bulla-blog
–——————————–

Zeitgeist:
Allgemeines

Übersicht

  • Schöne neue Zeitrechnung
    „Jahr x vor Corona“
  • Sind wir noch zu retten?
  • Zeitgeist
    Zitat
  • Saufen, bis der Arzt kommt und / oder die Polizei
    Timo Beil ĂŒber gesellschaftliche Exzesse nicht nur am „Vatertag“
  • B- bis Z-Promis
    Wo das Alphabet nicht reicht, wird durchnummeriert
  • „FrĂŒher war alles besser“!?
    Wir leben im Zeitalter der Reiz-Überflutung
  • Es ist mal wieder soweit:
    Die Uhren werden vorgestellt

    Timo Beil ĂŒber den Beginn der Sommerzeit ...
  • Rauchzeichen
    Nikotinmuffel Timo Beil ĂŒber das Rauchverbot in GaststĂ€tten
    und die absolut nicht bemitleidenswerte Spezies Raucher

Schöne neue Zeitrechnung

„Jahr x vor Corona“

Bei einer „Facebook“-Freundin las ich in letzter Zeit des öfteren EintrĂ€ge wie „Jahr 3 vor Corona“. Unter dieser Überschrift nĂ€mlich postete sie BeitrĂ€ge von vor einiger Zeit, in diesem Falle von vor drei Jahren. Es dauerte eine Weile, bis mir Sinnhaftigkeit und Relevanz dieser Aussage eigentlich erst so richtig bewusst wurde. Abgesehen von anderen wichtigen Aspekten steht eines auf jeden Fall schon mal fest: Im Gegensatz zu Aussagen wie „2020 n. Chr.“ gibt es Corona tatsĂ€chlich und ist absolut kein Hirngespinst, auch wenn diverse Verschwörungs-Theoretiker völlig anderer Meinung zu sein scheinen.

Allerdings sei kritisch anzumerken, dass das Corona-Virus nicht erst seit 2020 existiert, ist die aktuelle Version – „COVID-19“ – doch nur Teil der großen Corona-Familie, die bereits seit den 1960er Jahren ihr Unwesen treibt. Insofern wĂ€re es treffender (um beim Beispiel zu bleiben) von „Jahr 3 vor COVID-19 (3 v. C19)“ zu sprechen.

Viel entscheidender fĂŒr die Wahl dieser neuen Zeitrechung aber könnte die ZĂ€sur sein, die das Virus „COVID-19“ in diesem Jahrtausend bewirkte. Es hat unser aller Leben, das Leben der gesamten Menschheit völlig auf den Kopf gestellt – im Grunde genommen mehr noch als das das Geschehen wĂ€hrend der beiden Weltkriege vermochte, wo immerhin weite Teile der Welt unberĂŒhrt geblieben waren.



Sind wir noch zu retten?

(Text: N. N.)

Jedes Jahrzehnt steht unter einem anderen Motto:

  • 1980: „Rettet den Baum!“
  • 1990: „Rettet den Regenwald!“
  • 2000: „Retten den EisbĂ€ren!“
  • 2010: „Rettet den Euro!“
  • 2020: „Rette sich, wer kann!“


ZEITGEIST

„FrĂŒher war alles besser, sogar die Zukunft.“
(Karl Valentin)




Saufen, bis der Arzt kommt
und / oder die Polizei

Timo Beil ĂŒber gesellschaftliche Exzesse
nicht nur am „Vatertag“

(Abb.: N. N.)

Kaum ist der christliche Feiertag namens „Himmelfahrt“ gestartet, an dem gleichsam auch „Vatertag“ gefeiert wird, haben verschiedene Berufsgruppen wieder einmal alle HĂ€nde voll zu tun, um sich der Opfer der Saufgelage anzunehmen: In den Notaufnahmen werden demolierte SchĂ€del und Knochen wieder so einigermaßen gerichtet, die vom sogenannten Koma-Saufen oder von prĂŒgelnden Saufkumpanen herrĂŒhren, wĂ€hrenddessen sich die Polizei der TĂ€ter annimmt, die im Suff ihre (eh nicht vorhandene oder zumindest durch vehemente Enthemmung verdrĂ€ngte) gute Kinderstube vergessen haben. Die wenigsten unter den TrinkwĂŒtigsten zĂ€hlen vermutlich zur Gruppe der VĂ€ter, die sich an diesem Tage eigentlich feiern, und inzwischen (vermutlich dank emanzipatorischer Entwicklungen) wird der „Vatertag“ auch vermehrt von Frauen gefeiert.

