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Tierisches:
Vögel  🐦

Übersicht

  • Morgenappell
    Das tägliche Ritual
  • Das Ritual der gefiederten Geschöpfe
    Die verrückten Vögel auf Menorca
  • Merkwürdiges Vogelhäuschen
    Monatelanges Rätselraten
  • Geschichten, die das Leben schreibt
    Amsel Alfred

Morgenappell

Das tägliche Ritual

(Foto: © Frank R. Bulla)

Seit es morgens beim Aufstehen wieder hell genug ist, habe ich in der oberen Etage der Maisonette-Wohnung einen hervorragenden Ausblick auf das Geschehen draußen. Durch das Dachfenster des Badezimmers sehe ich die beiden riesigen Bäume: eine Linde und eine Eiche. Insbesondere die Linde dient einer Vielzahl kleiner Grünfinken jeden Morgen als Treffpunkt. Erst landet einer der gefiederten Freunde auf der kahlen Baumkrone, dann umkreisen in schnellem Fluge weitere Artgenossen den Wipfel, um schließlich darauf zu landen, und nach ein paar Minuten sitzen in der Regel ein bis anderthalb Dutzend von ihnen auf den Ästen  und verstricken sich in eine rege Unterhaltung.

Genauso, wie es das Ritual den Grünfinken vorschreibt, sich jeden Morgen auf der Linde zu sammeln, so trete auch ich in der helleren Jahreszeit zum Morgenappell an, um für ein paar Minuten der Sitzung beizuwohnen, bevor mein persönliches Morgenritual mit Duschen und Zähneputzen startet.

Während die Grünfinken da so sitzen, ist durchaus Bewegung in der Gruppe. Da wird mal aufgeregt auf dem Ast hin- und hergehüpft, wild mit den Flügeln geschlagen, verlegen am Gefieder gezupft oder auch mal der Ast gewechselt oder der ganze Baum flatternd umkreist, um einem anderen Gesprächspartner näher zu sein. Manchmal wirkt diese ganze Ansammlung wie eine Steh-Party, wo man sich angeregt unterhält, sich zuweilen in Zweier- oder Dreiergrüppchen zueinanderfindet, gelegentlich den Ansprechpartner wechselt. Auch hier scheint es Einzelgänger zu geben, die sich grundsätzlich von diesem gesellschaftlichen Anlass nicht ausschließen wollen, jedoch eher etwas schüchtern abseits sitzen und das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachten.

Nach meistens fünf bis zehn Minuten ist der ganze Spaß vorbei: Da hat man genug gezwitschert, Gedanken ausgetauscht, Erfahrungen weitergegeben und muss sich allmählich mit der Hauptaufgabe des Tages beschäftigen: der Futtersuche. Und so löst sich ganz allmählich die kleine gefiederte Gesellschaft auf und verlässt die Linde. Irgendwie höre ich jeden Vogel beim Abschied rufen: „Tschüß, bis morgen!“

Und auch ich denke: „Ja, macht's gut! Habt einen erfolgreichen Tag! Wir sehen uns morgen früh!“



Das Ritual der gefiederten Geschöpfe

Die verrückten Vögel auf Menorca

(Foto: © Frank R. Bulla)

Eines der merkwürdigsten Rituale, die mir im Tierreich bislang begegnet sind, habe ich im Frühherbst des Jahres 2015 auf der Balearen-Insel Menorca erlebt. Regelmäßig morgens gegen 06:30 Uhr und abends gegen 19:30 Uhr sammelten sich wenigstens drei, vier Dutzend spatzen-ähnliche Vögel: zunächst auf Dächern, schließlich auf Palmen und hochgewachsenen Oleandersträuchern im Innenbereich der recht flach gehaltenen, architektonisch sehr kreativ gestalteten Hotel-Anlage, wo sie ein Spektakel sondersgleichen veranstalteten. Zunächst schwirrten die Vögel wie verrückt über das Gelände, kreisten darüber und landeten mal auf dem einen, mal auf dem anderen Gewächs, um dann ihren irren, rasanten Flug – teils in kleinen Scharen, teils in einem Chaos mit traumwandlerischer Sicherheit – fortzusetzen. Das Ganze wirkte wie ein großangelegtes Fang-mich-Spiel, zuweilen auch wie ein Spiel, das darauf abzielte, einen anderen Vogel von einem Ast zu vertreiben.

