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Sport und Spiel:
Outdoor

Übersicht

  • Nordic Schlurfing
    Timo Beil ĂŒber die Spezies der Scheinsportler
  • Motivation
    Zitat
  • Der Unterschieed zwischen Fett und Geld
  • Jogging
    Wie man sich frĂŒher bewegte und wie heutzutage ...
  • Dialoge
  • Das gĂŒldene Popel-Orakel des J.Loe
    Fußball-Muffel Timo Beil ĂŒber die Weissagung von EM-Fußballspielen
  • Fanatismus
    Zitat
  • Viel LĂ€rm um nichts!
    Trommelfellpfleger Timo Beil ĂŒber die AufrĂŒstung beim Fußball-Patriotismus
  • Kompensation
    Zitat
  • Fußball und Corona

Nordic Schlurfing

Timo Beil ĂŒber die Spezies der Scheinsportler

(Abb.: N. N.)

Das Online-Portal „Wikipedia“ sagt zum Bewegungsablauf von Nordic Walking u. a.: „Der rechte Stock hat immer dann BodenberĂŒhrung, wenn die linke Ferse aufsetzt, der linke Stock, wenn die rechte Ferse aufsetzt. Die Stöcke werden nah am Körper gefĂŒhrt. Der jeweilige Stock wird schrĂ€g nach hinten eingesetzt; der Stockeinsatz sollte immer unterhalb des Körperschwerpunktes, also in der Schrittstellung auf der vertikalen Körperachse erfolgen.“ Dabei wird eine StocklĂ€nge empfohlen, die sich nach der Formel „KörpergrĂ¶ĂŸe (in Zentimetern) mal 0,66“ errechnet. Dies bedeutet, dass bei senkrecht stehendem Stock und Oberarm der Unterarm einen Winkel von allerhöchstens 90 Grad beschreibt. Die Abbildung oben zeigt, wie es aussieht, wenn echte Nordic Walker in Aktion sind.

Das Gros derer, die sich im Nordic Walking versuchen und die einem ĂŒberall begegnen – egal, ob auf der Straße, im Wald, am Ostsee-Deich oder auf den Kanaren –, vermittelt dagegen eher den Eindruck, als hĂ€tten sie vor ihrem ersten Nordic Walking-Training einen etwas disziplinfremden Kurs belegt, wie z. B. „Fußboden fegen – kinderleicht“ oder „Richtig gehen mit KrĂŒckstock“ oder „BeilĂ€ufig mit den Stöcken in der Erde rumstochern“. Denn die LĂ€nge der Stöcke liegt meist deutlich unter der empfohlenen LĂ€nge, wodurch der Bewegungsablauf der Arme sich kein StĂŒck von jenem unterscheidet, den ein Mensch an den Tag legt, wenn er etwas schneller geht: Es kommt zur natĂŒrlichen Pendelbewegung der Arme, die nicht nur mĂŒhelos aussieht, sondern es auch ist. Und auch wenn die Stöcke sehr kurz eingestellt sind, sind sie immer noch zu lang, um bei der relativ leichten Pendelbewegung der Arme deutlich vom Boden gehoben zu werden. So verkommt das Nordic Walking in vielen FĂ€llen zum Nordic Schlurfing: Die Stöcke schleifen fast mehr am Boden als dass sie der Disziplin entsprechend angehoben werden.

Der ganze Bewegungsablauf gewinnt natĂŒrlich dadurch noch an LĂ€cherlichkeit, dass der Gesichtsausdruck auf Konzentriertheit hinweist – beinahe wie bei einem echten Sportler, der gerade dabei ist, eine Bestleistung zu erzielen. Nur kann man das, was diese speziellen Nordic Walker da treiben, genauso wenig als Sport bezeichnen wie einen etwas flotteren Spaziergang. Das, was man da treibt, soll aber wohl den Eindruck von Sport vermitteln, sonst wĂŒrden die Möchtegern-Sportler einfach die Stöcke weglassen. Was manche auch wirklich tun: Die marschieren dann (und „marschieren“ ist in diesem Falle ein mit Bedacht gewĂ€hlter Ausdruck!) mit korrekt angewinkelten Oberarmen, aber ansonsten steif wie Brokkoli, durch die Gegend, verziehen keine Miene und erinnern von dessen Ausdruck her zuweilen an eine Katze, die – andĂ€chtig auf dem Katzenklo sitzend – ihr heiliges GeschĂ€ft verrichtet. Oder sie grinsen völlig weltfremd und entgeistert, als wĂ€ren sie vom Heiligen Bimbam persönlich heimgesucht worden mit einer mit gewöhnlichem menschlichem Verstand kaum nachvollziehbaren VerkĂŒndigung.

