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Zeitgeist:
Film / TV  đŸ“ș

Übersicht

  • „Fifty Shades of Grey“
    Endlich auf den Punkt gebracht!
  • Dialoge
  • „RTL“ – 30 Jahre Volksverdummung
  • „Shopping-Queen“
    ÜberflĂŒssiges vom Feinsten
  • „Winneone, Winnetwo, Winnethree“
    Wenn sich Regisseure aufs Glatteis begeben ...
  • „Die Geissens“ & Co.
    Exhibitionistisch veranlagt, großkotzig, geschmacklos, unsensibel ...
  • Z-Promi-Show vs. Schwein

Interessanter Link

„Fifty Shades of Grey“

Endlich auf den Punkt gebracht!

Amateur-Erotiker Timo Beil's kompilierte Fassung des Klassikers: „Hundred Shades of Grey“ (ganz links das Original, rechts daneben die zensierte Fassung)

(Grafiken: © Frank R. Bulla)

„Fifty Shades of Grey“ ist derzeit mal wieder in aller Munde. Als besonders eindrucksvoll hat sich – nach „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“ und „Fifty Shades of Grey – GefĂ€hrliche Liebe“ – die Fortsetzung „Hundred Shades of Grey“ herausgestellt. Aber bislang hat es kaum jemand geschafft, die Kernausage des Films auf das Allerwesentlichste zu reduzieren, wodurch sich jetzt auch die Kernaussage von „Fifty Shades of Grey“ noch besser deuten lĂ€sst.

Mit sehr viel technischem Aufwand ist es mir gelungen, einen Kompilationsfilm zu erzeugen, der obendrein noch die Aussagen zwischen den Zeilen berĂŒcksichtigt. Das Resultat: „Hundred Shades of Grey“ in stark komprimierter Form (s. Abb. oben links!).

Allerdings hatte ich in meinem Übereifer nicht bedacht, dass selbst der Kompilationsfilm noch Szenen enthĂ€lt, die nicht ganz jugendfrei sind. Deshalb, liebe Kinder, schaut euch bitte auf gar keinen Fall die Fassung oben links an, sondern nur die zensierte rechts daneben!

Kunstkritiker Christian G. (eine gewisse Namensgleichheit mit dem Protagonisten des Films ist ĂŒbrigens rein zufĂ€llig) war einer der ersten, der seinen Senf dazugeben musste: „Spannend, besonders das Ende ist im anthraziten Dunkel verborgen ...“

Aus Insider-Kreisen war zu erfahren, dass sich die Regisseure der bisherigen „Fifty Shades of Grey“-Machwerke – Sam Taylor-Johnson und James Foley – zusammengetan haben, um an einer weiteren Fortsetzung zu arbeiten. Es geht um nichts Geringeres als den Streifen „Thousand Shades of Grey“. Die geneigten Zuschauer dĂŒrfen gespannt sein!

Übrigens: Vermutlich wird es Ihnen kaum aufgefallen sein, aber auf Grund einer Verwechslung von Bilddateien stellen die obigen Abbildungen einen Vorentwurf fĂŒr „Thousand Shades of Grey“ dar. 😳


DIALOGE

„Oma, wenn du mehr Sender willst,
muss eine SchĂŒssel aufs Dach.“
„Aber nicht die blaue – da mach' ich immer Kartoffelsalat drin!“

*

„Nun pack' endlich dein Geschenk aus!“
„Boah! Luftpolsterfolie! Danke, danke, danke!“
„Da ist ĂŒbrigens noch ein Flachbildfernseher drin.“

*

MĂ€xchen: „Stell dir vor, wir kriegen jetzt Kabelfernsehen!“
Susanne: „Das geht doch gar nicht.
Wir wohnen in einem kleinen Dorf, weit weg von der Stadt.“
MĂ€xchen: „Doch, doch, das geht!
Ich habe gestern am Schlafzimmer gelauscht,
und da hat der Papa zur Mama gesagt:
‚Wenn wir 2Sat kriegen, dann kriegen wir auch 3Sat.‘“



„RTL“ – 30 Jahre Volksverdummung

Der Privatsender „RTL“ feierte Anfang 2014 seinen 30. Geburtstag. Ist das wirklich ein Grund zum Feiern, verantwortlich zu sein fĂŒr ein unterirdisches Niveau, das uns MĂŒll-Formate wie „Tutti Frutti“, „Big Brother“, „Dschungelcamp“, „Alarm fĂŒr Cobra 11“, „Traumhochzeit“, „Verzeih mir“, „Bauer sucht Frau“ oder auch (was schon lĂ€nger her ist) ‚Sex-Beraterin‘ Erika Berger (* 1939; † 2016) beschert hat? Die Liste der Peinlichkeiten lĂ€sst sich beliebig fortsetzen.