Je weiter dieses Ritual zeitlich fortschritt, umso mehr nahm das mächtige Gezwitscher an Lautstärke zu, um dann zwischendurch immer mal wieder leicht ab- oder anzuschwellen, geradezu wie ein konzertantes Crescendo und Decrescendo. Die Luft war nur so erfüllt von schrillen Vogellauten, dass andere Geräusche kaum mehr zu vernehmen waren. Mit zunehmender Lautstärke schienen sich die Vögel zusehends auf bestimmte Bäume oder Sträucher zu konzentrieren, auf denen sie dann immer länger verharrten. Nur hin und wieder erhob sich noch eine kleinere Schar, manchmal auch nur ein einzelnes Paar, um abermals wie irre über die Hotelanlage zu rasen oder sich auf dem einen oder anderen Dach niederzulassen.

Nach rund einer halben Stunde morgens und etwa einer Stunde am Abend ebbte das seltsame Treiben allmählich und kaum merklich ab, bis es in absoluter Stille und Unbeweglichkeit völlig zum Erliegen kam. Vermutlich hatte jetzt ein jeder Vogel seinen Platz erkämpft / verteidigt / gefunden, um dort des Morgens ein Weilchen bzw. am Ende des Tages die Nacht zu verbringen.



Merkwürdiges Vogelhäuschen

Monatelanges Rätselraten

(Fotos: © Frank R. Bulla)

Bei Spaziergängen – zumal, wenn man offenen Auges durch die Welt geht – entdeckt man zuweilen die kuriosesten Dinge. Kürzlich kam ich an einem baumbestandenen Grundstück vorbei und stieß auf das oben abgebildete Etwas, das ich auf den ersten Blick als ungewöhnliches, ungewöhnlich schönes Vogelhäuschen identifizierte. Bei näherer Betrachtung allerdings fragt man sich dann schon: Wie kommt da, bitteschön, überhaupt ein Vogel rein? Denn schließlich gibt es hierzulande keine Kolibris, die so klein sind, dass sie locker einen Weg ins Innere finden würden.

Insofern stellt sich die Frage, ob da am Ende nur dressierte Vögel Zugang finden, die den Trick kennen, wie man da reingelangt? Ist es gar ein Vogelknast, in dem all das Federvieh landet, das zum Ärger der Anwohner auf die Windschutzscheibe oder das Dachfenster gekackt hat? Oder kommt da womöglich zur vollen Stunde ein Kuckuck raus?

Man möchte sich dem hölzernen Gebilde am liebsten nähern, um mal anzuklopfen, was allerdings nicht geht, weil man damit unberechtigterweise das Grundstück betreten müsste.

Ich habe die Frage nach dem Sinn des Häuschens mal bei „Facebook“ zum Besten gegeben, wo man allerdings auch mit keiner plausiblen Idee aufwarten konnte. Uschi spekulierte: „Baumzwergenhotel“, woraufhin Michèle eher an etwas ganz anderes dachte: „Vielleicht soll das – ungeachtet der typischen Vogelhausform – eher ein Insektenhotel sein? Durch die Fensteröffnung könnten die zumindest rein und raus, und innen könnte ein ganzes Volk Platz finden.“ Sollte das, so mutmaßte ich daraufhin, womöglich eine besonders innovative Bienenstock-Architektur sein? Michèle erwiderte: „Man weiß nie. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass jemandem ein Vogelhaus dermaßen misslingt.“ Auch Birgit meinte: „Heimwerker ohne Fachkenntnisse!“ Das kommt eben, so spekulierte ich, bei der ganzen Baumarkt-Werbung, die in der Glotze läuft, raus! Den Leuten wird ständig suggeriert, dass sie alles, aber auch alles selbst machen können!