Da viele der Möchtegern-Nordic Walker schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, sind sie auf den ersten Blick oft nicht zu unterscheiden von Menschen mit Gebrechen, denen die Stöcke in der Tat helfen, sich ĂŒberhaupt so einigermaßen auf den Beinen zu halten.

So könnte es natĂŒrlich sein, dass es gar nicht in der Intention der Pseudo-Nordic Walker liegt, Sport zu treiben – vielleicht sind sie einerseits nur aus auf das Mitleid der Mitmenschen ob ihrer möglicherweise vorhandenen körperlichen Leiden, die sie dazu zwingen, am Stock zu gehen; andererseits ernten sie vielleicht sogar noch Respekt dafĂŒr, dass sie mit viel Willenskraft versuchen, ihre vermeintliche Krankheit zu besiegen und die Beweglichkeit wiederherzustellen ...

Am Ende entpuppt sich Nordic Walking womöglich noch als Maßnahme der Krankenkassen, ihre Mitglieder rechtzeitig an die Fortbewegung mittels Gehhilfen zu gewöhnen.

Wie auch immer ... Jedenfalls können Nordic Schlurfer wie auch richtige Nordic Walker froh sein, dass die Hitze Afrikas sie davon abhölt, in den Savannen ihrem Bewegungsdrang nachzugehen: Ein Löwe wĂŒrde sich vermutlich denken: „Mmmh... Lecker Frischfleisch! Und die Zahnstochern sind auch gleich mit dabei!“


MOTIVATION

„Da will man zum Sport gehen, stolpert ĂŒber die Sporttasche,
fÀllt in die Jogging-Hose, purzelt unversehens aufs Sofa
und bestellt versehentlich eine Pizza ...“


Der Unterschied zwischen Fett und Geld


This one runs on fat and saves you money.


This one runs on money and makes you fat.




Jogging

Wie man sich frĂŒher bewegte und wie heutzutage ...

(Text: N. N. / Frank R. Bulla; Foto: © Frank R. Bulla)

Jogging frĂŒher
(damals hieß das noch Dauerlauf)

Trainings-Anzug und Turnschuhe anziehen – und los geht's!

Jogging heutzutage

Vorm Joggen:
DehnungsĂŒbungen machen, Kniebandagen und Tapes anlegen, Brustgurt fĂŒr Pulsmessung anlegen, Funktionskleidung anziehen, Laufschuhe fĂŒr Mittelstreckenlauf anziehen, Bluetooth-Headset und GPS-Uhr anlegen, Schweißarmband und Schweißstirnband anlegen, Wasserflasche in den RĂŒckengurt stecken, coole Sonnenbrille und Basecap aufsetzen, Lauf-App und Musik im Smartphone starten – und los geht's!

WĂ€hrend des Joggens:
RegelmĂ€ĂŸig Puls checken und einen Schluck Wasser zu sich nehmen.

Nach dem Joggen:
Lauf-App und Musik im Smartphone stoppen, coole Sonnenbrille und Basecap absetzen, Headset abnehmen, DehnungsĂŒbungen machen, Magnesium-Brausetablette mit reichlich Wasser zu sich nehmen, Lauf-App-Auswertung begutachten und bei „Facebook“ hochladen.


