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Sprachliches:
Muttersprache

Übersicht

  • Mit Essen spielt man nicht!
    HÀtte ich mal auf meine Oma gehört ...
  • Von Floskeln, Smombies und merkwĂŒrdigen Einladungen
    Timo Beil ĂŒber nichssagende Kommunikation
  • Floskeln
    Dialog
  • Smalltalk – very small Talk
    Timo Beil ĂŒber schwatzhafte Leute
  • Hinters Licht gefĂŒhrt?
    Timo Beil ĂŒber ein leuchtendes Beispiel deutscher Namensgebung und andere MerkwĂŒrdigkeiten
  • Fisimatenten
  • Political Correctness
    Neusprache-Muffel Timo Beil ĂŒber einen zuweilen heuchlerischen Kampfbegriff
  • MerkwĂŒrdige Wörter
  • Abtentern
    Timo Beil ĂŒber popelige AbzĂ€hlreime
  • Weckkucken
    Timo Beil ĂŒber MerkwĂŒrdigkeiten der deutschen Sprache
  • „Nicht in den Kasten knicken!“
    Satz an einem Briefkasten
  • Anstrengend!
    Die fĂŒnf am schwierigsten auszusprechenden Wörter im Deutschen
  • Autsch!
    Wenn Legastheniker Umfragen posten ...
  • „Zusammener“
    Ein Superlativ an Blödheit!
  • „Planschen“ oder „plantschen“
    Wie wĂŒrden Sie das Wort schreiben?
  • Dialoge
  • Analphabeten in der Bredouille?
  • Verwechslungsgefahr
    Hymonyme – Wörter unterschiedlicher Bedeutung
  • „COVID-19“-adĂ€quater HĂ€ndedruck
    Sprachliche Herausforderung

Mit Essen spielt man nicht!

HÀtte ich mal auf meine Oma gehört,
als sie den unten abgebildeten Spruch
von sich gegeben hat ...


(Fotos: © Frank R. Bulla)

Wie geplant, habe ich mir heute mal eine TĂŒte Buchstabensuppe besorgt. Was soll ich sagen!? Ich bin von Firma „Birkel“ sehr enttĂ€uscht! Zwar gab die Packung Tausende von Buchstaben her, viele davon waren allerdings nicht mehr zu gebrauchen, weil zerbrochen. Das, was ich da vorfand, erinnerte doch sehr stark an die Buchstabensuppe mit arabischer Schrift, die ich erst kĂŒrzlich mal bei besagtem Unternehmen anregt.

So suchte ich zum Beispiel eine ganze Zeitlang nach einem zweiten „M“, gab die Aktion dann allerdings irgendwann auf, weil es in intakter Form nicht auffindbar war – lediglich klĂ€gliche Reste dessen, was sehr wahrscheinlich mal ein „M“ gewesen ist, war zu erkennen. Letztlich musste ein umgedrehtes „W“ als Ersatz herhalten.

Und um die Aussage meiner Großmutter noch zu bekrĂ€ftigen, wĂ€re mir ein komplettes Ausrufezeichen sehr gelegen gekommen. Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich ein solches finden ließ!?

(Foto: N. N.)

Fazit: So kann ich nicht arbeiten! Und spielen auch nicht! 😠 Insofern wird demnĂ€chst der ganze marode Buchstabensalat in einer leckeren GemĂŒsebrĂŒhe enden. Das hat „Birkel“ jetzt davon!

HĂ€tte ich mal auf meine Großmutter gehört! Ihre Motivation, nicht mit Essen spielen zu dĂŒrfen, rĂŒhrte zwar ganz woanders her, erlebte sie doch beide Weltkriege und die damit verbundene Nahrungsmittel-Knappheit. Aber auch heutzutage, denke ich, sollte man Nahrung zu schĂ€tzen wissen, auch und gerade weil wir absolut nicht unter Nahrungsmangel leiden. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass selbst in der TV-Werbung mit Lebensmitteln gespielt wird: wenn beispielsweise gefĂŒllte „Toffifee“-Packungen fĂŒr FreizeitvergnĂŒgungen wie „Vier gewinnt“ oder „Schiffe versenken“ missbraucht werden ...



Von Floskeln, Smombies
und merkwĂŒrdigen Einladungen

Timo Beil ĂŒber nichtssagende Kommunikation

Der „Duden“ bezeichnet Floskeln als „nichtssagende Redensart; formelhafte, leere Redewendung“. Das ist vermutlich auch genau das, was mich an Floskeln so sehr stört: dass da Begriffe rausgehauen werden, die man von sich gibt, weil das alle tun, weil man das eben so macht, ohne es aber immer wirklich so zu meinen: „Frohes Fest“, „guten Rutsch“ und „komm gut rein“ oder „schönen Tag noch“ ...

Fast noch schlimmer finde ich die typisch englischsprachige Floskel „how are you“ oder „how do you do“, die bei jeder Gelegenheit zum Besten gegeben wird, wobei jedem klar ist, dass da niemand wirklich wissen will, wie es dem GegenĂŒber tatsĂ€chlich geht; diese Floskel wird noch auf die Spitze getrieben mit dem Begriff „howdy“, der kastrierten Form von „how do you do“. Genauso gut könnte man – wieder im Deutschen angekommen – ein „na!?“ von sich geben.

Mit am blödsten finde ich „Mahlzeit!“ – eine Floskel, die ich persönlich eigentlich eher mit dem Handwerk (Maurer, Dachdecker, Tischler etc.) in Verbindung bringe, die man aber seit Ewigkeiten auch in BĂŒros zu hören bekommt, vorzugsweise zur Mittagszeit. Aber egal, wo die Floskel verwendet wird: Es ist wohl eher nicht davon auszugehen, dass man mit einem hingeworfenen „Mahlzeit!“ den Kollegen ein besonders schmackhaftes Mittagessen wĂŒnscht.