Nun mag man die Gruppe verurteilen, die am auffĂ€lligsten nicht mit dem Alkohol umzugehen in der Lage ist und immer weniger Respekt auch OrdnungshĂŒtern gegenĂŒber an den Tag legt: junge Leute – Teens wie Twens. Man kann auch deren Eltern verurteilen, die ganz eigene Sorgen haben und sich nicht mehr in dem Maße mit ihrem Sprösslingen auseinandersetzen können, wie das die Eltern noch in frĂŒheren Jahrzehnten zu leisten vermochten.

Es ist immer einfach, nach SĂŒndenböcken zu suchen, die fĂŒr solchen Schlamassel verantwortlich zeichnen, und wenn man im Kleinen nicht fĂŒndig wird, sucht man im Großen: Schnell ist der Ruf nach der Politik, nach Gesetzen da. Aber letztlich ist die Politik nun mal die Institution, die uns unsere Rahmenbedingungen vorgibt. Und wenn sich das Arbeitsleben und der Broterwerb aufgrund politisch gewollter Rahmenbedigungen dermaßen verĂ€ndern, wie es im Laufe der – sagen wir mal: vergangenen 20 – Jahre passiert ist, muss man sich ĂŒber manche gesellschaftliche Auswirkungen einfach nicht wundern. Wenn bei vielen Menschen nicht mal mehr ein Job genĂŒgt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, bleibt kaum noch Zeit, sich Gedanken ĂŒber andere Dinge zu machen – zum Beispiel ĂŒber den Nachwuchs; oder die Art und Weise, wie der Staat mit uns umgeht.

Eigentlich sollten Politiker auch Vorbilder sein – vor allem diejenigen, die besonders hohe Ämter innehaben. Aber selbst hier gehen immer mehr Tugenden den Bach runter: Die Politik droht den Kontakt zum BĂŒrger und den Respekt vorm BĂŒrger zu verlieren; es wird gelogen, betrogen, korumpiert. Hier werden Vergehen augenscheinlich oft anders beurteilt und geahndet als beim gemeinen Volk. Da gerĂ€t beispielsweise die Person des BundesprĂ€sidenten dermaßen in die Kritik, dass sie von diesem Amt vorzeitig entbunden werden muss. Gleichzeitig erhĂ€lt diese Person dieselben Rechte wie BundesprĂ€sidenten, die eine volle Amtsperiode lang ohne Makel ihr Amt versehen haben: Personenschutz, BĂŒro, Angestellte etc. und nicht zu vergessen ein Ehrensold von unverschĂ€mten 199.000 Euro p. a. auf Lebenszeit.

Dass derartige und viele, viele andere Ungerechtigkeiten den BĂŒrger aufbringen, ihn verdrießen, ihn respektlos gegenĂŒber der Obrigkeit werden lassen, liegt fast auf der Hand. So hat allein die Polizei in zunehmendem Maße mit Respektlosigkeit zu kĂ€mpfen, die ihre Klientel ihr entgegenbringt – und das nicht nur an „Himmelfahrt“, aber in der Regel seitens TrunksĂŒchtiger.

Alkohol ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft, und als solches wird es angesichts der Zeiten, in denen wir leben, vermutlich noch wachsen. Solange der Staat krĂ€ftig an der Alkoholsteuer verdient, wird sich nachhaltig wohl auch nicht viel Ă€ndern und werden massive Eingriffe in dieses Problemfeld seitens der Politik ausbleiben. WĂ€hrend der Staat bei der Droge Nikotin gewillt ist, durch immense Preissteigerungen und Nichtrauchergesetze dem Problem entgegenzuwirken, bleiben bei der Droge Alkohol nachhaltige Konsequenzen aus. Dabei wĂ€re es durchaus denkbar, dass – wie in manchen anderen LĂ€ndern auch – Alkohol sehr teuer gehandelt und der öffentliche Genuss gar untersagt wird.