DIALOGE

„Hast du auch so einen SchrittzĂ€hler?“
„Nein. Ich fange erst mal langsam an:
Ich habe jetzt einen Bewegungsmelder.“

*

„Spielen Sie Golf?“
„Nein, ich habe noch Sex.“

*

„Ich habe mir einen neue Jogging-Hose gekauft.“
„FĂŒrs Sofa?“
„Nein, zum Joggen.“
„Hast du kein Sofa?“

*

„Und was halten Sie so von Sport?“
„Der von ‚Ritter‘ ist ganz OK.“




Das gĂŒldene Popel-Orakel des J.Loe

Fußball-Muffel Timo Beil ĂŒber die Weissagung
von EM-Fußballspielen

(Grafik: © Frank R. Bulla)

GemĂ€ĂŸ des Zitats von Aldous Huxley ...


FANATISMUS

„Ein Fanatiker ist – in psychologischen Begriffen definiert – ein Mensch, der bewusst einen geheimen Zweifel ĂŒberkompensiert.“
(Aldous Huxley)

... wollte ich mal wissen, wie es sich anfĂŒhlt, ein wenig ĂŒberzukompensieren. Der geneigte Leser oder die geneigte Leserin weiß möglicherweise, dass ich fĂŒr Fußball herzlich wenig ĂŒbrighabe. Aber die Massenhysterie, die mich derzeit allerorts umfĂ€ngt (am Arbeitsplatz, beim Sport, im Supermarkt, in der TV-Werbung etc.), bringt einen zuweilen auf absurde Ideen. OK, so weit habe ich noch nicht ĂŒberkompensiert, dass ich dreifarbige Lappen am Auto befestige oder ĂŒber das Fensterbrett hĂ€nge oder meine Vuvuzela aus den hintersten Ecken des Kellers hervorkrame ...

Aber ein bisschen orakeln möchte ich schon! Und dabei kann ich sicherlich locker mithalten mit all den selbsternannten ĂŒberkompensierenden Experten, die genau zu wissen glauben, wer das heutige Spiel fĂŒr sich entscheiden wird. Im Radio-Sender „N-Joy“ machten es dieser Tage ja bereits die beiden morgendlichen Moderatoren Kuhlage und Hardeland vor, wie man orakelt:

Man nehme das goldene Brusthaar von Andrea Berg und lasse es aus einer gewissen Höhe auf die auf dem Tisch bereitliegenden Flaggen von Deutschland und Italien fallen. Das Ergebnis war natĂŒrlich sehr ernĂŒchternd, zumal man sich mit Fug und Recht fragen kann: Was in aller Welt hat das goldene Brusthaar von Andrea Berg mit EM-Fußball zu tun!?

Da trĂ€gt es doch der Sache erheblich mehr Rechnung, den gĂŒldenen Popel von Jogi Löw zu verwenden. Damit hĂ€tte das Orakel wenigstens einen gescheiten Bezug. Sollte man ĂŒber keinen von Jogi's Popeln verfĂŒgen (was ja auch kein Wunder ist, weil Jogi Löw seine Popel immer gleich genĂŒsslich verzehrt – siehe Video am Ende dieses Beitrags!), macht das nichts – man kann dafĂŒr genauso gut einen eigenen Popel verwenden. Sollte man sich gerade außerstande sehen, einen solchen zu produzieren, tut es notfalls auch eine frisch eingelegte Kaper (Bio-QualitĂ€t!).

Diese Kaper stopfe man in ein Blasrohr (falls man keines besitzt, tut es eventuell auch eine handelsĂŒbliche Vuvuzela), verbinde sich unter notarieller Aufsicht oder dem Beisein der Ehefrau die Augen und blase das leicht matschige Etwas blindlings Richtung Bildschirm, auf dem man zuvor nebeneinander die Flaggen von Deutschland und Italien aufgezogen hat. Der Abstand zwischen den beiden Flaggen auf dem Bildschirm sollte wenigstens drei, höchstens aber fĂŒnf Popeldurchmesser betragen, sodass der Popel respektive die Kaper die Chance hat, sich auch zwischen die beiden Flaggen zu setzen, was mit der Möglichkeit eines Gleichstandes im Rahmen der regulĂ€ren Spielzeit gleichzusetzen ist.