Da lobe ich mir doch als Gruß zu jeder Gelegenheit das norddeutsche „moin“. Das ist irgendwie ehrlich, weil es lediglich die Wahrnehmung des GegenĂŒbers wĂŒrdigt, aber nicht den Eindruck von (oft situativ eh nicht vorhandenen) Emotionen vermittelt und schön unverbindlich ist. Zudem kann man es zu jeder Tages- und Nachtzeit verwenden, ohne darĂŒber nachdenken zu mĂŒssen, ob der Gruß zur jeweiligen Uhrzeit passt.

Klar: Floskeln helfen uns im Alltag wohl auch, Unsicherheiten im Umgang mit anderen zu ĂŒberbrĂŒcken: Es ist sicherlich ein merkwĂŒrdiges GefĂŒhl, einem Mitmenschen zu begegnen (dem man womöglich – versehentlich – auch noch ins Gesicht schaut), ohne irgendetwas von sich zu geben. Das ist vermutlich auch mit der Grund, warum wir bei der Begegnung mit uns eher unbekannten Menschen auf der Straße dazu neigen, geflissentlich und vor allem geradezu geschĂ€ftig in eine andere Richtung zu schauen. Heutzutage jedoch stellt sich angesichts der zunehmenden Zahl von Smombies dieses Problem immer weniger: Man schaut einfach noch intensiver auf sein Handy – wobei in den meisten FĂ€llen wohl eh davon auszugehen ist, dass der Smartphone-Benutzer auf dem Gehweg ĂŒberhaupt nicht mitbekommt, dass da jemand an ihm vorĂŒbergeht.

„Herzlich willkommen!“ – so oder Ă€hnlich lautet eine andere Art von Floskeln, wie man sie hĂ€ufig auf bedruckten Fußmatten findet, auf Schildern, die an HaustĂŒren oder im Eingangsbereich von GrundstĂŒcken prangen. Und da so etwas nicht jeder in seinem Eingangsbereich hat, erwartet man eigentlich eine besondere Freundlcihkeit oder Gastlichkeit, oder!?

Mit dieser Floskeln ist es so eine Sache ... Wenn ich in ein Hotel einchecke, wird man durchaus auch mal mit einem „Herzlich willkommen!“ begrĂŒĂŸt. Ein Arzt von mir, der nur privat zahlende Patienten untersucht, gibt diese Floskel auch regelmĂ€ĂŸig zum Besten, wĂ€hrend er mir einen warmen HĂ€ndedruck verpasst. Wie kommt es nur, dass ich bei solchen Leuten hĂ€ufig das GefĂŒhl habe, dass man mir Honig ums Maul schkiert, wĂ€hrend man mit der anderen Hand mein Portemonnaie leert?

Aber wieder zurĂŒck zu Fußmatten & Co.: Man stelle sich mal vor, man wĂŒrde tatsĂ€chlich mal an der HaustĂŒr klingeln und sich auf die Einladung beziehen ... Ob man wirklich so willkommen ist, dass einem Kaffee und Kuchen gereicht wird, man zum SektfrĂŒhstĂŒck geladen wird oder einen Willkommens-Drink oder -Imbiss erhĂ€lt? Oder handelt es sich doch nur um eine Floskel, die mehr verspricht als sie zu halten vermag?

Aus meiner Erfahrung hier auf dem Dorf jedenfalls bin ich schon des öfteren auf solche gedruckten Floskeln gestoßen, wissend, dass ich einige der dahintersteckenden Personen schon vermehrt eher unfreundlich erlebt habe. Da wĂŒrde ich ganz sicher nicht klingeln! Bei manch anderen könnte ich mir das schon eher vorstellen, brĂ€uchte dann aber wohl doch eine ganze Menge Mut, um mal auszutesten, was hinter der Floskel tatsĂ€chlich steckt.


FLOSKELN

„Alles gut bei dir?“
„Nein.“
„Kannst du nicht einfach lĂŒgen wie jeder andere auch!?“



Smalltalk – very small Talk

Timo Beil ĂŒber schwatzhafte Leute

(Foto: N. N.)

Gehe ich hier auf dem Dorfe einkaufen, stoße ich (zumindest bei passablem Wetter) vorm Supermarkt immer wieder auf beliebige zwei Menschen (meistens Frauen), die gerade Smalltalk halten (was sich absolut bestĂ€tigt, wenn ich im Vorbeigehen die Dialoge mitbekomme, die nicht selten auch absolut geschwĂ€tzige Monologe ist).

„Vorbeigehen“ ist gut gesagt! Nicht selten stehen die Ladys völlig gedankenlos im Weg herum, oft in dem relativ engen Bereich, wo man zu den Einkaufswagen gelangen möchte, sodass man sie vorsichtig umgehen oder umfahren muss – schließlich will man die Konversation nicht unnötig durch ein „Entschuldigung, darf ich hier mal durch!?“ unterbrechen. Geistesgegenwart? Fehlanzeige! Es macht auch keine von beiden Anstalten, aus dem Weg zu gehen. Manchmal habe ich mich angesichts des in Hinblick auf meine Person völlig unbeteiligten Verhaltens dieser Frauen schon gefragt: Existiere ich ĂŒberhaupt oder trĂ€ume ich diese Situation? FĂŒr meine Begriffe nimmt doch ein normaler Mensch wahr – notfalls in den Grenzbereichen des Augenwinkels –, wenn er jemandem im Weg steht. Aber es könnte natĂŒrlich sein, dass ich diesbezĂŒglich anders ticke oder erzogen bin als andere Menschen.

Bin ich mit dem Einkauf fertig. stehen sie noch immer da und sind noch immer mit ein und demselben ‚Thema‘ beschĂ€ftigt. Einziger Unterschied: Die Person, die ganz offensichtlich das GesprĂ€ch dominiert, ist schon etwas zappelig – und versucht schließlich, nachdem sie wohl den neuesten Klatsch und Tratsch losgeworden ist, das GesprĂ€ch zu Ende zu bringen mit den Worten „Ich will Sie nicht lĂ€nger aufhalten ...“ Man könnte den Satz glatt fĂŒr Empathie halten.



