeiten manifestierte oder in Form von Einträgen ins Klassenbuch („Tadel“) oder im Nachsitzen – zuweilen äußerte sich die Strenge auch in physischer Form: eine Art und Weise der Erziehung, die heutzutage ernste rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Ein Deutschlehrer war geradezu eine Kapazität im Aufgeben von Strafarbeiten: Wenn Herr Sch. jemanden auf dem Kieker hatte, hatte der nichts zu lachen, denn die Aufgaben waren in der Regel sehr zeitaufwändig – schließlich sollten sie ein echter Denkzettel sein für ungebührliches Verhalten. Während man vor anderen Paukern zusammenzuckte, wenn die ansetzten, um die Hand gegen einen zu erheben, brauchte Herr Sch. nur sein typisches „Notieren Sie ...“ zu äußern, um einen erzittern zu lassen.

Nun ja, Herr Sch. war streng, aber ich lernte bei ihm eine Menge; vielleicht haben ja auch die zahlreichen Strafarbeiten ihren Teil mit dazu beigetragen.

Von etwas anderer Qualität war der Musiklehrer, Herr R. Auch bei ihm habe ich fachlich sehr viel lernen können. Dass ich zuweilen ein Spaßvogel bin oder auch ein wenig provokant, konnte er jedenfalls mit seinem Erziehungsstil nicht nachhaltig verhindern.

Eines Tages saßen wir mal wieder auf unseren speziellen Sitzmöbeln, wie es seinerzeit im Musikunterricht üblich war: Stühle, die mit einer nierenförmigen rauf- und runterklappbaren Arbeitsfläche versehen waren. Der Stuhl neben mir war frei, und auf der Arbeitsfläche lag ein zusammengeknülltes Papiertaschentuch, was mich in meinem jugendlichen Leichtsinn zu der Äußerung motivierte: „Herr R., da liegt eine Rotzfahne!“

Herrn R. interessierte indes weniger dieses unhygienische Etwas, das da irgendwer hatte liegen lassen, sondern mehr die Art und Weise, wie ich mich artikuliert hatte. Er kam in seiner typischen strengen Art auf mich zu und versetzte mir eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte. Dann ging er an sein Pult zurück und fuhr mit dem Unterricht fort, als wäre nichts gewesen.

So war das früher: Es wurden nicht viele unnötige Worte verschwendet, sondern es wurde gehandelt.


DIALOGE

„Ich muss bis zur Klausur noch 30 Seiten Script lernen ...“
„Druck es dir doch beidseitig aus –
dann sind es nur noch 15 Seiten.“

*

„Mama, ich will heute nicht in die Schule!“
„Nun reiß dich doch mal ein bisschen zusammen, mein Junge!
Du bist 39 Jahre alt – und du bist der Lehrer!“

*

„Wie läuft's mit deiner Hausarbeit?“
„Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert ...“

*

„Mama, in der Schule lachen mich alle aus,
weil ich noch nie Sex hatte.“
„Mach' dir nichts draus!
Dann gibst du ihnen halt schlechter Noten.“

*

„Sabine, geh' bitte zur Weltkarte und finde Amerika!“
„Hier liegt es.“
„Richtig! Und, Kevin, wer hat Amerika entdeckt?“
„Die Sabine.“

*

„Unser Sohn geht jetzt zur Sonderschule.“
„Ist doch toll, wenn er das Zeug dazu hat.“