Aber Vorsicht! Vor dem Abschuss sollte man sich mittels Ruflauten mit der Ehefrau verstĂ€ndigen, um sicherzustellen, dass sie sich nicht in der Schusslinie zwischen Blasrohr und Monitor befindet. Es steht außer Frage, dass man nur einen Versuch hat! Und man Versuch deutete ganz klar auf einen Sieg von Italien hin.

Im Nachgang – also nach Beendigung des EM-Viertelfinal-Spiels 2016 zwischen Deutschland und Italien – ließ sich jedenfalls feststellen: Das Popel-Orakel hat gepatzt! Prophezeiungen sind eben schwierig, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.

Hier nun noch das versprochene „YouTube“-Video mit dem bekanntesten deutschen Magier, der Popel verschwinden lassen kann: Jogi Löw.

Schwarz-rot-blöd

Timo Beil ĂŒber eine Wirtschaft, die anlĂ€sslich der
Fußball-EM wieder beginnt, völlig durchzudrehen

(Abb.: N. N. / photoshopped: Frank R. Bulla)

Rechtzeitig vor der Europa-Meisterschaft im Fußball scheinen die Fans noch recht gelassen zu sein, nimmt man mal als Indikator die Bereitschaft, bereits vor der EM Autos, Balkone und heimische Fahnenstangen mit der deutschen Trikolore zu schmĂŒcken – im Gegensatz zur Wirtschaft, die abermals völlig durch den Wind ist.

Man möchte meinen, dass die Hersteller eigentlich irgendwann mal satt sein mĂŒssten. Aber nein – jeder noch so nichtige Grund wird verwendet, um die pseudo-patriotischen Gewinnmaximierungs-Ambitionen in allen seinen Facetten auszuleben und auf die Spitze zu treiben. So hofft jedes Unternehemn, das in irgendeiner Form das Fußball-Ereignis erwĂ€hnt, von dem Interesse zu partizipieren, dass dieser Sportart seitens der Fans entgegengebracht wird. Und zu EM- oder WM-Zeiten ist die Werbewelt voll von solchen Aktionen – und die meisten, zumal fußball-affinen, Kunden schlucken das völlig unkritsch.

In einem Werbe-Prospekt einer großen Supermarkt-Kette geht es seitenlang um das bevorstehende Sport-Ereignis des Jahres 2016: Die Fußball-EM steht vor der TĂŒr. Unter der Überschrift „Wir machen Fußball-Party“ gibt es alles, was das anspruchslose Fußball-Fan-Herz höherschlagen lĂ€sst. Nachfolgend nur ein paar Beispiele vollkommener Verblödung:

FĂŒr den kleinen Hunger zwischendurch

  • „Dreierkette“ (Antipasti-Snack, nach drei Farben sortiert)
  • „Dribbel-König“ (Dip-Soße)
  • „Elf Freunde“ (11er-Pack RostbratwĂŒrste)
  • „Fan-Kurve“ (12er-Pack Pizza-Brötchen)
  • „Fan-Pasta“ (Farfalle in den drei NationalitĂ€tsfarben)
  • „Final-BĂ€lle“ (12er-Pack HackfleischbĂ€llchen)
  • „Freistoß-Filet“ (rund ein halbes Dutzend HĂ€hnhenbrust-Filets)
  • „Fußballgott“ (Packung mit GlĂŒckskeksen in den drei Farben)
  • „Halbzeit-Imbiss“ (wahlweise Schaschlik oder GeflĂŒgel-Currywurst)
  • „HeldenkĂŒsse“ (SchaumkĂŒsse in den drei Farben)
  • „Mannschaftstopf“ (wahlweise Gulaschsuppe oder Chili con Carne)
  • „M&Ms ...“ (natĂŒrlich in den drei Farben)
  • „Mittelkreis“ (Nuss-Mix)
  • „Sieger-Cakes“ (Muffins wahlweise Kakao oder Vanille)
  • „SpielbĂ€lle“ (Mais-Snack wahlweise mit Paprika- oder KĂ€segeschmack)
  • „Spielmacher“ (Mini-Salami in einer Packung in Trikot-Form)
  • „Stadion-Ketchup“
  • „Start-Elf“ (11er-Pack Schweinenacken-Filets)
  • „Team-Nuggets“ (HĂ€hnchen-Nuggets in Pokal-, Trikot- und Fahnenform)
  • „Turnier-Burger“ (6er-Pack Hamburger)
  • „Zuckerpass“ (Fruchtgummi-Mix in den drei Farben)