Hinters Licht gefĂŒhrt?

Timo Beil ĂŒber ein leuchtendes Beispiel
deutscher Namensgebung und andere MerkwĂŒrdigkeiten

(Grafik: © Frank R. Bulla)

Nach neuesten Erkenntnissen sieht es so aus, als wĂ€re nicht „MĂŒller“ jener Name, der in Deutschland am hĂ€ufigsten vorkommt, sondern „Licht“. Immerhin findet sich der Name weitaus öfter auf Klingelleisten als alle anderen typisch deutschen Familiennamen. Aber die allermeisten Leute namens „Licht“ scheinen sich illegal in Deutschland aufzuhalten, weil nur die allerwenigsten von ihnen in EinwohnermeldeĂ€mtern gefĂŒhrt werden.

Wesentlicher Unterschied zu Namen wie „MĂŒller“ scheint auf jeden Fall zu sein, dass auf den betreffenden Klingelschildern nie ein Vorname zu stehen kommt – weder in ausgeschriebener Form noch als Initialbuchstabe (z. B. „T. Licht“ oder „U. V. Licht“). Da stellt sich schon die Frage, ob die NamenstrĂ€ger nicht bereit sind, sich aus der Masse ihrer Namensvettern hervorzutun oder ob sie weitestgehend anonym bleiben wollen. Um in dieser Frage nicht lĂ€nger im Dunkeln zu tappen, soll es zuweilen hilfreich sein, einfach mal bei Familie „Licht“ zu klingeln, zumal in der DĂ€mmerung ...

Immer wieder bemerkenswert: fehlende Namen an Klingel- und Briefkastenschildern. Da frage ich mich manchmal: Wovor sind die Leute eigentlich auf der Flucht? Vor der Steuerfahndung, dem Finanzamt, den Schutzgeld-Erpressern der Mafia oder der „Moskau-Connection“, die sich vorzugsweise um das Eintreiben von Schulden bei Kredithaien kĂŒmmert? Da nĂ€hrt sich natĂŒrlich auch der Verdacht illegalen Aufenthalts. Oder wollen diese Leute einfach nicht mitgezĂ€hlt werden, wenn mal wieder eine VolkszĂ€hlung angesagt sein sollte? Wohnen da womöglich Prominente, die keinen Bock mehr darauf haben, stĂ€ndig Autogramme geben zu mĂŒssen? Man weiß es nicht ...

Übrigens ...

Kennen Sie eigentlich die zwölf am hĂ€ufigsten vorkommenden Familiennamen in Deutschland? Diese leiten sich ausschließlich von zum Teil frĂŒheren Berufsbezeichnungen ab:

1. MĂŒller

4. Fischer

7. Wagner

10. Hoffmann

2. Schmidt

5. Weber

8. Becker

11. SchÀfer

3. Schneider

6. Meyer

9. Schulz

12. Koch

Und welche Vor- und Nachnamen fĂŒr Frauen und MĂ€nner kommen hierzulande am hĂ€ufigsten vor? NatĂŒrlich „Sabine MĂŒller“ und „Thomas MĂŒller“; „Thomas MĂŒller“ kommt allein rund 50.000-mal in Deutschland vor. Und am Ende gibt es sogar noch einen Film mit dem Titel „Wer ist Thomas MĂŒller?“, eine Dokumentation von 2014, bei der es augenzwinkenderweise um den Durchschnittsdeutschen geht. Um „Sabine MĂŒller“ und „Thomas MĂŒller“ dreht es sich auch im Kinofilm „König von Deutschland“, einer Gesellschaftssatire von 2013 mit Olli Dittrich und Veronika Ferres in den Hauptrollen, in dem es natĂŒrlich auch um den durchschnittlichen Deutschen geht, der „Otto Normalverbraucher“ schon lĂ€ngst den Rang abgelaufen hat.



Fisimatenten

Manche Begriffe hört man heutzutage immer seltener. Schade eigentlich, gibt es doch nichts Schöneres als eine wortreiche und lebendige Sprache!

Wann ich beispielsweise das Wort „Fisimatenten“ zuletzt bewusst gehört habe, vermag ich nicht zu sagen. Ich erinnere mich aber, dass ich es als Kind beim Essen aus dem Mund der Eltern und in der Schule aus dem Mund der Lehrer des öfteren zu hören bekam.

Dass ich es bewusst schon lĂ€nger nicht mehr gehört habe, mag natĂŒrlich daran liegen, dass ich frĂŒher deutlich mehr Flausen im Kopf hatte als heute. Es könnte aber auch an der allmĂ€hlichen Verarmung der Sprache liegen. Viele Begriffe der deutschen Umgangssprache verschwinden zusehends in der Versenkung, wĂ€hrend Anglizismen vermehrt in den Vordergrund rĂŒcken – und das so sehr, dass man zuweilen kaum glauben mag, dass es mal eine Zeit gegeben hat, in der diese Begriffe ausdrĂŒcklich nicht Bestandteil unserer Sprache gewesen sind ...

Wer wissen will, was genau „Fisimatenten“ sind, möge sich bei „Wikipedia“ schlaulesen.



Political Correctness

Neusprache-Muffel Timo Beil
ĂŒber einen zuweilen heuchlerischen Kampfbegriff

Ja, das waren noch Zeiten, als „SchokokĂŒsse“ noch „Mohrenköpfe“ oder „NegerkĂŒsse“ heißen durften, ohne dass man Gefahr lief, schief angesehen zu werden. Und SĂ€tze noch nicht dadurch verschlimmbessert wurden, dass bei Nennung von Berufen erst mal umstĂ€ndlich zwischen MĂ€nnlein und Weiblein differenziert werden musste, damit auch die „Vertreterinnen und Vertreter“ des Feminismus zufriedengestellt waren. Noch unsĂ€glicher als diese umstĂ€ndliche Schreibweise jedoch ist die orthografische Entgleisung mit ihrer die MĂ€nner eher diskriminierenden Form „VertreterInnen“. Aus dem lobenswert zu nennenden BedĂŒrfnis, sexistische Überreste zu eliminieren, ist in diesem Falle am Ende nur ein neuer netter Sexismus entstanden.

