bulla-blog
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Sprachliches:
Guter Ausdruck

 

Übersicht

  • Der „Transrapid“
    Edmund Stoiber's sprachlicher Höhenflug
  • GĂŒnther Oettinger's Rede
    in Englisch
  • UrwĂŒchsiges Deutsch
    Ein paar Beispiele hervorragender Konjugationen, Deklinationen und sonstiger Sprach-Akrobatik aus den Hochburgen der Rhetorik
  • Lautsprecher-Ansage im Kaufhaus
    Zitat
  • Wie man beim Formulieren unschlagbar wird ...

    Klarer Fall von „synchroner FĂŒhrungsprogrammierung“

  • Dialoge

  • Brandschutz-Ordnung – tĂŒrkische Fassung
    Was du machen, wenn viel heiß da ...

  • Gutes Deutsch –
    sponsored by „Penny“

  • Endgeiler Tag!
    Erlebnisbericht eines sackhosengewandeten
    PickelausdrĂŒckers

  • Bessere Kommunikation durch optimierte Rhetorik

Der „Transrapid“

Edmund Stoiber's sprachlicher Höhenflug

Edmund Stoiber, der bayrische Politiker, der schneller denkt als der „Transrapid“ ...

Die Version zum Hören

Auch wenn letztlich das prestige-trĂ€chtige Projekt „Transrapid“ gescheitert ist: Edmund Stoiber's Rede, die er im Rahmen des Neujahrs-Empfanges der „CSU“ in MĂŒnchen Anfang 2002 hielt, bleibt unsterblich: eine rhetorische Glanzleistung par excellence ...


Zum Reinören:
Stoiber's Rede
zum „Transrapid“

Die Version zum Lesen

„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in MĂŒnchen mit zehn Minuten ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken mĂŒssen dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am am Hauptbahnhof in MĂŒnchen starten Sie ihren Flug zehn Minuten schauen Sie sich mal die großen FlughĂ€fen an wenn Sie in Heathrow in London oder sonstwo meine s Charles de Gaulle Ă€h in Frankreich oder in Ă€h in in Ă€h in Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen wenn Sie Frankfurt sich ansehen dann werden Sie feststellen dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um ihr Gate zu finden wenn Sie vom Flug vom vom Hauptbahnhof starten Sie steigen in den Hauptbahnhof ein Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in an den Flughafen Franz-Josef Strauß dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in MĂŒnchen das bedeutet natĂŒrlich dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen nĂ€her an Bayern an die bayerischen StĂ€dte heranwĂ€chst weil das ja klar ist weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen.“



GĂŒnther Oettinger's Rede
in Englisch

Ein weiterer sprachbegabter Politiker ist GĂŒnther Oettinger („CDU“), der im Dezember 2009 in Berlin anlĂ€sslich einer Konferenz der New Yorker Columbia University mit seinen sehr speziellen Englisch-Kenntnissen brillierte. Bei „YouTube“ gibt's das Video zu diesem genialen Vortrag in elaboriertem AngelsĂ€chsisch.

Was soll man
dazu sagen!?
Your English
is under all sod,
GĂŒnther!



 


UrwĂŒchsiges Deutsch

Ein paar Beispiele hervorragender Konjugationen, Deklinationen und sonstiger Sprach-Akrobatik aus den Hochburgen der Rhetorik, vornehmlich den Plattenbauten im Osten der Republik:

  • „Änriko, du solls nisch imma Schlampe nach die Omma rufen!“
  • „Änriko, isch hab Juck anne RĂŒcken, mach ma kratz!“
  • „Dastin, hör dem KĂ€wwin auf am Ă€rgern!“
  • „Dastin, nimm die Kopf aus die JuniortĂŒte von det Marzel!“
  • „Dat Daffne is schwanga un der, wo di dat gemacht hat, is wech!“
  • „Dschastin, du solls der Schanina nich imma mit die SchĂŒppe auf n Kopp kloppn!“
  • „Dschörimie, komm wech da bei die Assis!“
  • „Jassemin, tu mal der Mudda sagn, der Vadda will n Bier, wo im Kella is!“
  • „KĂ€wwin, mach dat MĂ€h mal ei!“
  • „Leandro, tu dat AaAa liegn lassn, dat is bĂ€h!“
  • „Patzkal, komm beim Haus, et fĂ€ngt am reschnen an!“
  • „Rohdriges, kommste jezz bei mich bei oda haste Kaka an die Ohrn?“
  • „Schakkeline, geh mal bei die Omma, die Mamma muss ma mit die Kiera kakka!“
  • „Schakkeline, hömma auf mit dem Dschastin sein Gameboy zu spieln!“
  • „Schakkeline, komm ma bei mich bei. Die Omma tut dich noch n Eis!“
  • „Schakkeline, komm wech von die Regale, du Arsch!“
  • „Schakkeline, Schastin, Schantall, KĂ€wwin – tut die Omma ma winkn!“
  • „Schanaia, tu das Maul wech von dem Papa sein Korn!“
  • „Schanina, hol ma dat MĂ€ndi ausse Sonne, datt fareckt sons!“
  • „Schantall, komm ma bei die Tante, die geht mit dir bei Allkauf und tut dich da ein Eis!“
  • „Scherohm, tu das nicht in den Mund nehmen!“
  • „ZĂ€ndi, wenn jezz nich hörs un bei die Mamma komms, hat dein Föttchen Kirmes!“
  • „Zementa, tu dir mal dat Schlawannzuch anziehn!“


LAUTSPRECHER-ANSAGE IM KAUFHAUS

„Der kleine
‚Verpiss dich, du blöde Schlampe, fass mich nicht an‘
möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.“




Wie man beim Formulieren
unschlagbar wird ...

Klarer Fall von „synchroner FĂŒhrungsprogrammierung“

(Text: N. N. / Abb.: N. N.)

Jahrelang hat sich Dr. Wilhelm Schnösel, Beamter in einer EU-Kommission, durch das sprachwissenschaftliche Dickicht geschlagen, bis er auf eine bombensichere Methode stieß, seinen Frust formuliermĂ€ĂŸig in Befriedigung umzuwandeln.

Das von ihm entwickelte „automatische Schnellformuliersystem“ stĂŒtzt sich auf eine Liste von lediglich 30 sorgfĂ€ltig ausgesuchten SchlĂŒsselwörtern:


Adjektiv

Subjektiv-Anfang

Subjektiv-Ende

1

konzertierte

FĂŒhrungs-

-struktur

2

integrierte

Organisations-

-flexibilitÀt

3

permanente

Identifikations-

-ebene

4

systematisierte

Drittgenerations-

-tendenz

5

progressive

Koalitions-

-programmierung

6

funktionelle

Fluktuations-

-konzeption

7

orientierte

Übergangs-

-phase

8

synchrone

Wachstums-

-potenz

9

qualifizierte

Aktions-

-problematik

10

ambivalente

Interpretations-

-kontingenz

Die Handhabung ist einfach: Denken Sie sich eine beliebige dreistellige Zahl und suchen Sie die entsprechenden Wörter in jeder Spalte auf. Die Nummer 368 zum Beispiel ergibt „permanente Fluktuationspotenz“, ein Ausdruck, der praktisch jedem Bericht eine entschiedene, von Fachwissen geprĂ€gte AutoritĂ€t verleiht.

„Keiner wird im Entferntesten wissen, wovon Sie reden“, sagt Dr. Schnösel, „aber entscheidend ist, dass niemand wagen wird, es zuzugeben.“


DIALOG

„Hier ist mein Zeugnis, Mutti ...“
„Watt, datt geht ja gar nich: In Deutsch ne FĂŒnf!?
Datt kann doch nich den Lehrer sein Ernst sein!
Ich hab doch imma mit dich geĂŒbt!“



Brandschutz-Ordnung – tĂŒrkische Fassung

(Grafiken: N. N.)

                               


Was du machen, wenn viel heiß da ...

  1. Du nix kucken und laufen in Kreis.
  2. Du tragen Aisha aus heiße Baracke raus.
  3. Du musst rufen nach Mann in schnelle rote Auto – aba nix Michael Schumacha!
  4. Wenn du kannst, musstumit Wassa selba lösche.
  5. Wenn nix geht, musstu schnella laufe.
  6. Du musst Mann in schnelle rote Auto sagen, wo heiß is da.