Aber in puncto Alkohol hapert es hierzulande ja schon an einfachsten Dingen. Man nehme nur mal die bundesweit einigermaßen regelmĂ€ĂŸig behördlich initiierten Test-KĂ€ufe, bei denen ermittelt werden soll, wie leicht doch unter 18-JĂ€hrige an Alkohol gelangen können. Kioske, GetrĂ€nkehandel und Tankstellen gehen aber nach wie vor – trotz empfindlicher Strafen – leichtfertig mit der Alkohol-Ausgabe um. Wird eine Zeitlang nicht kontrolliert, wird Alkohol wieder vermehrt an Jugendliche verlauft. In der Branche fĂŒhlt man sich offenbar nicht wirklich verantwortlich, denn auch hier zĂ€hlt nur der Umsatz, der mit Alkohol generiert wird. Und solange die Strafen fĂŒr Alkoholverkauf an MinderjĂ€hrige nicht wirklich drakonisch ausfallen, wird sich nichts Ă€ndern. Denn moralisch ist den AlkoholverkĂ€ufern nicht beizukommen, sondern offenbar nur mit sehr empfindlichen Bußgeldern oder noch drastischeren Strafen. Den Jugendlichen indes, die mĂ€chtig alkoholisiert angetroffen werden, passiert in der Regel auch kaum etwas Schlimmeres als dass sie von der Polizei im Elternhaus abgeliefert werden.

UnverstĂ€ndlich bleibt auch, warum hierzulande im Verkehr nicht endlich die Notbremse gezogen und die Promille-Grenze auf null heruntergeschraubt wird. Von der Politik wird offenbar billigend in Kauf genommen, dass Menschen betrunken Auto fahren und damit Gesundheit und Leben anderer gefĂ€hrden. Dabei wĂ€re eine Null-Promille-Vorschrift eine ganz klare Ansage: Null Promille heißt eben auch null Alkohol – da kann sich niemand mehr damit herausreden, dass er doch nur sehr wenig – nĂ€mlich das berĂŒhmte kleine Bierchen – getrunken hat (was ja immer relativ ist) und deswegen glaubte, noch fahrtĂŒchtig zu sein. Mit mehr als null Promille am Steuer erwischt zu werden, bedeutete dann schon vorsĂ€tzliches Handeln!

Bis sich – irgendwann mal in ferner Zukunft – nachhaltig etwas Ă€ndert an unserem gesellschaftlichen Alkoholproblem, wird eben gesoffen, bis der Arzt kommt und / oder die Polizei – und manchmal eben auch statt der Trage die Bahre.



B- bis Z-Promis

Wo das Alphabet nicht reicht, wird durchnummeriert

Unter dem Begriff „Promis“ (Kurzwort fĂŒr „Prominente“) versteht man gemeinhin herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Vor allem das Privatfernsehen, zu dessen Natur weniger das Sachliche, Neutrale zĂ€hlen, sondern vielmehr das Übertriebene, Reißerische, hat sich seit seinem Bestehen immer mehr angewöhnt, x-beliebige Personen in den Prominenten-Stand zu erheben, bloß weil sie vielleicht mal irgendwo öffentlich in Erscheinung getreten sind. So avancieren sie zum „Promi“, zum „VIP“, zum „Celebrity“ oder gar zum „Star“.

Zuweilen werden auch Leute ausgegraben, die vor langer Zeit mal auf irgendeinem Gebiet einigermaßen erfolgreich waren, deren Zenit allerdings schon lĂ€ngst ĂŒberschritten ist. Vermutlich leiden sie inzwischen unter der Geldnot völlig erfolgloser Zeitgenossen und tun alles, um wieder mal in aller Munde zu sein – und sei es nur im Munde derer, die sich TV-Formate reinziehen, die die privaten TV-Sender nicht mĂŒde werden, sich aus den Fingern zu saugen. Auf der Jagd nach neuem Erfolg lassen diese Pseudo-Promis völlig herab, lassen keine Peinlichkeit aus und landen so in Sendungen wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (besser bekannt als „Dschungelcamp“), „Promi Big Brother“ oder „Sommerhaus der Stars“ oder Ă€hnlichem MĂŒll, um dort noch ihr Gnadenbrot zu bekommen.

Wo maßlos ĂŒbertrieben wird, melden sich naturgemĂ€ĂŸ Kritiker zu Wort. So entstanden dann wohl auch Begriffe wie „B-Promis“ oder „C-Promis“, die man allerdings als ausgesprochen wohlwollend bezeichnen kann, denn das Alphabet hat immerhin 26 Buchstaben. In manchen FĂ€llen reichen allerdings selbst diese nicht mehr aus, um das tatsĂ€chliche Niveau der zu bezeichnenden Person zu verdeutlichen. Hier könnte man vielleicht hilfsweise den Buchstaben Z noch durchnummerieren: „Z1“ ... „Z100“.



„FrĂŒher war alles besser“!?

Wir leben im Zeitalter der Reiz-Überflutung

(Foto: N. N.)