In dem insbesondere im 20. Jahrhundert entbrannten Kampf gegen geschlechtsspezifische, soziale, rassistische Ungleichheit hat unsere Sprache vor allem in den 90er Jahren gelitten, weil an Emotionen verloren – und ist in der Öffentlichkeit zu einer Waffe pseudo-toleranter Sachlichkeit geworden. Ist da nicht mehr die Rede vom „Gastarbeiter“, sondern vom „BerufstĂ€tigen mit Migrationshintergrund“; die „Putzfrau“ ist zum herrlichen Begriff „Reinigungskraft“ aufgestiegen (was obendrein und ‚politisch korrekt‘ sowohl ein MĂ€nnlein wie ein Weiblein impliziert – „Putzmann“ hört sich ja doch etwas dĂ€mlich an); in Bewerbungen bezeichnet man sich nicht mehr als das, was man eigentlich ist – nĂ€mlich „arbeitslos“ –, sondern stellt sich als „Arbeit suchend“ vor (wie wahr: wĂŒrde man sich ja sonst wohl kaum bewerben, nicht wahr!?); die „MĂŒllabfuhr“ avanciert zur „Abfallentsorgung“ und „Preiserhöhungen“ zur deutlich harmloseren „Preisanpassung“, wĂ€hrend sich der „Konkurrent“ als ebenso harmloser „Mitbewerber“ herausstellt.

Klar hat diese Korrektur der Sprache auch noch eine völlig andere Seite: Manchmal geht es nicht nur um Meinungsmache, sondern um rassistische oder faschistoide Tendenzen, die ganz klar ausgegrenzt werden mĂŒssen: nimmt man beispielsweise den Begriff „Zigeuner“, der lĂ€ngst in „Roma und Sinti“ umgewandelt worden ist – sicherlich auch als Folge dessen, was vor Jahrzehnten in faschistischen Lagern abgegangen ist. Und auch „Zigeunersoße“ und „Zigeunerschnitzel“ sollen schon lĂ€ngst nicht mehr so heißen. Ein bekannter Soßenhersteller beschriftete seine TĂŒten bereits mit „Paprikasauce ungarischer Art“, worunter sich in der Tat jeder etwas Konkreteres vorstellen kann als unter „Sinti- und Roma-Soße“. Übrigens begrĂŒĂŸte der „Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma“ die Entscheidung von „Knorr“. Auch zur Umbenennung von „Zigeunerschnitzel“ gibt es natĂŒrlich Alternativen, unter denen man sich allerdings genauso wenig vorstellen kann, außer man probiert das entsprechende FleischstĂŒck: zum Beispiel „Puszta-Schnitzel“. Die JĂ€ger-Innung indes ist noch nicht auf die Barrikaden gegangen angesichts des Begriffs „JĂ€gerschnitzel“, obgleich Begriffe wie „Schweineschnitzel“ eindeutiger wĂ€ren und nicht den Verdacht aufkommen ließen, dass hier grĂŒn gewandete Waidgenossinnen und -genossen verzehrt werden.

Den ehemaligen „Neger“ als „Schwarzen“ zu bezeichnen, hat ja – betrachtet man das mal aus politischer Sicht – auch etwas Unfeines, ja, geradezu Paradoxes. Da macht sich der Begriff „Farbiger“ deutlich besser – zumindest insofern, als er alle Nicht-„Bleichgesichter“ der Welt meint. Und was jenen Rassismus angeht, der sich gegen dunkelhĂ€utige Menschen richtet: Der wirkt umso lĂ€cherlicher, wenn man bedenkt, dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt, wo es zuerst jenen Urzeitmenschen hervorbrachte, der nicht gerade durch HellhĂ€utigkeit glĂ€nzte.

Vor lauter Schönrederei und tolerantem Habitus verliert die Sprache immer mehr die FĂ€higkeit, die Dinge beim Namen zu nennen – wohl aus Angst des Einzelnen, als ‚politically incorrect‘ zu gelten. Die Folge: Unser Wortschatz verarmt, und wir verlernen zusehends die kritische Betrachtungsweise und auch die Courage, den Mund aufzumachen oder zu handeln. Um mal wieder VisionĂ€r George Orwell zu zitieren, der offenbar auch diese Entwicklung in seinem Roman „1984“ voraussah, wo es auch um die Entwicklung der sogenannten „Neusprache“ geht. Aus einem Dialog: „Wussten Sie, dass diese Neusprache die einzige Sprache in der Welt ist, deren Vokabular jedes Jahr kleiner wird?“ Logisch, wenn immer mehr bedeutungsschwangere Wörter durch sachlich neutrale Adjektive ersetzt werden!

Ist es doch gerade das emotional GefĂ€rbte, das Sprache lebendig macht und auch Meinungsvielfalt hervorbringt. Klar ist es erstrebenswert, Diskriminierung, Intoleranz und Ungleichheit zu vermeiden ... Aber wenn jemand einen Zeitgenossen (oder – ‚politically correct‘ – „einen Zeitgenossen oder eine Zeitgenossin“) beispielsweise als „Vollidioten“ bezeichnet, erkennt der geneigte Zuhörer aufgrund der emotionalen Besetztheit des Begriffes, was uns der Sprecher damit sagen will; da wĂ€re es des besseren VerstĂ€ndnisses wegen wenig hilfreich – wenngleich nach Orwell’scher Neusprache-Manier ‚politisch korrekt‘ –, von einem „doppelplus-unguten Menschen“ zu reden; die ursprĂŒnglich zugedachte Eigenschaft wird dadurch nur relativiert und lĂ€sst Freiraum fĂŒr reichlich (möglicherweise völlig unzutreffende) Interpretationen, ĂŒber die man sich als gemeiner BĂŒrger – wenn man diese Form sachlicher Beurteilung erst mal verinnerlicht hat – irgendwann nicht mal mehr den Kopf zerbricht.