Angesichts dieser JubilĂ€umsfeierlichkeiten bekomme ich Bilder im Kopf, wie die jenes heruntergekommenen JĂ€gers, der – einen Fuß auf sein Opfer gesetzt – mit noch qualmender Waffe und stolzgeschwellter Brust vor der Kamera posiert: „Hurra, die Bildung ist tot!“



„Shopping-Queen“

ÜberflĂŒssiges vom Feinsten

Dass dĂ€mliche Formate wie „Shopping-Queen“ naturgemĂ€ĂŸ ebensolche Zuschauer voraussetzen, zeigt die Quote, die ab 2012 innerhalb weniger Jahren von knapp einer halben Million auf 1,7 Millionen Zuschauer (2015) wuchs. Inzwischen sind weit 70 Episoden in neun Staffeln gelaufen.

2014 gab's fĂŒr das Format sogar den „Deutschen Fernsehpreis“ als „Bestes Dokutainment“. Das beeindruckt allerdings nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass selbst so ein Format wie das „Dschungel-Camp“ („Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“) sowohl fĂŒr den „Deutschen Fernsehpreis“ (2011) nominiert worden war als auch fĂŒr den „Grimme-Preis“ (2013). Zur Ehrenrettung des Niveaus dieser Auszeichnungen sei erwĂ€hnt, dass es in beiden FĂ€llen lediglich bei einer Nominierung geblieben ist. Immerhin macht „Shopping-Queen“ deutlich, dass nicht nur auf „RTL“ MĂŒll zu sehen ist, sondern auch auf „VOX“.

Die Wirtschaft suggeriert uns eh schon seit langem – und zwar, um den eigenen Aufschwung herbeizufĂŒhren –, Dinge zu benötigen, die wir gar nicht brauchen. Insofern liegen Formate wie „Shopping-Queen“ voll im Trend.

Viel brauchen wir im Grunde genommen nicht wirklich: ein Dach ĂŒberm Kopf, einigermaßen gesundes Essen und ein Fahrrad. Na ja, OK: vielleicht auch noch ein zeitgemĂ€ĂŸ kleines Auto (auch, damit man mal eine lĂ€ngere Tour machen kann, denn auf die „Deutsche Bahn“ ist eh nicht immer Verlass). Wie auch immer: Einen fahrbaren Untersatz braucht man – gemĂ€ĂŸ einer aktuellen Studie – nun mal, denn wĂ€hrend frĂŒher noch 90 Prozent der Bevölkerung zu Fuß zum Einkaufen gelangten, sind es heutzutage nur noch 70 Prozent, Tendenz sinkend. Der Grund könnte u. a. auch sein, dass viel zu viel UnnĂŒtzes gekauft wird, was sich letztlich nur auf zwei bis vier RĂ€dern transportieren lĂ€sst. Und um den ganzen Mist heimzubringen, den so eine „Shopping Queen“ ergattert hat, reicht ein Fahrrad sicherlich nicht aus, denn die feinen Zwirne – womöglich sogar von ‚Star-Modeschöpfer‘ und Dauer-Moderator Guido Maria Kretschmer selbst kreĂŻert? – sind sicherlich nicht so wahnsinnig strapazierfĂ€hig, dafĂŒr aber bestimmt umso kostspieliger.



„Winneone, Winnetwo, Winnethree“

Wenn sich Regisseure aufs Glatteis begeben ...

Was fĂŒr ein Blödsinn: Im weihnachtlichen TV-Programm von 2016 gab es als Dreiteiler eine Neuauflage von „Winnetou“ zu sehen. Nichts gegen die Talente heutiger Schauspieler – aber wer sich an diesen Stoff wagt (in diesem Falle, was ja fast nicht anders zu erwarten war, „RTL“, der Sender, der schon mit so mancher Eigenproduktion badengegangen ist), kann eigentlich nur scheitern, weil die MaßstĂ€be, die vor einigen Jahrzehnten mal von Pierre Brice („Winnetou“) und Lex Barker („Old Shatterhand“) gesetzt wurden, absolut nicht zu toppen sind. Da muss man schon Michael Herbig heißen und den Stoff in eine Western-Parodie einbauen – alles andere ist vergebene LiebesmĂŒh'!

Aber ob man nun „Winnetou“ nimmt oder andere alte Filmklassiker: Es gibt immer wieder irgendeinen Großkotz, der meint, es bessermachen zu können als der Regisseur des Originals. Meistens gehen solche Remakes ganz gewaltig in die Hose.

Eine der wenigen Ausnahmen, die mir einfallen, wo das Remake wahrhaft gelungen ist, dĂŒrfte „Krieg der Welten“ von 2005 sein mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Das Gelingen ist aber wohl weniger dem Hauptdarsteller zu verdanken, sondern eher der heutzutage möglichen genialen Animations-Technik, ohne die die Macher in den 50er Jahren vor einer schwer zu lösenden Herausforderung gestanden haben.



„Die Geissens“ & Co.

Exhibitionistisch veranlagt, großkotzig,
geschmacklos, unsensibel ...