FĂŒr die durstige Fan-Seele

  • „Anstoßbier“ (12er-Pack Dosenbier inkl. Gratis-Fahne)
  • „JĂ€germeister“ (anlĂ€sslich der EM 2016 mit speziellem dreifarbigem Etikett)
  • „Viererkette“ (Fruchtlikör wahlweise Feige oder Kirsch)

Und weil das alles auch wieder raus muss

  • „Ausputzer“ (Toilettenpapier, allerdings nicht in den drei Farben, sondern dezent mit grĂŒnen Zeichnungen – natĂŒrlich Fußballmotiven – bedruckt)
    (Foto: Auszug aus Supermarkt-Flyer)


Aber auch das Ambiente muss stimmen

  • „Laufwunder“ (TischlĂ€ufer 30 x 480 cm)
  • „Mittelfeld-Decken“ (84 x 84 cm)
  • „Platz-Set“ (30 x 40 cm)
  • „Sieger-Servietten“ (40 x 40 cm)

Und last not least

  • Einweg-Feuerzeuge mit den dĂ€mlichsten Fußballer-Zitaten aller Zeiten

Und alle Verpackungen sind natĂŒrlich mit den Farben Schwarz, Rot und Gelb bedruckt ...

Indes kursiert im Internet mal wieder das Statement, das bereits seit Jahren immer wieder zu EM- oder WM-Zeiten ausgegraben wird: „Habe im Supermarkt nur Sachen eingekauft, die nicht mit Fußball beworben wurden. Zum Abendessen gibt es heute KlobĂŒrste mit Olivenöl.“



Viel LĂ€rm um nichts!

Trommelfellpfleger Timo Beil ĂŒber die AufrĂŒstung
beim Fußball-Patriotismus

(Fotos: N. N.)

Wenn Sie im Sommer 2010 bei geöffnetem Fenster seltsame GerĂ€usche vernommen hatten, dann konnten Sie sicher sein: Unsere Welt war keineswegs plötzlich per Zeitverschiebung in die Steinzeit katapultiert worden, wo das entfernte Trompeten von Mammuts zu hören war (auch wenn man geneigt ist, manche Verhaltensweisen von Fußball-Fans dem Neolithikum zuzuordnen). Das Tröten rĂŒhrte her von den zahlreichen Vuvuzelas, deren Besitzer just dabei waren, sich fĂŒr die Deutschland-Spiele dieser WM fitzumachen: Eine Vuvuzela zu beherrschen – das ist eben bei weitem nicht so leicht wie Flagge zu zeigen!

Jener Tage hatte die Weltmeisterschaft in SĂŒdafrika begonnen. Dass bald wieder ein solches Ereignis vor der TĂŒr stand, hatte sich bereits Wochen zuvor angekĂŒndigt: Die ersten Deutschland-FĂ€hnchen schmĂŒckten die fahrbaren UntersĂ€tze der Nation: Pkw, Lkw, motorisierte ZweirĂ€der, FahrrĂ€der ...

Aber das kannten wir ja bereits aus den Jahren 2006 (WM) und 2008 (EM). Doch diesmal war alles ganz anders: Wurden die letzten beiden Male die internationalen Spiele um das lederne Rund auf beispiellose Art und Weise visualisiert, wurden sie in diesem Jahr auch hörbar gemacht – und zwar mit Ohren betĂ€ubenden bis zu 105 Dezibel (die das Gehör schĂ€digende Grenze liegt ĂŒbrigens bei 85 Dezibel; ein Gutes hat eine solche Vuvuzela allerdings: Hat sie erst mal betrĂ€chtlichen Schaden angerichtet, kann sie auch als Hörrohr weiterverwendet werden).