Ich überlegte schon, dem Foto den Titel „Neues aus Schilda“ zu geben, als Marion das Stichwort „NSA“ aufs Tablett brachte, während ich eher an den berühmten frühen Vogel dachte, der auf den Wurm wartet. Diesem Gedanken folgend, sah Marion schon die vier Würmchen aus den vier Türchen bzw. Fensterchen marschieren. Marion's Ansatz war nicht übel: Vielleicht ist das ein Fleischwolf für besonders fette Würmer: Die werden hinten reingesteckt und kommen vorne gevierteilt raus – hübsch portioniert für das Küken-Quartett der heimischen Amsel.

„Achte mal drauf“, warf Michèle ein, „ob es abends aus dem Fensterchen des Häuschens leuchtet. Wahrscheinlich ist das eine Lampe (und frag nicht, wie das Licht reinkommt oder es sonst funktioniert).“ „Wireless?“ fragte ich in die Runde. „Yep“, meinte Michèle, „ansonsten ausgesprochen ‚mystical‘!“

Oder ist es der Vorratsspeicher eines Eichhörnchens, wo das possierliche Tier seine Eicheln, Kastanien und Haselnüsse durch die Öffnungen schiebt, sodass nicht nur andere Tiere der Früchte nicht habhaft werden können, sondern das Eichhörnchen auch keinerlei Probleme des Wiederfindens hat. Oft vergräbt es die Nahrung nämlich an vielen x-beliebigen Stellen in der Natur, wovon viele niemals wiedergefunden werden, dafür aber an der Stelle dann neue Eichen das Licht der Welt erblicken.

Zwischendurch kam ich doch wieder auf die Idee von Marion zurück, die an einen Spionage-Dienst dachte. Wenn da ganz offensichtlich kein Vogel problemlos reinkommt, ist das vielleicht gar kein Vogelhäuschen, sondern eine als solches getarnte Überwachungskamera oder ein Bewegungsmelder!? Heutzutage wird stark aufgerüstet, um der zunehmenden Einbruchszahlen Herr zu werden.

Am Ende entwickelte ich noch einen völlig anderen Gedankengang: Stellt sich das Ganze schließlich als pures Kunstwerk heraus, das völlig zweckfrei ist. Wer weiß!? Vielleicht läuft mir ja sogar eines Tages der Grundstücks-Inhaber über den Weg, sodass ich ihn fragen kann ...

Nachtrag

Auf das Naheliegendste war ich noch gar nicht gekommen – vermutlich, weil man erwartet, dass die Öffnung im Vogelhäuschen immer so angebracht ist, dass ein bequemer Anflug möglich ist. Michèle hatte mich darauf gebracht: Der übliche Eingang zum Vogelhäuschen könnte sich natürlich auch auf der gegenüberliegenden Seite des Mini-Gebäudes befinden ...

Nachtrag zwo

Nun ließ sich das Geheimnis um das merkwürdige Vogelhäuschens doch noch lüften, nachdem es vom Besitzer innerhalb des Gartens umgesetzt worden war, sodass man es jetzt auch seitlich einsehen konnte. Hat der Grundstücks-Eigentümer womöglich das nach Antworten suchende Posting bei „Facebook“ gelesen und uns klammheimlich auf die richtige Spur gebracht? 😜



Geschichten, die das Leben schreibt

Amsel Alfred

(Foto: © Frank R. Bulla)

Herr Amsel – aus einer Laune heraus nannte ich ihn spontan Alfred – liebt es, stundenlang sein Publikum zu unterhalten. Er gibt einen Schwank nach dem nächsten aus seinem Leben zum Besten – ohne Punkt und ohne Komma.
Irgendwann ersuchte ich ihn, zu Gunsten einer Pinkelpause zu unterbrechen. Es scherte ihn nicht. So ließ ich ihn weiterquatschen, verließ den Fensterplatz, suchte die Toilette auf, trank in aller Ruhe einen Kaffee ...

Nach einer geschlagenen Stunde kehrte ich zum Fenster zurück. Alfred saß noch immer auf demselben Ast und plauderte unbeirrt und munter vor sich hin.

Allmählich steigt der Verdacht in mir hoch, dass er entweder blind ist (also gar nicht sehen konnte, dass er eine Stunde lang mich als Zuhörer nicht mehr hatte) oder sich ziemlich unheimlich gern selbst reden hört.

In diesem Zusammanhang interessant

 

Apropos: Vögel ...