„FrĂŒher war alles besser“ – diese Aussage bekommen wir heutzutage hĂ€ufig zu hören. Dabei ist das, was wir in allen möglichen Bereichen wahrnehmen, lediglich das Ergebnis einer langen Entwicklung – ein Ergebnis, das sich eigentlich schon lĂ€ngst relativiert haben mĂŒsste.

Was sich im Gegensatz zu frĂŒher definitiv zum Schlechteren hin verĂ€ndert hat, ist beispielsweise die geradezu inflationĂ€re Reiz-Überflutung in der Glotze.

Nimmt man nur einmal die fehlenden ÜbergĂ€nge zwischen BeitrĂ€gen und Werbung: Manchmal sind die ÜbergĂ€nge so fließend, dass man kaum bemerkt, dass bereits ein neuer Beitrag, ein neuer Film, eine neue Serie oder ein neuer Werbe-Spot angefangen hat. Nur auf ganz wenigen – vornehmlich öffentlich-rechtlichen – Sendern praktiziert man noch ‚Trennmittel‘ wie beispielsweise die „MainzelmĂ€nnchen“ auf dem „ZDF“.

Wenn es noch so was wie AbspĂ€nne bei Filmen gibt, sind diese sehr kurz gefasst (Devise: „In der KĂŒrze liegt die WĂŒrze!“) und vermischen sich auf dem Bildschirm bereits mit Hinweisen auf die folgende Sendung und / oder mit Vorschauen auf spĂ€ter auszustrahlende BeitrĂ€ge. FrĂŒher haben uns AbspĂ€nne so eine Art ‚Cooldown‘ beschert: ein ganz allmĂ€hliches Sich-lösen von dem Geschehen des Kino-Streifens. Heutzutage werden wir, kaum dass ein Film zu Ende gegangen ist, vom Folgebeitrag emotional förmlich erschlagen. Es ist fast so, als wollte man uns daran hindern, Zeit zum Nachdenken, zur Besinnlichkeit zu haben.

Mit am exzessivsten wird die Reiz-Überflutung auf Nachrichten-Sendern praktiziert: WĂ€hrend die neuesten Meldungen verlesen werden, wimmelt es auf dem Bildschirm nur so von textlichen Informationen: Börsenkurse, Temperaturen und vieles andere mehr. Ein normales Gehirn ist gar nicht in der Lage, diese Flut an Fakten aufzunehmen und zu verarbeiten.

Wen wundert es da, dass der Mensch emotional an Tiefe zu verlieren droht, weil er in der heutigen Welt von allen Seiten mit EinflĂŒssen dermaßen bombardiert wird, dass er kaum mehr ein klares GefĂŒhl, einen klaren Gedanken fassen kann und so zusehends der OberflĂ€chlichkeit zum Opfer fĂ€llt.

Der krasseste Unterschied zwischen der Glotze frĂŒher und heute dĂŒrfte wohl folgender sein: Damals wurde nicht ununterbrochen gesendet. Bestenfalls flimmerte noch so was wie ein Testbild ĂŒber den Bildschirm (siehe Abb.!) – meist jedoch zeigte die Mattscheibe etwas, was man sich heute ĂŒberhaupt nicht mehr vorstellen kann: Wir nannten es „Schnee“, wenn die Masse der Bildpunkte nur noch aus Unmengen von schwarzen und weißen Pixeln bestand und im Grunde genommen nichts zeigte. Wenn man aus Versehen mal das Antennenkabel rausgezogen hatte, sah das ĂŒbrigens ganz genauso aus.



Es ist mal wieder soweit:
Die Uhren werden vorgestellt

Timo Beil ĂŒber den Beginn der Sommerzeit ...

So, so – die Uhren werden mal wieder vorgestellt. Bereits seit Jahren gibt es im FrĂŒhjahr dieses merkwĂŒrdige Procedere. Und seit Jahren schon frage ich mich:

Zwar ist klar, wem die Uhren vorgestellt werden (es muss sich um ein riesiges Publikum handeln, wenn darum so viel Aufhebens gemacht wird) – aber von wem werden die Uhren nun eigentlich vorgestellt?

Ist es ein berĂŒhmter Uhrmacher? Ist es ein Moderator? Oder ein Politiker? Ist es jedes Jahr dieselbe Person? Und: Kann man das Ganze auch auf irgendeinem TV-Sender live verfolgen?

Und warum werden die Uhren immer nur eine Stunde vorgestellt? Bei einer lĂ€ngeren Dauer dieses Events ließe sich das Ganze richtig nett gestalten: mit einem kaltwarmen Bufett, mit Live-Musik und einem Ehrengast (vielleicht kĂ€me sogar Bundesmutti Angela vorbei!?).