Telefon, wo Hilfe kommt gleich

  • Mann in rote Auto: 112
  • Mann in grĂŒne Auto: 110
  • Mann in weiße Jacke: 112



Gutes Deutsch –
sponsored by „Penny“

Variationen

  • Gutes Deutsch:
    erst einmal
  • Gutes Deutsch (Kurzform):
    erst mal
  • „Penny“-Deutsch (vom „Duden“ primĂ€r nicht unterstĂŒtzt!):
    erstmal
  • Proll-Deutsch (es geht also doch noch schlimmer):
    ersma



Endgeiler Tag!

Erlebnisbericht eines sackhosengewandeten
PickelausdrĂŒckers*

(Text: N. N.)

„Ey, Alder, gestern bin ich mit meinem Homie durch die Stadt gecruised, anschließend haben wir bei Magges abgechillt und Barbies abgecheckt. Da kam doch auf einmal so 'ne mĂ€nnliche Gruselute auf mich zu und wollte mich zutexten. Aber ich sag dich, der war dumm wie zehn Meter Feldweg. Da sagt der Flachzange zu mir: Ey, aber net mit mich. Da sag ich: Pass mal auf, du Zehenzwischenraumabtrockner, hast wohl zu lange unterm Asitoaster gelegen. Wenn du jemanden anprollen willst, dann geh zu deiner Mantalette nach Hause und zick die an ... Das fand der Fruchtzwerg dann nicht so toll und wollte mir am liebsten eine zentrieren. Ich bot ihm ne Ziese und 'n Kolben an, und alles war wieder krass konkret. Abends sind wir dann zusammen in den Zappelbunker zum Embryoklatschen gegangen. Die Aufrisszone war nich so pralle, und zum Pogen war die Mucke zu moppelkotzig. Also sind wir noch inne Dönerbude und haben 'nen Asiteller gegessen. Zu Hause haben mir die Kompostis noch 'n Kotelett an die Backe gelabert. Alles in allem war es ein endgeiler Tag ...“

* Wer nur „Bahnhof“ versteht, sollte einen Blick in den Wortschatz des kleinen „Jugendsprache-Lexikons“ werfen. Hier finden Sie auch weitere Beispiele.

Sollten Sie Begriffe kennen, die dort noch nicht aufgefĂŒhrt sind, teilen Sie mir dies gerne unter Stichwort „Jugendsprache“ im Kontaktformular mit.

(Abb.: N. N.)



Bessere Kommunikation
durch optimierte Rhetorik

(Text: N. N.)

Vorher: „Ist mir scheißegal!“
Nacher: „Ich sehe keinen Grund zur besorgnis.“

Vorher: „Was hab' ich mit dem Scheiß zu tun?“
Nachher: „Ich war von Anfang an nicht in dieses projekt involviert.“

Vorher: „Das mach' ich sicher nicht, du Blödmann!“
Nachher: “Es gibt technische GrĂŒnde, die mir die Erledigung dieser Aufgabe unmöglich macht.“

Vorher: „Verdammte Scheiße! Diese Vollidioten haben mir nichts gesagt!“
Nachher: „Wir mĂŒssen unsere intere Kommunikation verbessern.“

Vorher: „Dieser Trottel versteht ĂŒberhaupt nix!“
Nachher: „Er ist mit dem Problem nicht vertraut.“

Vorher: „Ist mir doch Wurscht, du Depp!“
Nachher: „Bedauerlicherweise kann ich Ihnen in diesem Punkt nicht weiterhelfen.“

Vorher: „So ein Scheiß!“
Nachher: „Ich liebe Herausforderungen.“

Vorher: „Dieser Trottel baut einen Blödsinn nach dem anderen!“
Nachher: „Möglicherweise haben wir noch nicht die richtige Position fĂŒr ihn gefunden.“

Vorher: „Wir sind im Arsch!“
Nachher: „Die ProduktivitĂ€ts-Indizes unsere Unternehmens zeigen einen sensiblen RĂŒckgang.“

Vorher: „Ich hab' von Anfang an gewusst, dass das alles Blödsinn ist!“
Nachher: „Verzeihung, ich hĂ€tte sie warnen können, wenn man mich gefragt hĂ€tte.“