Wir sollten gewiss niemanden mit unseren Worten beleidigen, aber wir sollten wieder mehr Mut haben, die Dinge ohne SchönfĂ€rberei beim Namen zu nennen, ohne sie einer Korrektur zuzufĂŒhren. Werden wir heutzutage nicht nur mehr regelmĂ€ĂŸig mit Worten manipuliert – leben wir doch auch in einer Welt, wo das Äußere stetig auf kĂŒnstliche Weise einem wie auch immer gearteten Ideal angepasst wird (Schönheits-OPs), Fassade eine wichtige Rolle spielt (Schlips als vermeintlicher Garant fĂŒr SeriositĂ€t) und zusehends so manches aus dem Ruder lĂ€uft, weil wir es mit zunehmender GleichgĂŒltigkeit, RĂŒcksichtslosigkeit, Selbstgerechtigkeit, AggressivitĂ€t, Respektlosigkeit, Geldgier ... zu tun bekommen:

Ob da nun Ärzte sind, denen der Hippokratische Eid immer mehr am Allerwertesten vorbeizugehen scheint als der schnöde Mammon, was zuweilen in Situationen gipfelt, die sich nur noch als absurd bezeichnen lassen; oder Radfahrer, die inzwischen wie selbstverstĂ€ndlich BĂŒrgersteige vereinnahmen; oder profilneurotische, minderbemittelte Autofahrer, die sich offenbar nur noch aus der AnonymitĂ€t des PS-starken BlechgehĂ€uses heraus behaupten können; oder Menschen, die nicht mal mehr OrdnungshĂŒter fĂŒr voll nehmen (allerbestenfalls nur noch die bewaffneten); oder sich ĂŒber Vorschriften jeglicher Art hinwegsetzen; oder korrupte Entscheider in Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen, die den Hals nicht voll bekommen können; oder auch HilfsbedĂŒrftige auf offener Straße, denen niemand zur Hilfe eilt, weil sich jeder selbst der NĂ€chste ist und sich denkt: „Warum ausgerechnet ich!? Sollen doch die anderen helfen!“

Die Abbildung zeigt ĂŒbrigens eine BĂŒste des Hippokrates (* 460 v. Chr.; † 370 v. Chr.), dem wohl berĂŒhmtesten Arzt der Antike.

(Abb.: N. N.)

MerkwĂŒrdige Wörter

In unserer deutschen Sprache gibt es schon Ă€ußerst merkwĂŒrdige Begriffe, was einem besonders dann klar wird, wenn man eine Silbentrennung herbeifĂŒhrt ...

  • Altbauch-Arme
  • App-Laus
  • Arbeit-Samt
  • Bein-Halten
  • Disco-Unterpreise
  • Du-Schlampe
  • Ei-Stempel
  • Elefant-Endung
  • Elektro-Dengel
  • Gen-Italien
  • GrĂŒn-Dung
  • Hau-Stier
  • MĂŒller-Zeugung
  • Pan-Schweine
  • Rind-Erdung
  • Schwein-Elende
  • Spiel-Ende
  • Staub-Ecken
  • Streik-Ende
  • Teiler-Folge
  • Torf-Laute
  • Urin-Sekten
  • Urin-Stinkt
  • Vers-Endung
  • Wachs-Tube
  • Wasserschi-Eber
  • Zuck-Erguss

Aber es geht noch seltsamer: Wörter, deren Bedeutung man ĂŒberhauopt nicht so recht erfasst:

  • Bark-Asse
  • Blumento-Pferde
  • Brathe-Ring
  • Elektrod-Engel
  • Er-Blasser
  • Er-Brecht
  • Garmet-Hoden
  • Klimakata-Strophe
  • Metti-Gel
  • Radiosen-Dung
  • Spie-Lende
  • Spontana-Version
  • Zwergel-Stern

Zuweilen passiert es auch, dass man – auch völlig ohne Silbentrennung – ein wenig ins Schleudern kommt, z. B. bei dem Wort „Brathering“, vor allem, wenn man zuvor einen Text mit vielen Anglizismen gelesen hat: Dann kann es passieren, dass man das Wort englisch ausspricht. Was die Bedeutung des Wortes betrifft, so gibt sich auch Herr Gugel einigermaßen ahnungslos und ĂŒbersetzt das vermeintlich englische Wort ohne VerĂ€nderung ins Deutsche. Die Ahnungslosigkeit wird noch dadurch unterstrichen, dass er das Wort auch unabhĂ€ngig von Groß- oder Kleinschreibung eins zu eins wiedergibt – im Gegensatz beispielsweise zum Wort „Hering“.

Leider – und das habe ich schon oft bedauert – kann man Herrn Gugel nicht mal eben anrufen und fragen, was er sich bei diesem oder jenem gedacht hat.



Abtentern

Timo Beil ĂŒber popelige AbzĂ€hlreime

An einem Morgen im Sommer des Jahres 2010 ging mir merkwĂŒrdigerweise ein Wort durch den Kopf, das ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört, geschweige denn benutzt habe: „abtentern“ ... Sagt Ihnen das noch was? Die Online-Version des „Duden“ und auch „Wikipedia“ konnten mit dem Wort jedenfalls nichts anfangen.

Ich kam wohl darauf, als ich las (wie peinlich!), dass man sich von deutscher Seite ĂŒber die EM-Halbfinal-Entscheidungen des italienischen Schiedsrichtung in der Begegnung Deutschland gegen Frankreich muckierte und mutmaßte, er sei nicht ganz unvoreingenommen, weil Deutschland Italien vorzeitig rausgekickt hatte. Ja, nee, is klar: Schuld sind immer die anderen. Was fĂŒr eine arrogante Sichtweise!