Auch wenn so viel Aufhebens wegen dieser Vorstellung der Uhren gemacht wird: Am nĂ€chsten Tag gibt es keine nennenswerte Berichterstattung zu dieser Veranstaltung. Wie kommt das bloß? Liegt es vielleicht daran, dass es eben ganz gewöhnliche Uhren sind (und nicht dermaßen spektakulĂ€re wie die auf dem nebenstehend gezeigten GemĂ€lde, dem 1954 entstandenen surrealistischen Werk „Les montres molles (Die weichen Uhren)“ von Salvador DalĂ­) oder dass Uhren gemeinhin schon so bekannt sind, dass man sie gar nicht mehr vorstellen muss? Fragen ĂŒber Fragen ...

Viel interessanter finde ich es eh, Uhren umzustellen. Mal stelle ich sie auf den Nachttisch, mal neben den PC, seltener auf die Ablage ĂŒber dem Waschbecken. Es kommt eben immer darauf an, wo die Uhr am nötigsten gebraucht wird, und manchmal auch, wo sie sich rein optisch am besten ausnimmt. Man stelle sich nur mal vor, die Uhr wĂŒrde immer an derselben Stelle stehen – wie langweilig!



Rauchzeichen

Nikotinmuffel Timo Beil ĂŒber das Rauchverbot
in GaststÀtten und die absolut nicht
bemitleidenswerte Spezies Raucher

(Grafik: © Frank R. Bulla)

Weswegen ĂŒberhaupt diese tierische Aufregung seitens der gelbfingrigen Tabak-Junkies!? Dabei werden sie doch von den Gastronomen dieser Republik hofiert, ja, geradezu gebauchpinselt! Egal ob diese selbst rauchen oder nicht, zeigen sie sich mit den Suchtknochen dieser Welt solidarisch: Sie versuchen mit aller Macht – Gesetz hin, Gesetz her – ihnen ihr Refugium zu bewahren, wo sie keinen bösen Blicken von Nikotinmuffeln ausgesezt sind und sie wider allen Regeln der Gesundheit ihrer Sucht frönen und ungestört herummĂŒffeln können. Auch mĂŒssen sie weder hungern noch frieren! Die Wirte stellen extra fĂŒr sie – ob's regnet, gewittert, schneit oder ob die Welt untergeht – einen Tisch und einen Stuhl vor die TĂŒr, verpesten zusammen mit ihnen die Außenluft, indem sie draußen HeizgerĂ€te aufstellen, die zwar nachweislich unserem Klima schaden (mal ganz zu schweigen von den hohen Energiekosten!), die innerlich Geteerten aber zumindest vor einer bösen ErkĂ€ltung bewahren; zu diesem Zweck stellt man ihnen auch Sitzkissen und Decken zur VerfĂŒgung. Die Wirte sorgen gar dafĂŒr, dass ihre Aschenbecher regelmĂ€ĂŸig geleert werden – und nicht zu vergessen: Bei Wind und und jedem Schmuddelwetter nehmen Kellnerinnen und Kellner den ungewohnt strapaziösen Weg nach draußen auf sich, um ihnen ihre gefĂŒllten Sauf- und FressnĂ€pfe vor die TĂŒr zu stellen.

OK, zum Gassigehen mĂŒssen sie nach drinnen und einen Moment lang auf ihr Lebenselixier verzichten – aber wer weiß: Wenn sie ihren schönsten Dackelblick aufsetzen und die MĂ€nnchen tĂŒchtig mit dem Schwanz wedeln, setzt man ihnen vielleicht sogar ein niegelnagelneues „Dixi“-Klo mit der Lizenz zum Rauchen vors Lokal, damit sie sich als Randgruppe auch draußen pudelwohl fĂŒhlen können.

Die Nikotin-AbhĂ€ngigen sollten also wirklich mal ein wenig mehr Dankbarkeit zeigen! Und nicht noch versuchen, die Gastronomen zu veranlassen, mit 70.000 Unterschriften die niedersĂ€chsische Politik zum Umdenken zu bewegen, wie es im Jahre 2008 mal versucht worden ist. Denn es könnte noch schlimmer kommen – zum Beispiel auch im Zusammenhang mit der Vorbildwirkung auf Kinder und Jugendliche: nĂ€mlich dass das Rauchen (und dann am besten auch gleich der Alkoholkonsum) in der Öffentlichkeit vollkommen untersagt wird.