Dass den Machern des sogenannten Reality-TV schon lange nichts mehr Gescheites einfĂ€llt, wissen wir vermutlich schon seit weit einem Vierteljahrhundert, als nĂ€mlich der Irrsinn namens Privatfernsehen begann, sein Unwesen zu treiben und dem Menschen seine niedersten Gedanken und GefĂŒhle zu entlocken. Seit Mitte der 80er Jahre gerĂ€t der Griff ins Klo immer tiefer.

Vor geraumer Zeit hat „RTL 2“ angefangen, mit „Ferien mit den Superreichen“ dem „RTL“-Erfolg „Die Geissens“ etwas entgegenzusetzen, was das Niveau allerdings kaum aufzumotzen vermochte.

Klar: Wohlhabende sind auch nur Menschen, die rĂŒlpsen und furzen, die aufs Klo gehen, die zuweilen unflĂ€tige AusdrĂŒcke von sich geben und rammeln wie die Kaninchen. Dennoch hat bei mir noch das romantische Bild ĂŒberlebt, dass reiche Menschen – im Gegensatz beispielsweise zu Bewohnern des Prekariats – Niveau haben. Denn wo sonst könnte man noch so viel Niveau finden wie bei Leuten, denen es an nichts mangelt, die ein komfortables Heim haben, genug zu essen, die alles fĂŒr ihr körperliches und gesundheitliches Wohlbefinden tun können!?

Das mit dem hohen Niveau der Reichen ist vermutlich eine Idealvorstellung aus der Kindheit, da ich den Herrschaften von edlem GeblĂŒt (Königen, Herzogen, Grafen etc.), die ich im MĂ€rchen kennenlernte, eine Vielzahl positiver Eigenschaften zubilligte. Letztlich konnten diese sich ausschließlich den schönen Dingen des Lebens widmen und mussten sich nicht mit gewöhnlichen Dingen wie zum Beispiel dem Geldverdienen kasteien. Sie stießen dezent auf, eine große Stoffserviette vor dem Mund, unterdrĂŒckten jeden Furz, sagten sich nur liebe Dinge, was vielfach geradezu poetisch rĂŒberkam, und Sex fand quasi nicht statt und wurde bestenfalls verklausoliert dargestellt, und was dabei rauskam, mutete eher wie eine jungfrĂ€uliche Geburt an. Und ein Gang zur Toilette fand ausdrĂŒcklich nicht statt.

Die Sendung „Die Geissens“, wovon ich bestenfalls (oder besser gesagt: allerschlimmstenfalls) mal wenige Minuten und in erster Linie Vorschauen gesehen habe, hat mein Bild von Reichen mĂ€chtig erschĂŒttert. Um das Kotzen zu bekommen, genĂŒgt bereits, die widerwĂ€rtig krĂ€chzende Stimme der ‚Dame des Hauses‘ zu hören, wenn sie ihr geradezu schon legendĂ€res „Rooobert“ von sich gibt.

Wie tief doch das Privatfernsehen gesunken ist – und mit ihm der Geschmack TV-Glotzer. Manchmal frage ich mich allerdings: Was war zuerst da: das Ei oder die Henne? Ich muss dann allerdings resignierend feststellen, dass fĂŒr die Eier, die die privaten TV-Sender da regelmĂ€ĂŸig legen, die Henne namens Zuschauer verantwortlich zeichnet – denn ohne die wĂ€re man höchstwahrscheinlich nicht auf dermaßen verblödete Sendeformate gekommen. Und mit jedem weiteren dĂŒmmlichen Format, mit dem die Privaten aufwarten, hat man das GefĂŒhl, dass sich der Bregen des Zuschauers weiter zurĂŒckentwickelt und verkleinert. Ich warte nur noch darauf, dass man beim Gang durch die Öffentlichkeit derer Gewahr wird, weil sie nicht mehr auf zwei Beinen gehen können und stĂ€ndig versuchen, auf BĂ€ume zu klettern.



Z-Promi-Show vs. Schwein

Wie im Radio bei Kuhlage und Hardeland („N-Joy“) kĂŒrzlich mal berichtet worden ist, wurde Tage zuvor mal in der Glotze von Joko und Klaas ausgelotet, was wohl unterhaltsamer ist: Das „Sommerhaus der Stars“ oder ein Schwein. Ohne NĂ€heres ĂŒber das TV-Format zu wissen (schließlich kenne ich besagte Sendung, bei denen offenbar nur Z-Promis am Start sind, nur aus der Werbung), weiß ich aus Dokumentarfilmen, wie unterhaltsam Schweine sein können – egal, ob Hausschweine oder Wildschweine. Also lautet meine Antwort – schon allein deswegen, weil das ganze auf „RTL“ lĂ€uft – ganz klar: „Schwein“! BestĂ€tigung findet man, wenn man erfĂ€hrt, dass das Sozialverhalten der „Sommerhaus“-Bewohner unter aller Sau ist, weil wohl Situationen regelmĂ€ĂŸig eskalieren. Aber das genau ist es wohl auch, was der primitive „RTL“-Zuschauer sehen will. Eine Internet-Plattform titelte passenderweise zur QualitĂ€t dieses SendemĂŒlls: „Reality-TV am Limit“.