Da sollte man kĂŒnftig besser die Entscheidung, wer weiterkommt, mit Abtentern fĂ€llen, vor allem mit einem AbzĂ€hlreim, der kaum besser zur deutschen Mannschaft bzw. dessen Trainer (siehe „YouTube“-Video, in dem zu sehen ist, wie Jogi Löw seine Popel frisst) passen könnte als dieser hier:

  • „Ene-mene-mopel, wer frisst Popel?
    SĂŒĂŸ und saftig, eine Mark und achtzig,
    eine Mark und zehn und du kannst geh'n!
    Geh'n kannst du noch lange nicht:
    Sag mir erst, wie alt du bist ...“

Es ging aber noch kĂŒrzer, wenn man lediglich jemanden (r)auswĂ€hlen wollte:

  • „Enter, tenter, tiromenter,
    enter, tenter, ab!“

Immerhin hat mir die Fußball-EM, die ich ebenso wenig mag wie die Fußball-WM oder andere AktivitĂ€ten rund ums lederne Rund, ein paar Kindheits-Erinnerungen beschert: FrĂŒher (beispielsweise in den 60er Jahren) spielte man noch sehr viele Spiele draußen an der frischen Luft – zusammen mit vielen anderen Kindern und ohne jedwedes SpielgerĂ€t. Da gab es Spiele, wie „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“, „Land gewinnen“ oder einfach nur „Kriegen spielen“. FĂŒr einige dieser Spiele war das Abtentern unabdingbar, um eine Person fĂŒr irgendetwas auszugucken, abzuwĂ€hlen oder eine Mannschaft mehr oder weniger per Zufall zusammenzustellen. All diese Spiele haben sicherlich erheblich mehr zur Sozialkompetenz und zu einer guten Sozialisation beigetragen als all das, womit sich viele Kids heutzutage beschĂ€ftigen, die schon von klein auf den Umgang mit Handys, Smartphones und Computern lernen.

Interessanter Link



Weckkucken

Timo Beil ĂŒber MerkwĂŒrdigkeiten der deutschen Sprache

(Foto / Grafik: © Frank R. Bulla)

AuslĂ€nder, die gezwungen sind, Deutsch zu lernen, sind schon zu bedauern. Sie mĂŒssen sich nicht nur durch eine inzwischen sehr widersprĂŒchliche Schriftsprache arbeiten, sondern haben es zudem noch mit Wörtern zu tun, die sich anders aussprechen als sie sich schreiben.

Nehmen wir doch einfach mal das Substantiv „Weg“. Bis hier ist alles noch ganz normal – es wird so ausgesprochen wie es sich schreibt und kommt in so schönen Bezeichnungen vor wie „Amselweg“.

Anders dagegen das Adverb „weg“, das ganz anders ausgesprochen wird als sein großer Bruder, nĂ€mlich „weck“. Da fragt man sich – auch angesichts der letzten Rechtschreibreform –, warum man die Schreibweise nicht einfach den gesprochenen Lauten angepasst hat, wie bei vielen anderen Wörtern auch, vor allem bei Anglizismen und diversen Fremdwörtern, die aus der französischen Sprache entliehen sind, wie zum Beispiel „Portmonee“!?

Oder was ist mit dem Verb „gucken“? Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich zuletzt jemanden gehört habe, der das Wort so ausgesprochen hat, wie es sich schreibt. Immer nur hört man „kucken“. Warum hat die Rechtschreibreform auch das unberĂŒcksichtigt gelassen? Lediglich die Macher bzw. Titel-Übersetzer des Films „Look who's talking“ haben dem BedĂŒrfnis, die Schrift- der Lautsprache anzupassen, Rechnung getragen: „Kuck mal, wer da spricht!“

Da steht nun ein AuslĂ€nder mit seinen ersten bescheidenen Sprachkenntnissen eines schönen Winters vor einem Straßenschild und liest laut: „Amselweck“. Und er denkt sich in seiner Muttersprache: „Wie schade! Ist die Amsel also in den SĂŒden geflogen, wo es schön warm ist ...“

Was soll's!? Man muss sich der RealitĂ€t stellen: Im hohen und besonders kĂŒhlen Norden ist die Amsel nun mal ein Zugvogel. Da hilft auch kein Weckkucken!



„Nicht in den Kasten knicken!“

Satz an einem Briefkasten

KĂŒrzlich ging ich an einem Briefkasten vorbei. Darauf war ein Zettel angebracht mit den Worten: „Nicht in den Kasten knicken!“ – wohl der etwas missratene Versuch, mit einem Minimum an Worten den Wunsch des Briefkastenbesitzers zum Ausdruck zu bringen. Es könnte sich natĂŒrlich auch um einen Schreibfehler gehandelt haben. Aber was hĂ€tte der Schreiber meinen können?

  • „Nicht in den Kasten klicken!“
  • „Nicht in den Kasten kicken!“
  • „Nicht in den Kasten kacken!“
  • „Nicht in den Kasten kucken!“

Wir wissen es nicht.

Nachtrag

Nachdem ich diesen Text geschrieben hatte, stolperte ich zufĂ€llig ĂŒber eine Notiz, die ich mir im Vorjahr mal anlĂ€sslich eines anderen Briefkastens gemacht hatte. Bei diesem war der Briefschlitz mit Klebeband unbenutzbar gemacht. Daran hing ein Zettel: „Post bitte klingeln oder in Zeitungsrolle.“



Anstrengend!

Die fĂŒnf am schwierigsten
auszusprechenden Wörter im Deutschen

  • DesoxyribonukleinsĂ€ure
  • LysergsĂ€urediĂ€thylamid
  • danke!
  • bitte!
  • Entschuldigung!



Autsch!

Wenn Legastheniker Umfragen posten ...

Von sehr viel Muße getrieben, hatte ich mich mal bei „Facebook“ dem Test „Welche Frisur passt zu dir?“ unterzogen – auch wenn's (oder gerade weil's) bei mir naturgemĂ€ĂŸ nicht mehr so wahnsinnig viel zu frisieren gibt.