Kein Wunder jedenfalls, dass Jogi Löw sich inzwischen mit seiner Mannschaft nur noch per Handzeichen verstĂ€ndigen konnte, weil Worte ob des eindringlichen Getutes im Stadion ĂŒberhaupt nicht mehr ankamen. Aber was wĂ€re der Fußball ohne seine Fans – also ließ man die Krachmacher gewĂ€hren, denn so oft hat der Mensch der westlichen Welt ja nicht die Gelegenheit, aus sich herauszugehen und mal so richtig die Sau rauszulassen.

Sagten sich bei den beiden letzten Groß-Ereignissen immer mehr Fußball-Fanatiker, „Was so viele tun, kann nicht verkehrt sein“, wĂ€hrend sie an ihren Vehikeln die Nationalflaggen montierten, so wurde die visuelle Eskalation nunmehr wohl um eine akustische bereichert: motorisierte ‚Flaggschiffe‘, aus deren Fenstern sich die Möchtegern-Patrioten mit ihren Vuzuelas hĂ€ngten, eben in dem Bewusstsein, dass nicht verkehrt sein kann, was derzeit so viele tun – wirkt es auch noch so albern. Massenhysterie und MitlĂ€ufertum hatten doch schon immer wieder eine ausgesprochen benebelnde Wirkung auf den Geist – am Ende glaubt jeder noch, er wĂŒrde damit der Gemeinschaft dienlich sein.

Wie sagte doch schon die bekannte bayerische Kabarettistin:


KOMPENSATION

„Wer kein Selbstbewusstsein hat,
braucht ein Nationalbewusstsein.“
(Lisa Fitz)


Man gönnt sich ja sonst nix!

Aber vielleicht sollte man mal im richtigen Leben Flagge zeigen und sich lautstark fĂŒr eine gute Sache engagieren und nicht nur beim Fußball! Dieser Patriotismus angesichts einer internationalen Meisterschaft wirkt indes genauso unglaubwĂŒrdig wie jene Spendenbereitschaft, die in besonderer AusprĂ€gung fast nur zur Weihnachtszeit zu beobachten ist.

Übrigens hatten Schlachtenbummler angekĂŒndigt, dass bei der nĂ€chsten WM in 2014 aufgerĂŒstet und der Sound unter Verwendung von Gebirgs-Vuvuzelas (Alphörnern) und ‚Down-under‘-Vuvuzelas (Didgeridoos) deutlich verbessert werden sollte. Meines Wissens ist nichts daraus geworden, hat man sich doch lieber wieder der Pyrotechnik bedient und Bengalos und gefĂ€hrlich Explosives gezĂŒndet.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich bis dahin die Sportfreunde Stiller nach „’54, ’74, ’90, 2006“, „’54, ’74, ’90, 2008“ und „’54, ’74, ’90, 2010“ nebst Verlierer-Versionen etwas Neues ausgedacht haben werden – denn das Versmaß mit „’54, ’74, ’90, 2014“ humpelt jetzt aber doch ein wenig ...



Fußball und Corona

(Foto: N. N.)

Ich bin ganz fasziniert von diesen speziellen Hygiene-Konzepten von Fußballspielern wĂ€hrend der Corona-Pandemie in 2020: Nach geschossenen Toren springen sich die Sportler vermutlich deswegen so vehement an und umarmen sich wie bescheuert, um eventuell vorhandene Corona-Viren zwischen sich zu zerquetschen.

Dass manche Mannschaften auf Grund von Corona-Infektionen kaum oder gar nicht mehr spielfĂ€hig sind, kann also nur daran liegen, dass irgendwelche nachlĂ€ssigen Personen außerhalb des Vereins die Viren in die Mannschaft getragen haben. Unglaublich, diese RĂŒcksichtslosigkeit!