Solche Tests werden ja gemeinhin von Leuten gemacht wie ... nein, nicht von Leuten wie dir und mir, weil wir ja doch orthographisch ein ganz klein bisschen anders drauf sind, oder!? Ach, lesen Sie selbst! Hier drei der Highlights aus dem Fragen-Katalog mit unverĂ€nderter Orthographie. Die Kommentare dahinter sind natĂŒrlich von mir.

Umfrage Teil 1

„Ob Bob mit schwarzen haar oder Lange logen mit blonden Haar?“

  • Hm..., also Bob kann ich ja gar nich leiden, deswegen nenn ich den nemlich imma Rooobert, ich steh da mehr auf Fraun, nech! Aber wen mann mich schon fragt: stadt Lange logen mag ich lieber Kurze ungelogen ...

Umfrage Teil 2

„Deine Lieblingprominenss..wenn du dich entscheiden mÜsstes?“

  • Oh ja, Lieblingprominenss find ich gut, besondass Perris Hiltn!

Wer die nicht kennen sollte ... Eines ihrer berĂŒhmten Zitate ist: „Ich kenne so viele Menschen, dass ich die Namen einiger meiner Freunde gar nicht weiß.“

Umfrage Teil 3

„Welche Haarfarbe hast du immoment? Also welches am meisten aussieht?“

  • Immoment find ich Perris Hiltn gut, welches am meisten aussieht, jawohl!



„Zusammener“

Ein Superlativ an Blödheit!

Wenn es jemand schafft, die Sprache vollends zu demontieren, dann sind das heutige Werbeagenturen, die sich im Ersinnen von Slogans ĂŒben. Sie kommen orthographisch wie auch grammatikalisch recihlich minderbemittelt rĂŒber tragen mĂ€chtig zur Verdummung und zur Verhunzung der Sprache bei. Womöglich halten sie das, was sie da verzapfen, womöglich noch fĂŒr Humor.

Schon seit Jahren erfreut man uns optisch mit Verpackungen, die gespickt sind mit sogenannten „Deppenleerzeichen“ (NĂ€heres dazu – neben dieser „Wikipedia“-Definition – auch in dem Beitrag „Schwere Sprache!?“!).

Über Wochen warb ein Schoko-Gedöns-Hersteller mit dem Möchtegern-Komparativ „zusammener“. Im Vorfeld der Weihnachtszeit fĂŒhrte das dann zu sprachlichen Entgleisungen wie „zusammener nikolausen“. Da laust einen wahrlich der „einzigste“ nur denkbare Affe, der einem aber in „keinster“ Weise ĂŒber den Weg laufen sollte. Manche Sprachdefizitler, die eh schon Probleme mit dem gesprochenen Wort haben (vom Schriftdeutsch hier mal ganz zu schweigen), steigern dann kĂŒnftig vermutlich wie folgt: „zusammen – zusammener – am zusammensten“ ... oder wie?

Mindestens genauso dĂ€mlich ist ein Werbe-Spot, der mit dem Musical-Darsteller und Ex-„Dschungelcamp“-Kandidaten Ross Anthony geradezu ideal besetzt ist (was wirklich nicht als Kompliment gemeint sein soll). Es geht um ein alkoholfreies Gesöff (das man vermutlich fĂ€lschlicherweise als Limonade bezeichnet). Der Slogan lautet: „Mit oder mit ohne Zucker“ ... WĂ€re es da nicht – bei allem versuchten und verunglĂŒckten Sprachwitz – deutlich konsequenter gewesen, man hĂ€tte von „Mit mit oder mit ohne Zucker“ gesprochen?

Bei Aussagen wie „FĂŒr das Beste im Mann“ (hier geht es um Rasierer), frage ich mich, ob die verantwortliche Werbeagentur noch alle Latten am Zaun bzw. alle Stoppeln am Bart hatte, als sie sich das aus den Fingern gesaugt hat!? Wenn ĂŒppig sprießende Haare das Beste im Mann sind, wĂŒrde das zumindest erklĂ€ren, warum viele MĂ€nner heutzutage noch so sind wie sie sind, was eher Assoziationen weckt wie Waldschrat oder Neandertaler.

Kurz vor einer politischen Wahl las ich auf einem Plakat mal folgende Werbeaussage: „Schulranzen regieren die Welt, nicht Aktenkoffer“. Man stelle sich das mal bildlich vor, wie so ein Schulranzen mit seinen imaginĂ€ren Ellbogen den Aktenkoffer in die Tonne tritt und die Weltherrschaft ĂŒbernimmt. Dabei haben wir doch durch tĂ€gliche Anschauung gelernt (wenn schon nicht in der Schule, dann doch vom Leben), dass Geld die Welt regiert – das sicherlich nicht selten auch in Form lobbyismusschwangerer Politiker, die vorzugsweise der Wirtschaft und weniger dem Willen des BĂŒrgers frönen. Aber letztlich geht es auch in der Politik nur um Geld respektive um Macht. Schwer zu glauben jedenfalls, dass man mit so einer dĂ€mlichen Werbeaussage ĂŒber die FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde kommt, schafft man es mit dem Schulranzen vermutlich nicht mal in die erste Klasse – und ein Sternchen im Klassenbuch gibt's dafĂŒr schon lange nicht!

Erst Ende der 2010er Jahre bekam der „FDP“-Slogan – sozusagen posthum – eine Spur von Sinn: Man könnte die Aussage auf die Generation von Greta Thunberg beziehen, wie sie dem Klimawandel den Kampf angesagt hat. Aber auch hier obsiegt letztlich wieder der Aktenkoffer: Die Politik lĂ€sst sich eben nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen – auch nicht von einer Enkelin Pippi Langstrumpfs.

Insofern wird die verhunzte Sprache, die massenhaft die Medien flutet, schnell zu einem ziemlich schlechten Vorbild.

Sprachpfleger Sebastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) hat sich auch mal des PhĂ€nomens „Brutalstmöglichst gesteigerter Superlativissimus“ angenommen und diesen bei „Spiegel online“ ausgeschlachtet.



„Planschen“ oder „plantschen“

Wie wĂŒrden Sie das Wort schreiben?

(Foto: © Frank R. Bulla)

Als ich neulich in der Tageszeitung das Wort „Plantschbecken“ las (man beachte das „t“ an fĂŒnfter Position!), dachte ich unweigerlich daran, dass – wohlaus GrĂŒnden der Kostenersparnis – in Zeitungsredaktionen seit geraumer Zeit offenbar immer weniger gut ausgebildete Redakteure ihren Dienst versehen (von Korrektoren ganz zu schweigen, die inzwischen völlig ausgestorben zu sein scheinen), dafĂŒr aber umso mehr VolontĂ€re oder Praktikanten ihr Unwesen treiben – Leute also, die bestenfalls eine AufwandsentschĂ€digung fĂŒr ihre Anwesenheit bekommen und zudem vornehmlich einer Generation angehören, die in der Schule die Muttersprache ganz offensichtlich nur noch sehr spĂ€rlich mit auf den Lebensweg bekommt – vermutlich durch sprachliche Studien auf Plattformen wie „Facebook“.

Inkonsequente Rechtschreibreformen oder auch manches Gelesene veranlasst einen immer mal wieder, den „Duden“ zu befragen – denn wenn einer Bescheid weiß, dann der „Duden“! Bei besagtem Wort empfiehlt der „Duden“ jedenfalls die Schreibweise ohne „t“, erlaubt aber offenbar auch die Variante mit „t“. Was fĂŒr ein Blödsinn! Ist es doch dank der letzten Rechtschreibreform nebst aller Korrekturen eh schon zu reichlich Verwirrung gekommen – warum dann, bitteschön, alternative Schreibweisen!? Diese benötigt man ebenso wenig wie die sogenannten „alternativen Fakten“!


DIALOGE

„Sie reden ja komisch ...“
„Ja, ich weiß. Das liegt an der korrekten Grammatik
und den ganzen SĂ€tzen. Das ĂŒberfordert viele Leute.“




Analphabeten in der Bredouille?

Analphabeten können bekanntlich weder schreiben noch lesen. WĂ€hrend des Schreibens MĂ€chtige gelegentlich sagen wĂŒrden: „Wir schreiben das Jahr 2020“ – was, bitteschön, sagen dann Analphabeten? Diese könnten ja nicht mal behaupten: „Wir lesen das Jahr 2020“! Retten sie sich aus der Bredouille durch den Satz: „Wir denken uns das Jahr 2020“ – also sozusagen „2020 im Sinn“? Oder sind sie aufgrund ihres Defizits womöglich zeitlos glĂŒcklich, weil sie nicht stĂ€ndig ĂŒber geschriebene Jahreszahlen stolpern?



Verwechslungsgefahr

Hymonyme – Wörter unterschiedlicher Bedeutung

Homonyme – das sind Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, was sich in einigen FĂ€llen auf die Mehrzahlbildung auswirkt, in anderen FĂ€llen auf das Geschlecht des Substantivs. Es gibt sie in vielen Sprachen, so auch im Deutschen, wo sie fĂŒr diejenigen, die unsere Sprache lernen wollen, ein paar Stolperfallen bereithalten, zumal sich die Bildung des Plurals und auch der Artikel oft erst aus dem Kontext ergeben. Nachfolgend ein paar Beispiele:

Unterscheidung durch die Mehrzahlbildung

Einzahl

Mehrzahl 1

Mehrzahl 2

die Bank

die BĂ€nke

die Banken

die Mutter

die MĂŒtter

die Muttern

das Wort

die Wörter

die Worte


Unterscheidung durch das Geschlecht

Variante 1

Variante 2


Variante 1

Variante 2

das Band

der Band


der Mangel

die Mangel

das Bauer

der Bauer


das Messer

der Messer

der Feige

die Feige


das Rasen

der Rasen

das Gehalt

der Gehalt


das Schild

der Schild

der Kiefer

die Kiefer


der See

die See

das Korn

der Korn


das Steuer

die Steuer

der Kunde

die Kunde


das Tor

der Tor

der Leiter

die Leiter


der Weise

die Weise



„COVID-19“-adĂ€quater HĂ€ndedruck

Sprachliche Herausforderung

Im Rahmen der Corona-Pandemie mussten bereits viele Menschen lernen, umzudenken – so unter anderem, was die Hygiene beim Husten und Niesen angeht, aber auch in puncto BegrĂŒĂŸungsrituale, wie die Verwendung des sogenannten „Wuhan-Kicks“ oder die BegrĂŒĂŸung per Ellbogen.

Man kennt ja bereits aus der Vergangenheit Situationen, wo man jemanden, dem man nĂ€hersteht, gern umarmt hĂ€tte, es aber gerade nicht tun konnte, weil man vielleicht gerade im Chat oder am Telefon miteinander kommunizierte oder aber, weil sich das GegenĂŒber gerade eine veritable Grippe mit entsprechender Symptomatik eingefangen hatte und man sich nicht anstecken wollte. In diesem Falle sagte man ersatzweise: „FĂŒhle dich umarmt!“

Nun frage ich mich allerdings, wie man es in bestem Deutsch unter Zuhilfenahme eines Verbs ausdrĂŒckt, wenn man jemandem in einer Situation gern die Hand drĂŒcken wĂŒrde, es aber gerade – wie beispielsweise wĂ€hrend der Corona-Pandemie – vermeiden will. Vom SprachgefĂŒhl her wĂ€re meine erste Wahl: „FĂŒhlen Sie sich gehanddrĂŒckt!“ (analog zu den Verben „gebauchpinselt“ und „geliebĂ€ugelt“). Hört sich ungewohnt und etwas merkwĂŒrdig an. Was meinen Sie?